Kurfürst Max Emanuel in Rüstung und mit Kommandostab: ein Werk von Vivien.

Max Emanuel: „Kurfürstlicher Bankrotteur“ und Kunstliebhaber

München – Eine der schillerndsten Figuren der bayerischen Geschichte feiert in diesem Jahr ihren 350. Geburtstag: Kurfürst Maximilian Emanuel (1662-1726).

Fast ein halbes Jahrhundert bestimmte er das Schicksal des Landes. Viel Leid widerfuhr Bayern in dieser Zeit durch Kriege und Besatzung. Der „Blaue Kurfürst“ hinterließ seinen Nachfolgern außerdem einen gewaltigen Schuldenberg – aber eben auch einzigartige Schlösser, Gärten und herrliche Kunstschätze! So wechselvoll seine politische Karriere auch war – als Bauherr, Sammler und Mäzen hat er zu Bayerns Kulturerbe Unschätzbares beigetragen.

Schon seiner Geburt verdanken wir eines der schönsten Schlösser: Als Henriette Adelaide nach zehnjähriger Ehe am 11. Juli 1662 endlich ihrem Gemahl, dem Kurfürsten Ferdinand Maria, den lang ersehnten Thronerben Max Emanuel gebar, stiftete dieser vor Freude nicht nur die Theatinerkirche, sondern schenkte der Kurfürstin einen Landsitz im Westen Münchens. Sie nannte ihn „Borgo delle ninfe“.

Max Emanuel ließ den Landsitz seiner Mutter später zu einer eindrucksvollen barocken Sommerresidenz ausbauen. Keiner der zahlreichen Bauherren prägte Schloss und Park Nymphenburg so stark wie er. Dominique Girard und Joseph Effner schufen Wasserspiele, Heckengärten, Parterres und ein markantes Alleenund Sichtachsensystem, das die Parkanlage gliederte und mit der umgebenden Landschaft verknüpfte. Den Höhepunkt bilden zwei reizende Parkschlösschen, die Pagodenburg und die Badenburg.

Nymphenburg ist aber nicht das einzige Ensemble barocker Schlossbau- und Gartenkunst allerersten Ranges, das wir Max Emanuel verdanken. Mit der Schlossanlage Schleißheim schufen italienische, französische und bayerische Künstler in seine Regierungszeit ein weiteres bedeutendes Denkmal europäischer Kunstgeschichte.

Unmittelbar nach seiner Rückkehr als ruhmreicher Feldherr nach dem Sieg über die Türken vor Wien (1683) beauftragte Max Emanuel den Hofbaumeister Henrico Zuccalli mit dem Bau des Jagdschlösschens Lustheim. Den Anlass hierzu dürfte seine geplante Vermählung mit der Kaisertochter Maria Antonia gebildet haben, die 1685 stattfand. Zwischen dem neuen Lustheim und dem Alten Schloss Schleißheim ließ er ab 1701 dann das Neue Schloss anlegen, das dem Vorbild des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. von Frankreich nacheiferte.

Zuccalli plante das prunkvolle Neue Schloss in riesigen Dimensionen. Angestrebt war der Bau einer neuen Residenz außerhalb Münchens. Dazu kam es nie, aber auch als repräsentativer Sommersitz stellt es eine eindrucksvolle, weitläufige Anlage dar. Zwischen dem Neuen Schloss und Lustheim wird eine Blickachse festgelegt, an der sich ein streng regelmäßiger Garten im französischen Stil orientiert. Der deutschlandweit einzigartige Barockgarten hat sich bis heute weitgehend erhalten.

An Max Emanuels dunkelste Stunde erinnert eine Ausstellung in Schloss Höchstädt an der Donau: Die Schlacht von Höchstädt 1704 hat europäische Geschichte geschrieben. Mit 25.000 getöteten oder verwundeten Soldaten bildete sie den ersten Höhe- und Wendepunkt des Spanischen Erbfolgekrieges, der Max Emanuels großen politischen Ambitionen ein bitteres Ende setzte und ihn Land und Heer kostete.

Als der Kurfürst nach dieser Niederlage 1715 endlich aus dem französischen Exil nach Bayern zurückkehrte, ließ er nicht nur großartige Neubauten wie Nymphenburg und Schleißheim vollenden. Auch Schloss Dachau, ein beliebter Landsitz der bayerischen Herrscher, wurde modernisiert und der Festsaaltrakt neu gestaltet. Dies war die erste Bauaufgabe, die Joseph Effner realisierte. Max Emanuel hatte den Sohn seines Dachauer Hofgärtners 1706 nach Paris geholt und ihm eine Ausbildung finanziert. Effner prägte das spätbarocke Erscheinungsbild der Wittelsbacher Schlösser. Nicht nur Max Emanuel, auch Effner feiert im Übrigen dieses Jahr einen runden, nämlich den 325. Geburtstag!

Eigentlich scheint es verwunderlich, dass der ambitionierte und baufreudige Kurfürst am wichtigsten Palast der bayerischen Herrscher, der Münchner Residenz, relativ geringe Spuren hinterlassen hat. Grund dafür ist ein verheerender Brand, der nur wenige Jahre nach Max Emanuels Tod 1726 zentrale, in seiner Regierungszeit neu gestaltete Teile der Residenz zerstörte.

Dennoch zeugen bis heute eindrucksvolle Überreste von der Energie, mit der sich der junge Herrscher gleich nach seinem Regierungsantritt mit nur 18 Jahren daran machte, seinen Namen unauslöschlich mit der Geschichte der Residenz und Bayerns zu verbinden.

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