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Der Regensburger Bischof Müller muss sich deutliche Kritik aus Kirchenkreisen anhören.

Empörung über Müllers Medienschelte

Regensburg  - Die Medienschelte des Regensburger Bischofs Müller im Missbrauchsskandal schlägt weiter hohe Wellen. Sogar Kurienkardinal Walter Kasper distanzierte sich von Müllers Worten.

Die medienkritischen Äußerungen des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller, der im Zusammenhang mit der Berichterstattung über Missbrauchsfälle in der Kirche Medien eine Kampagne gegen die Kirche vorgeworfen hatte (wir berichteten), finden nicht das Wohlgefallen von Kurienkardinal Walter Kasper. Der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen erklärte, die katholische Kirche solle nicht mit dem Finger auf andere zeigen. „Wir sollen unser eigenes Haus in Ordnung bringen“, sagte er. Pikant an der Auseinandersetzung: Bischof Müller wird von Experten als potenzieller Nachfolger von Kardinal Walter Kasper (77) gehandelt, der nach Ostern aus Altersgründen als Ökumene-Beauftragter ausscheiden soll.

Der Deutsche Journalisten-Verband warf dem Bischof „skandalöse Polemik“ vor. „Es ist Aufgabe der Journalisten, kritisch über die zahlreichen Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche zu berichten“, erklärte die stellvertretende DJV-Bundesvorsitzende Ulrike Kaiser. Auch der Familienbund der Katholiken wandte sich gegen eine Medienschelte bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen. Landesvorsitzender Johannes Schroeter: „Jetzt ist nicht die Stunde, andere zu beschuldigen und Kampagnen der Medien zu beklagen, sondern mutig und offen im eigenen Bereich aufzuklären.“

Unterdessen hat das Bistum Regensburg die Vorwürfe, Müller habe die Medien mit der Nazipropaganda verglichen, als „fälschende Verzerrung der Aussagen des Bischofs“ zurückgewiesen. „Ich sehe keinen Vergleich“, sagte Müllers Sprecher Neck.

Journalisten, die über die Fälle bei den Regensburger Domspatzen berichten, hatte Müller „kriminelle Energie“ vorgeworfen. In einer Predigt im Dom hatte er die Berichterstattung zum Missbrauchsskandal in einen Kontext mit der NS-Zeit gestellt. In der Predigt hatte er zunächst den Widerstand des Katholischen Deutschen Frauenbundes gegen die christenfeindliche Ideologie der Nazis im Jahr 1941 gelobt. Laut der vom Bistum im Internet veröffentlichten Rede sagte Müller später: „Auch jetzt erleben wir eine Kampagne gegen die Kirche. Von so vielen Medien wird gegen die Kirche gezischt, so als ob man sich vorkommt, als ob man in einem Gänsestall hier die Gänse aufgeweckt hätte, so wird gefaucht und gezischt gegen die Kirche.“ Der Bischof warf den Medien vor, dass sie die Leser und Zuschauer „durch zurechtgestutzte und verkürzte Berichte“ manipulierten. Es komme darauf an, „nicht auf all diese Schalmeien wie 1941“ hereinzufallen.

Erst am 3. März hatte Bischof Müller auf der Bistumshomepage einen Artikel unter dem Titel „Das aktuelle Thema: ,Sexueller Missbrauch’ und seine antikatholische Instrumentalisierung“ veröffentlicht. Auch hier warf Müller den Medien vor, die Pressefreiheit zu missbrauchen, indem „endlos antikatholische Klischees“ bedient würden.

mm/lby

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