Der Todestanz der Eintagsfliegen

Naabtal - Fliegen, Fliegen überall Eintagsfliegen. Jedes Jahr gibt es im Landkreis Schwandorf ein beeindruckendes Naturschauspiel zu bewundern, was gleichzeitig für die Feuerwehren Überstunden bedeutet.

Erst sieht es aus, als ob der Wind Nebelschwaden über die Naab treibt – dann sieht man plötzlich nur noch weiß: Jedes Jahr im Hochsommer gibt es an einigen Naab-Brücken im Landkreis Schwandorf ein beeindruckendes Naturschauspiel zu bewundern. Denn dann schlüpfen am Ufer des Flusses Milliarden von Eintagsfliegen. Magisch angezogen vom Licht der Straßenlaternen, versammeln sie sich danach zu ihrem Liebestanz auf den Brücken. Und lösen damit in jedem Jahr einen Großeinsatz der Feuerwehren aus. Denn das Paarungsspiel ist für die männlichen Fliegen tödlich. Die Folge ist eine – oft mehrere Zentimeter dicke – Schicht toter Insekten auf der Straße. Und die ist für Autofahrer brandgefährlich. Andreas Ringl­stetter (32), Kommandant der Feuerwehr in Nabburg: „Das wirkt wie Glatteis.“

Das Phänomen kam bereits im vergangenen Jahr vor

Eintagsfliegen legen Verkehr lahm

Deshalb sind seine Männer im Hochsommer quasi im Wintereinsatz. Mit Schneeschippen räumen sie die Brücke frei, wenn der Alarmpiepser wieder meldet: „Eintagsfliegen auf der Naab-Brücke.“ Ringlstetter: „Der Zauber beginnt immer gegen 21.30 Uhr und dauert etwa eineinhalb Stunden. Danach sieht die Brücke aus, als ob es geschneit hätte.“ Gut 60 Minuten brauchen seine Leute (20 Mann sind immer im Einsatz) dann, um die weiße Schmiere von der 25 Meter langen und rund sechs Meter breiten Brücke wieder abzukratzen. Wenigstens ist die Entsorgung einfach: Der weiße Brei wird in die Naab gekehrt – das freut die Fische.

In Schwandorf, ein paar Kilometer weiter die Naab hinunter, ist man inzwischen schon weiter. Dort stellt man unter der Brücke Leuchten auf, damit die Brücke sauber bleibt. „Aber das kostet natürlich einiges“, so Ringlstetter. Der wird an die Einsätze übrigens jedes Mal erinnert, wenn er ins Feuerwehrgerätehaus kommt. Dort stinkt’s gewaltig – „nach toten Fliegen. Die stecken ja in jeder Fahrzeugritze.“ Das Naturspektakel gibt’s übrigens erst seit ein paar Jahren. Erst in Schwandorf, dann auch in Schwarzenfeld und Nabburg. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Denn nach dem Liebesakt legen die Weibchen ihre Eier gleich wieder am Ufer ab. Nach ein bis vier Jahren schlüpfen dann neue Larven ...

Verunglückt ist auf dem Schmierfilm bisher glücklicherweise noch niemand. Ein Rollerfahrer rutschte zwar einmal aus, blieb aber unverletzt. Inzwischen zieht das Spektakel sogar Schaulustige an – und Biologiestudenten. Das Problem ist nur: Ganz genau weiß niemand, wann der nächste Todestanz stattfindet.

WdP

Rubriklistenbild: © BK-Media

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