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Viele Alpengipfel haben Thomas Hartl (mitte) und Thomas Schöberl (rechts). Thomas Adlmaier auf einer Tour, bei der das Wetter der Seilschaft gewogen blieb.

Schneesturm auf großer Höhe überstanden

Eisige Begegnung mit dem Todessturm: Oberbayerisches Trio überlebt auf 4000 Metern

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Drei Bergsteiger aus dem Chiemgau überleben auf über 4000 Höhenmetern einen tödlichen Schneesturm. Während sie in einer selbst geschaufelten Höhle ausharren, sterben an einem nahen Gipfel sieben Menschen. Auch die drei Bayern begegnen am Berg dem Tod.

RosenheimDie Dunkelheit bricht herein, seit Stunden sind drei Bergkameraden aus dem Chiemgau im Monte-Rosa-Massiv in den Walliser Alpen zwischen der Schweiz und Italien unterwegs. Doch nun stecken sie fest. Im selben Sturm, der an diesem Tag rund 15 Kilometer Luftlinie entfernt am Pigne d’Arolla sieben Menschen das Leben kostet.

Thomas Schöberl (34), Thomas Adlmaier (47) und Thomas Hartl (48) brechen regelmäßig zu Hochtouren auf. Dutzende 4000er haben sie in der Schweiz bestiegen, auch 6000er in den Anden. Seit Jahren gehen sie jährlich gemeinsam auf Skitour. Auch heuer – drei Tage lang auf verschiedenen Routen im Monte-Rosa-Massiv. So bezwingen sie etwa das Nordend, mit 4609 Metern eine der höchsten Spitzen im Massiv.

„Wir haben den Wetterbericht genau studiert“

Tags darauf, es ist Sonntag, der 29. April: Über das Lysjoch wollen die Chiemgauer wieder auf die italienische Seite. Sie sind seit dem frühen Morgen unterwegs. Adlmaier erzählt: „Wir haben den Wetterbericht genau studiert und wussten, dass das Wetter später umschlägt.“ Bei leichtem Wind steht das Trio gegen Mittag kurz vor dem Joch. Doch dann verschlechtert sich rapide das Wetter – entgegen der Prognose, die den Umschwung erst für den Nachmittag ankündigte. Die Temperatur rauscht auf zweistellige Minuswerte hinunter, begleitet von Sturm und Schneegestöber.

„Plötzlich gab es keine Anhaltspunkte mehr“, erinnert sich Adlmaier. Per GPS versucht die Seilschaft, das Joch anzupeilen. Doch sie erwischt den falschen Aufstiegshang. Und eines ist allen klar: Ein Abstieg über den Gletscher zur Monte-Rosa-Hütte ist wegen kaum zu erkennender Eis-Spalten zu riskant.

Auf ihrem Irrweg auf rund 4200 Metern Höhe machen sie eine schreckliche Entdeckung: Ein Stock ragt aus dem Schnee, daneben liegt die Leiche einer Frau. „Das war ein Schock“, sagt Schöberl. Sie war wohl erfroren, „ein Anblick, wie man ihn von Unglücken am Mount Everest kennt“. Es dürfte sich um die Leiche einer seit dem Sturm vermissten Russin handeln. „So wollten wir nicht enden“, sagt Schöberl. Doch da ist es schon 17 Uhr und keine rettende Hütte mehr erreichbar.

Trio hat Angst zu ersticken

Die Nacht auf den 30. April: Die Freunde wissen, dass sie sich vor Wind und Wetter schützen müssen. Sie graben sich mit ihren Schaufeln schräg in den Hang hinein. Eine ganze Stunde lang schuften sie, schätzt Schöberl. „Unser Loch sollte so groß sein, dass wir keine Platzangst bekommen, wir richtig atmen können, aber es für uns auch warm genug bleibt.“ Über die Öffnung legen sie Skier und Rucksäcke, packen Schnee dazwischen. Draußen faucht der Sturm mit Blitz und Donner über den Berg. Jede Stunde robbt einer der Bergsteiger bei minus 25 Grad aus dem Loch, um die Schneemassen davor wegzuschaufeln. Das Trio hat Angst, sonst in der engen Höhle zu ersticken.

Drinnen kauern die Freunde bei etwa einem Grad plus unter Biwaksack und Rettungsdecke und hofften auf Wetterbesserung. Was bis dahin zählt: bloß nicht einschlafen. Durch Gespräche halten sie sich wach, telefonieren sogar mit der Bergwacht und bekommen von dort die Anweisung, bis zum Morgen auszuharren. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig – ein Rettungsflug durch die stürmische Nacht ist zu gefährlich.

Bange, ungewisse Stunden vergehen. Bis Thomas Adlmaier um 5 Uhr aus dem Loch kriecht und draußen sternenklaren Nachthimmel sieht. „Jetzt wussten wir, wir werden überleben“, erinnert er sich. Anderthalb Stunden später steigt ein Helikopter der Air Zermatt auf, findet die Bergsteiger und fliegt sie ins Tal. In Zermatt werden sie versorgt und untersucht. Die drei sind von den Ereignissen der Nacht durchgeschüttelt, aber unverletzt. Sie fahren sogar selbst mit dem Auto heim ins Chiemgau. Doch allen ist auf der Rückreise klar: Das ist nicht selbstverständlich. Nur wenige Kilometer entfernt hat sich zur selben Zeit eine der größten Bergtragödien der vergangenen Jahre ereignet.

Markus Christandl

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