Er war im FCB-Fanclub für Rollstuhlfahrer

Auf der Autobahn: Edgar (29) von Metallteil erschlagen

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Reichertshofen - Eine Familie aus München war am Sonntagnachmittag auf der A9 unterwegs. Bei Reichertshofen durchschlug ein schweres Eisenteil die Frontscheibe und traf den Beifahrer am Kopf. Er starb am Montag an seinen schweren Verletzungen.

Es ist ein Alptraum, der kaum zu fassen ist: Mit einem großen Loch in der Scheibe steht die Mercedes E-Klasse auf der Autobahn A 9 bei Reichertshofen. Ein faustgroßes Metallteil hat sie durchschlagen – und dabei ein Leben ausgelöscht. Es ist die traurige Geschichte der Familie B.

Diese große Schraube flog auf der A 9 durch die Frontscheibe eines Autos. Edgar, der von dem Eisenteil am Kopf getroffen wurde, starb am Montag im Krankenhaus an seinen schweren Verletzungen.

Gemeinsam waren sie am Sonntagnachmittag auf dem Heimweg von Berlin nach München, der Opa hatte seinen 80. Geburtstag gefeiert. Vater Andre B. (54) fuhr auf dem linken Fahrstreifen, nur noch eine Stunde waren sie von Zuhause entfernt. Da wurde an der Anschlussstelle Langenbruck auf der Gegenfahrbahn plötzlich ein 15 Zentimeter großes Eisenstück aufgewirbelt und flog über die Fahrspuren hinweg direkt in seine Windschutzscheibe. Auf dem Beifahrersitz schlug das 1,5 Kilogramm schwere Teil ein – und traf seinen Sohn Edgar (29) am Kopf. Wie sich erst im Nachhinein herausstellte, handelte es sich um eine Befestigungsmutter für Fracht-Container, die auch die Scheibe der Fondtüre zerfetzte. Mit letzter Kraft steuerte der Vater das Auto auf den Standstreifen.

Durch den Unfall zog sich Edgar B. massive Kopfverletzungen zu. Rettungskräfte brachten den jungen Mann sofort in die Klinik. Unter Schock fuhren Vater Andre B., seine Ehefrau und Edgars kleiner Bruder (20) hinterher. Am Montag erlag Edgar seinen schweren Verletzungen. Die Familie trauert um ihn.

„Edgar war Zeit seines Lebens auf den Rollstuhl angewiesen, aber er hat sich nie beklagt“, sagt der Vater. „Er hat seine Behinderung immer souverän akzeptiert. Er hatte eine hohe emotionale Intelligenz und sehr viel Empathie für seine Angehörigen.“ Besonders seinen kleinen Bruder liebte er sehr. Der Vater: „Edgar war sehr witzig und schlagfertig. Er brachte oft mehr Interesse für andere auf als die anderen für ihn.“

Seit zehn Jahren lebte Edgar im Münchner Förderzentrum. „Wir haben uns Sorgen gemacht, als Edgar am Sonntag nicht zurückgekommen ist. Denn er und seine Familie waren immer sehr zuverlässig“, sagt Einrichtungsleiter Christian Miska. „Edgar war bei uns und in der Wohngruppe voll integriert. Er war Fan des FC Bayern und im Fanclub für Rollstuhlfahrer engagiert. Und ging auch gerne mit den anderen Mitgliedern der Wohngruppe ins Kino oder zum Karaoke“, sagt Miska. „Mit seiner Familie lebte Edgar sehr harmonisch. Aus Sicht der Heimleitung hatte er ein sehr freundliches und nettes Elternhaus, die sich immer um ihren Jungen bemüht haben. Am Wochenende waren sie regelmäßig zusammen unterwegs.“

So auch zur Feier nach Berlin. Ein unfassbares Unglück kostete Edgar auf dem Heimweg das Leben!

Andreas Thieme, Sebastian Arbinger, Jacob Mell

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