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Eltern-Protest gegen das bayerische Grundschulabitur

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Von: Dirk Walter

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Maske wieder auf: In Bayern muss der Mund-Nasenschutz im Unterricht nun wieder getragen werden. An weiterführenden Schulen müssen es medizinische Masken sein, an Grundschulen reichen textile. SYMBOLBILD: FISCHER/DPA
Stress in Klasse 4: Grundschüler im Unterricht. SYMBOLBILD: FISCHER/DPA © Gregor Fischer

München – Ruth Zeifert hatte es bereits im Januar geahnt, dass es ein schweres Corona-Jahr werden würde. Da waren die Schulkinder – auch die in den Grundschulen – schon in den Distanzunterricht geschickt worden. Im Januar startete die Mutter zweier Töchter eine Petition. „Für die Chancengleichheit: Kein Grundschulabitur im Corona-Jahr“, lautet die Überschrift.

Gemeint ist: Die starre Regelung, nach der der Notenschnitt über den Übertritt auf Gymnasium oder Realschule entscheidet, soll weg. Stattdessen sollen die Eltern zusammen mit dem Lehrer selbst entscheiden, welche Schulart nach der 4. Klasse besucht wird. Die Forderung ist nicht neu, doch Corona ist ein Zusatz-Argument. „Die Qualität des Homeschoolings variiert je nach Fähigkeiten der Lehrkraft“, heißt es in der Petition. Das führe „unwillkürlich zu Ungerechtigkeiten“. Selbst die beste Form des Homeschoolings ersetze nicht die Präsenz der Lehrer und Kinder im Klassenzimmer.

Die Münchner Soziologin und Autorin ist mit ihrem Ärger nicht allein. Bei Change.org startete eine Mutter aus Krumbach schon vor drei Jahren eine Unterschriftenaktion, mit der die „Freigabe des Elternwillens“ erreicht werden soll. Knapp 8000 Unterschriften kamen bisher zusammen. Ebenfalls bei Change.org kursiert eine Petition mit dem Titel „Freigabe des Elternwillens beim Übertritt an weiterführende Schulen im Coronajahr 2021“ mit 4500 Unterschriften.

Ruth Zeifert protestiert gegen Notenvorgaben
Ruth Zeifert protestiert gegen Notenvorgaben © Privat

Ruth Zeifert hat vor Kurzem 2470 Unterschriften als Petition im Bayerischen Landtag eingereicht. Besonders erfreut ist sie über die fast 1000 Kommentare zu der Petition. „Bin selbst Viertklasslehrerin“, heißt es da. „In der momentanen Ausnahmesituation kann und darf nicht am strengen und starren Übertrittsverfahren in Bayern festgehalten werden.“ Oder: „Das ganze Schulsystem gehört längst überarbeitet und den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Thema Lernen und Persönlichkeitsentwicklung angepasst.“

Zwei schlechte Noten - und der Übertritt ist verpatzt

Manche Eltern schütten auch ihr Herz aus, berichten über den Sohn, der in der 4. Klasse eine neue Lehrerin bekam, durch Corona einigen Unterricht verpasste und dann zwei schlechte Deutsch-Noten mit nach Hause brachte. Da sei selbst der für den Übertritt in die Realschule benötigte Notenschnitt von 2,66 „fast nicht mehr zu erreichen“.

Die Erfolgsaussichten der Petition sind gering – das Kultusministerium hatte schon unter der Ägide der von der CSU gestellten Minister entsprechende Vorstöße des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands stets abgelehnt. Daran hat sich auch unter dem Freien Wähler Michael Piazolo wenig geändert.

Das Ministerium verweist jedoch auf eine Erleichterung: Die Zahl der Probearbeiten in den Fächern Deutsch, Mathematik sowie Heimat- und Sachunterricht sei in diesem Schuljahr erneut von 22 auf 18 gesenkt worden, „um etwaige Drucksituationen so weit wie möglich zu entschärfen“, wie Ministeriumssprecher Michael Kern betont. Ruth Zeifert beruhigt das jedoch nicht: Auch ein guter Schüler kann mal eine schlechte Note schreiben, argumentiert sie. „Diese fällt dann noch mehr ins Gewicht.“ Sie findet: „Wenn man schon von Schulfamilie spricht, dann muss man ja auch auf uns hören.“ Für ihre Familie käme eine Neuregelung aber zu spät: Die Töchter haben die Grundschule bereits hinter sich.

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