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Ein Prosit auf die Hilfsbereitschaft: Vertreter verschiedener Hilfsorganisationen vor dem Schloss Schleißheim. Von links: Rotes Kreuz, Wasserwacht, Polizei, Bundeswehr, THW, Bergwacht und Feuerwehr.

Schloss in Schleißheim

Empfang für Fluthelfer: Ein Abend mit 3000 Helden

München - Horst Seehofer und Barbara Stamm haben am Montagabend 3000 Fluthelfer ins Neue Schloss in Schleißheim eingeladen – stellvertretend für die rund 100.000 Helfer, die bei der Hochwasserkatastrophe im Einsatz waren.

Die Bilder, die Siegfried Ippisch noch immer im Kopf hat, sind mächtiger als alle Fotos, die durch die Medien gegangen sind. Kinder, die sich an ihren Teddybären festklammern, während sie in Rettungsboote steigen. Senioren, die ihr Haus mit Tränen in den Augen verlassen. Familien, die ihre Haustiere nicht mehr retten können vor den Fluten. „Das sind Situationen, für die es keine Worte gibt“, sagt der 40-jährige Wasserwachtler aus Erding. Er denkt noch oft an diese Momente zurück. Auch noch Wochen nach dem Jahrhundert-Hochwasser in Bayern. Und heute wieder ganz besonders.

Denn Ippisch ist einer von 3000 Fluthelfern, die ins Neue Schloss Schleißheim gekommen sind. Auf Einladung des Ministerpräsidenten und der Landtagspräsidentin. Horst Seehofer und Barbara Stamm wollen sich mit diesem Empfang stellvertretend bei den rund 100 000 Fluthelfern bedanken, die bei der Hochwasserkatastrophe tagelang für andere im Einsatz waren. Sie alle sind in die Katastrophengebiete gefahren, haben koordiniert, evakuiert und organisiert. Sie haben Solidarität und Hilfsbereitschaft gezeigt und sind für andere bis an die eigenen Grenzen gegangen.

Siegfried Ippisch hat sich gefreut, als er die Einladung bekommen hat. Weil er wusste, dass er an diesem Abend viele Helfer wiedertreffen wird, die er in Erding, Freilassing und Deggendorf bei seinen Einsätzen kennengelernt hat. Und weil dieser Empfang viel bedeutet, sagt er. „Es ist eine Geste, die unglaublich gut tut.“ Eine Wertschätzung des ehrenamtlichen Engagements.

Die Katastrophe hat zusammengeschweißt – das spüren viele der Fluthelfer an diesem Abend. Horst Seehofer fasst es in Worte. In den schweren Tagen und Wochen sei Bayern noch enger zusammengerückt. „Diese Männer und Frauen sind Helden“, sagt er und dankte den Fluthelfern dafür, dass sie Mut und Zuversicht in die Hochwassergebiete gebracht haben. „Als Ministerpräsident bin ich stolz auf Bayern und seine Menschen.“

Auch Barbara Stamm lobte die große Solidarität mit den Menschen, die durch die Jahrhundertflut alles verloren haben. Sie sagte zu den Helfern: „Sie alle sind das große Glück im Unglück gewesen. Denn sie haben keinen einzigen Moment gezögert, zu handeln. Manchmal wussten sie gar nicht, wo sie genau eingesetzt werden, wo sie schlafen, wie lange sie bleiben.“

Es sind Worte, die den meisten Fluthelfern mehr bedeuten, als das eigens geschaffene Abzeichen und die Urkunden, die sie erhalten. Stadtbrandinspektor Mario Zimmermann ist aus Rosenheim zu dem Empfang gekommen.

Während er das Video ansieht, das dramatische Bilder aus den Katastrophengebieten zeigt, kommen ihm auch Erinnerungen, die die größte Motivation für seinen Katastrophenschutz-Einsatz in Rosenheim waren. Szenen, die sich mindestens genauso intensiv in seinem Gedächtnis festgesetzt haben, wie die Bilder, die bei dem Empfang auf der Videoleinwand zu sehen sind: völlig zerstörte Häuser und Möbelstücke, weinende Menschen und unglaubliche Wassermassen, durch die sich die Helfer auf Booten und zu Fuß kämpfen. „Die Dankbarkeit für jede kleine Geste und jede kleine Hilfe war überwältigend“, sagt Zimmermann. Sie hat ihm Kraft gegeben, die anstrengenden Tage mit wenig Schlaf durchzustehen. Und sie hat mindestens genauso gut getan, wie die Anerkennung, die er an diesem Abend bekommt.

Von Katrin Woitsch

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