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Aufnahme der Infrarot-Überwachungskamera im Gehege von Vera: Eines der beiden Eisbärenbabys ist zu erkennen (Kreis).

Eisbären-Nachwuchs: Zwei Geschwister für Flocke

Nürnberg - Zwei Geschwisterchen für die kleine Eisbärin Flocke: Im Nürnberger Tiergarten hat die sechsjährige Eisbärendame Vera Zwillinge zur Welt gebracht.

Die beiden Jungtiere seien wohlbehalten und würden von ihrer Mutter vorbildlich versorgt, berichtete Tiergartenchef Dag Encke am Mittwoch und zeigte die ersten Bilder von einer vorsorglich in der Bruthöhle installierten Videokamera: Darauf sind die zwei kleinen Bären, die etwa die Größe von Meerschweinchen haben, strampelnd zu sehen, ihr Quäken ist deutlich zu vernehmen.

Der Tiergarten will nun alles versuchen, damit Vera ihre Jungen diesmal selbst aufzieht. Das vor knapp einem Jahr, am 11. Dezember 2007, geborene Eisbärenbaby Flocke war mit der Hand großgezogen worden. Es war von der Mutter getrennt worden, da die Gefahr bestand, dass Vera es auffressen würde. Die Handaufzucht hatte weltweit für viel Interesse gesorgt.

Eisbärin Flocke hat zwei Geschwister bekommen.

Die beiden zwischen 400 und 500 Gramm schweren Jungtiere, deren Geschlecht noch unbekannt ist und die auch noch keine Namen haben, kamen am vergangenen Freitag zur Welt. Die Geburt sei per Videokamera aber nicht zu sehen gewesen, da Vera sich gekrümmt und dadurch die Sicht verdeckt habe, sagte der stellvertretende Tiergartendirektor Helmut Mägdefrau. Um 8.20 Uhr habe man das erste Quäken gehört und Gewissheit über die Geburt eines Kleinen gehabt; zwischen 9 und 10 Uhr kam dann das zweite hinterher.

Wenn alles gut geht, werden die Babys nun einige Monate mit ihrer Mutter in der Geburtshöhle verbringen. "Wir hoffen, dass Vera irgendwann im März oder April 2009 mit ihren beiden Jungen herauskommt", sagte Mägdefrau. Das Geschlecht der Babys könne erst bei der ersten tierärztlichen Untersuchung in drei oder vier Monaten bestimmt werden.

Vater der Jungtiere ist der sieben Jahre alte Eisbär Felix, der auch Flockes Vater ist und sich mittlerweile in Aalborg (Dänemark) befindet. Gewissheit über die Schwangerschaft hatte der Tiergarten bis zuletzt nicht, doch das von der Kamera aufgenommene Nestbau- Verhalten der Eisbärin ließ darauf schließen. Das Gehege von Vera wurde schon seit Wochen von niemandem mehr betreten.

"Wir hoffen, dass uns eine zweite Flocke erspart bleibt", sagte Tiergartenchef Encke. Die Handaufzucht des Eisbärenbabys im vergangenen Winter hatte dem Zoo über Wochen hinweg große Aufmerksamkeit eingebracht. Menschen in aller Welt interessierten sich für das putzige Jungtier. Zugleich gab es aber auch viel Kritik daran, dass der Tiergarten das Baby von der Mutter getrennt hatte.

Genau das soll diesmal vermieden werden. Störungen am Gehege, sei es durch Kamerateams oder durch allzu neugierige Besucher, will der Zoo in der kritischen Zeit - das sind die nächsten sechs bis acht Wochen - unbedingt verhindern. Das Gehege werde deshalb rund um die Uhr bewacht, sagte Encke. Denn wenn sich Mutter Vera gestört fühle, wachse die Gefahr, dass sie ihre Jungen auffresse.

"Es bleibt uns nichts übrig als abzuwarten", erläuterte Encke, der diesmal aber nicht mit einem ähnlichen Rummel wie um Flocke rechnet. Gleichwohl will sich die Stadt nach den Worten des 2. Bürgermeisters Horst Förther (SPD) frühzeitig die Rechte für bestimmte Namen sichern. "Wir wollen verhindern, dass die Bären von anderen vermarktet werden", sagte Förther.

Flocke selbst, die putzmunter im Nachbargehege von Vera lebt, wird mit der Mutter und den Geschwisterchen übrigens nicht in Kontakt kommen. Sie würde die Jungen angreifen und auffressen wollen. "Man kann nicht sagen: "Guck mal Flocke, du hast Geschwister bekommen"", sagte der Tiergartenchef scherzhaft. "Dann würde Flocke sagen: "Lecker!""

dpa/lby

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