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Die Angeklagten Walter G. (l-r), Rolf R. und Rüdiger S. Bauingenieur Walter G. räumte als Einziger Fehler ein.

Plädoyers im Eishallenprozess

„Einsturz war keine höhere Gewalt“

Traunstein – Im Prozess um den Einsturz der Eislaufhalle von Bad Reichenhall hat die Staatsanwaltschaft ihre Plädoyers gehalten – und alle drei Angeklagten für schuldig befunden. Ob sie tatsächlich verurteilt werden, bleibt offen.

Es war 9.07 Uhr, als Oberstaatsanwalt Günther Hammerdinger die Beweisaufnahme für geschlossen erklärte. „Schuldabwälzungen haben wir in diesem Verfahren bis zum Überdruss gehört“, sagte er im Sitzungssaal 33 des Landgerichts Traunstein – schuld an dem Drama von Bad Reichenhall sind seiner Ansicht nach drei Männer, die seit Januar auf der Angeklagebank sitzen.

Zwei Bauingenieure und ein Architekt müssen sich für den Tod von 15 Menschen verantworten – drei Mütter sowie zwölf Kinder und Jugendliche starben, als das Dach der maroden Eislaufhalle am 2. Januar 2006 einstürzte. Bis heute ist keine Prüfstatik für das Unglücksgebäude aufgetaucht; demnach ist die Eislaufhalle als Schwarzbau errichtet worden. „Ich halte es für ausgeschlossen, dass so ein Dokument verschwindet“, sagte Hammerdinger. „Eine geprüfte Statik hat es nie gegeben.“ Der Einsturz sei „keine höhere Gewalt gewesen, sondern eine Reihe von Versäumnissen“.

Nur einer der Beschuldigten hatte während der Verhandlung Fehler eingeräumt. Der psychisch angeschlagene Bauingenieur Walter G. (68) sagte: „Ich gebe mein Versagen zu.“ Walter G. war Anfang der 70er-Jahre zuständig für Planung, Herstellung und Montage der Holzdachkonstruktion. Die Anklage wirft ihm vor, gravierende Fehler bei statistischen Berechnungen gemacht und Bauvorschriften nicht eingehalten zu haben. Auch soll ihm nicht aufgefallen sein, dass wasserlöslicher Leim für die Holzträger verwendet wurde. „Hätte der Angeklagte G. pflichtgemäß gehandelt“, sagte Hammerdinger, „würde die Dachkonstruktion mit Sicherheit noch stehen“. Er forderte eineinhalb Jahre auf Bewährung und sprach von einem „erheblichen Mitverschulden“.

Dem Architekten Rolf R. (64) attestierte Hammerdinger ein Unterlassungsdelikt, mehr sei nicht nachweisbar gewesen. Rolf R. war Projektleiter für die Eislaufhalle – „ich sitze als Unschuldiger auf der Anklagebank. Warum sitzen nicht die hier, die für die Instandhaltung verantwortlich waren?“, hatte er am ersten Prozesstag gefragt – und damit die Schuldfrage auf die Stadt gelenkt. Hammerdinger sagte: „Der Angeklagte R. hätte die Stadt auf das Fehlen der Prüfstatik hinweisen müssen. Er hat es nicht getan. Deshalb machte er sich strafbar.“ Strafmaß: eine Geldstrafe in Höhe von 54 000 Euro.

Für den jüngsten Angeklagten, den Statiker Rüdiger S. (55), forderte Staatsanwalt Volker Ziegler ein Jahr auf Bewährung. Rüdiger S. hatte 2003 eine Studie für die Stadt erstellt, wonach er der Eislaufhalle „einen allgemein als gut zu bezeichnenden Zustand“ attestierte. „Er hat besonders nachlässig gearbeitet“, sagte Ziegler. „Er hat die Schädigungen der Hozdachkonstruktion nicht erkannt und keine statistischen Daten herangezogen.“

Rüdiger S. hatte während der Verhandlung gesagt, dass „eine intensive Überprüfung“ nie Auftragsgegenstand gewesen sei – dafür hätte die Stadt mindestens das Zwölffache investieren müssen; tatsächlich zahlte sie für das „Bestandsgutachten“ 3000 Euro. Ziegler konterte, Rüdiger S. hätte demnach nie Aussagen zur Tragfähigkeit treffen dürfen.

Am Montag plädieren die Verteidiger – sie werden höchstwahrscheinlich Freisprüche fordern. Der Anwalt von Walter G. hat bereits gestern gesagt: „Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es nie eine Prüfstatik gab. Aber sie hat das nicht bewiesen.“

Ein Großteil der Nebenkläger forderte für alle Beschuldigten Freiheitsstrafen ohne Bewährung; viele appellierten an das Gericht, auch die Verantwortlichen der Stadt Bad Reichenhall zur Verantwortung zu ziehen. Ein Vater, der zwei Töchter bei dem Einsturz verlor, sagte: „So etwas darf nie mehr passieren.“ Das Urteil wird Ende November erwartet.

von Barbara Nazarewska

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