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Das Internat Schloss Salem „entschleunigt“ seine Schule.

Eliteschule führt G 9 wieder ein

München - Dieser Schritt könnte Vorbildfunktion haben: Die Eliteschule Schloss Salem in Baden-Württemberg will optional das G 9 wieder einführen. Schon gibt es Stimmen, die für Bayern Ähnliches vorschlagen.

Rückkehr zum G 9, da war doch mal was. Im Jahr 2005 scheiterte in Bayern ein Volksbegehren zur Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums kläglich. Nur 2,4 Prozent der Wahlberechtigten trugen sich damals in die Listen ein. Die Diskussion schien damit erledigt – schien. Denn bundesweit mehren sich die Stimmen derjenigen, die den Schülern zumindest die Wahl zwischen G 8 und G 9 lassen wollen.

Ein weiteres Indiz für diese Annahme: Schloss Salem hat sich jetzt entschieden, ab dem Schuljahr 2010/11 ein sogenanntes Salemjahr anzubieten – nicht als Pflicht, sondern als Angebot für diejenigen Schüler, die das wollen. Eine „Entschleunigung“ des G 8 nennt das Salem. In einem zusätzlichen Schuljahr nach Klasse 10 wird der schulische Stoff der Mittelstufe noch einmal gründlich aufbereitet. „Der akademische Druck ist für eine Reihe von Schülern zu hoch, um das konzentrierte Programm mit zufriedenstellenden Ergebnissen zu bewältigen“, heißt es zur Begründung. Im Salemjahr könnten Lern- und Präsentationsmethoden gefestigt werden, ebenso Projektarbeit und außerdem könne ein mehrwöchiger Sprachaufenthalt im Ausland absolviert werden – alles Dinge, die auch mancher Schulleiter in Bayern schmerzlich vermisst. „Vom Marketing gesehen äußerst geschickt“ empfindet Winfried Steflbauer die Salemer Entscheidung. Der Leiter des Münchner Albert-Einstein-Gymnasiums und Vorsitzende der Bayerischen Direktorenvereinigung denkt, dass zumindest bayerische Privatschulen hier nachziehen werden. Er sieht beim G 8 „ein hohes Lerntempo“.

Zugleich wollten die Eltern quasi eine „Abi-Garantie“. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, würde manchen Schülern ein Zusatz-Jahr sicher helfen, meint Steflbauer. Er sei aber skeptisch, ob die CSU-/FDP-Regierung dies aufgreifen werde. „Der Zug ist wohl abgefahren.“ In der Tat spricht sich Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) strikt gegen ein solches Experiment aus. „Ich hielte es für einen Treppenwitz, wenn man hier ein Roll-Back machen würde“, sagt er. Er setze auf „Systemkonstanz“, die „Phase der Unruhe“ an den Schulen müsse für lange Zeit vorbei sein. Hingegen kommentiert die FDP-Bildungsexpertin Renate Will das Salemjahr durchaus mit Sympathie. Nach Abschluss des doppelten Abi-Jahrgangs „müssen wir noch mal hinschauen“, sagt die Landtagsabgeordnete. „Optional dann auch eine Rückkehr zum G 9 zu ermöglichen, das fände ich gut.“

Auch Philologenchef Meidinger fordert, nach Abschluss des doppelten Abiturjahrgangs im Jahr 2011 das G 8 auf dem Prüfstand zu stellen. „Ich kann mir gut ein Alternativangebot G 9 vorstellen.“ Das sei allemal besser, als ständig weiter am G 8 „herumzudoktern“.

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