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Ergebnis der Wahl für Bayern: Söder klingt am Morgen plötzlich ganz anders - CSU lässt die Hülle fallen

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Von: Katarina Amtmann, Christian Deutschländer, Lucas Sauter-Orengo

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Die Bundestagswahl 2021 in Bayern endete für die CSU mit einem historischen schlechten Ergebnis. Auf die Koalition in München dürften nun turbulente Zeiten zukommen. Der News-Ticker.

Update vom 27. September, 12.51 Uhr: Im CSU-Vorstand gibt es die heftigste Abrechnung seit einigen Jahren. Das berichtet Christian Deutschländer, Ressortleiter Politik/Hintergrund beim Münchner Merkur. Viele Redner hadern mit dem CDU-Spitzenkandidaten Armin Laschet. Die CDU sei nicht motiviert gewesen, „es fehlten zündende Ideen“, sagt Ilse Aigner, die Chefin der CSU Oberbayern, in der Sitzung. Gleichzeitig mehrt sich Kritik an den eigenen Leuten. Aigner warnt, der CSU sei über Jahre hinweg die Wirtschaftskompetenz verloren gegangen. Gleichzeitig habe die SPD bei den Frauen aufgeholt. Ohne Söder und seinen Stil zu nennen, fordert Aigner einen Neuaufbau der „Debattenkultur“.

Auch der Augsburger CSU-Bundestagsabgeordnete Volker Ullrich ist einer von denen, die Fehler nicht allein bei der CDU sehen. Er warnt, die Union habe ihre Kompetenz in der Inneren Sicherheit schleifen lassen, „bei allem Respekt“ vor dem scheidenden Innenminister Horst Seehofer. Spannend: Kommunalpolitiker der CSU, allen voran Landräte-Chef Christian Bernreiter, stellen ein Jamaika-Bündnis infrage. „Da habe ich extreme Bauchschmerzen, wenn ich an den Preis denke, den man zahlen müsste“, wird Bernreiter von Zuhörern zitiert.

Update vom 27. September, 12.01 Uhr: Am Tag nach der Wahl äußerte sich Markus Söder bei einer Sitzung des CSU-Vorstands. Er sprach von einer Niederlage und einem enttäuschenden Ergebnis (siehe vorheriges Update). Nun wird Kritik an CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet laut. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte am Montag nach Teilnehmerangaben, es habe bei der CDU Schwächen bei Kurs, Kampagne und beim Kandidaten gegeben.

Bayerns Junge-Union-Chef Christian Doleschal sagte demnach, man müsse ehrlich analysieren, dass die Union diese Wahl nicht gewonnen habe. Der Kandidat sei hierbei als erstes zu nennen: Dieser habe bis zum Wahltag jedes Fettnäpfchen mitgenommen, das es gegeben habe. CSU-Europapolitiker Manfred Weber sprach intern von einem bitteren Ergebnis für die Union - und erinnerte daran, dass CSU-Chef Markus Söder im Frühjahr das Angebot gemacht hatte, selbst Kanzlerkandidat zu werden. Und mit ihm hätte die Union viel, viel besser abgeschnitten.

Ergebnis der Wahl für Bayern da: Söder klingt am Morgen plötzlich ganz anders - CSU lässt die Hülle fallen

Update vom 27. September, 10.30 Uhr: Am Morgen nach der Bundestagswahl äußert sich Markus Söder deutlich weniger froh über das Ergebnis als noch am Abend. Von einer „Niederlage“ und einem „enttäuschenden Ergebnis“ ist die Rede. „Nicht schönreden, nicht zu Tagesordnung übergehen“, fordert er in der Sitzung des CSU-Vorstandes, wie Christian Deutschländer, Ressortleiter Politik/Hintergrund beim Münchner Merkur, berichtet. Söder äußert sich nun auch viel defensiver über Jamaika: „Nicht um jeden Preis.“ Und weiter: Kein Anspruch der Union auf Regierung, nur Angebot.

Der enge Söder-Vertraute Albert Füracker sagt im Parteivorstand, mit einem Kanzlerkandidaten Söder wäre CSU klar über 40 gekommen. Spott über Laschets CDU-Resultat in NRW: „Größeres Desaster gibt es kaum im eigenen Bundesland.“

Blume: CSU sieht Auftrag für bürgerliche Regierung 

Update vom 27. September, 8.45 Uhr: Trotz des schlechten Abschneidens der Union bei der Bundestagswahl sieht die CSU einen Regierungsauftrag. Der Generalsekretär der CSU, Markus Blume, bestätigte dies am Montagmorgen (27. September) in München. Sie sei in Bayern „die klar dominierende Kraft“, sagte Blume am Montagmorgen im Bayerischen Rundfunk. Es gebe eine „große Erwartung in der Bevölkerung, dass wir alles dazu beitragen, dass es auch in Deutschland eine bürgerliche Regierung gibt.“ Man müsse den Auftrag der Wähler umsetzen.

Bundestagswahl 2021: CSU sieht Regierungsauftrag - „Klar dominierende Kraft“

Dazu wiederholte Blume seine Kritik am Vorsitzenden der Freien Wähler. Die Freien Wähler hätten „dem bürgerlichen Lager und dem bürgerlichen Anliegen in Deutschland geschadet“. Stimmen für sie seien „verlorene Stimmen“ gewesen. „Und das sind die entscheidenden Stimmen, die dazu jetzt gefehlt haben, dass die Union stärkste Kraft wurde und dann auch den ganz klaren Regierungsauftrag als dominierende Partei gehabt hätte.“ Zudem erneuerte Blume seine Kritik daran, dass Aiwanger am Sonntag vertrauliche vorläufige Prognoseergebnisse vor Ende der Wahl auf seinem Twitter-Account veröffentlicht hatte.

Update vom 27. September, 7.57 Uhr: CSU-Chef Markus Söder befindet sich bereits in der CSU-Zentrale in München. Der Bayerische Ministerpräsident trifft sich mit dem Vorstand der Partei, um über die Wahlergebnisse zu beraten. Der Parteichef hatte bereits am Sonntagabend angedeutet, für eine sogenannte Jamaika-Koalition mit Grünen und FDP geworben. Diese wäre neben einer erneuten Auflage der großen Koalition die einzige Möglichkeit für CDU und CSU, den Gang in die Opposition zu verhindern.

Bundestagswahl 2021: Söder bereits in CSU-Zentrale - PK mit Spannung erwartet

Um 13 Uhr tritt der CSU-Chef dann in München vor die Presse, um über sämtliche Entwicklungen rund um die Bundestagswahl 2021 zu sprechen. Wir berichten an dieser Stelle live in unserem Stream und Ticker im Text.

Erstmeldung vom 27. September 2021

München - Bitterer Abend für die CSU: Die Partei hat bei der Bundestagswahl in Bayern das schlechteste Ergebnis seit mehr als 70 Jahren eingefahren. Nach Auszählung aller 46 Wahlkreise im Freistaat erreichten die Christsozialen laut Angaben des Landeswahlleiters im vorläufigen Endergebnis nur noch 31,7 Prozent. Das entspricht einem Minus von rund sieben Prozentpunkten im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 (38,8 Prozent). Die größten Gewinner in Bayern sind die Grünen, die jedoch unter ihren eigenen hohen Erwartungen blieben. Auf den zweiten Platz in Bayern kam in der Nacht zum Montag die SPD mit 18,0 Prozent, ein Plus von 2,7 Prozentpunkten. Die Grünen erzielten demnach mit 14,1 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis im Freistaat, 4,3 Prozentpunkte mehr als 2017.

Bundestagswahl 2021: CSU in Bayern mit schlechtestem Ergebnis seit 70 Jahren

Die FDP gewinnt mit 10,5 Prozent etwas hinzu, die AfD verliert 3,4 Prozentpunkte und kommt auf 9,0 Prozent. Die Freien Wähler erreichten in Bayern 7,5 Prozent, verfehlten aber zum wiederholten Male den von Parteichef Hubert Aiwanger erhofften Einzug in den Bundestag. Die Linke sammelte 2,8 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag laut Angaben des Landeswahlleiters bei 79,8 Prozent - etwas mehr als bei der Bundestagswahl 2017 mit damals 78,1 Prozent. Der Bayerische Ministerpräsident Söder reagierte am Sonntagabend enttäuscht: „Unser Ergebnis in Bayern gefällt uns nicht, ganz im Gegenteil, es ist kein zufriedenstellendes Ergebnis“, sagte er in Berlin. Die CSU werde das „natürlich aufarbeiten in den nächsten Tagen und Wochen“.

Die Christsozialen verloren damit zum zweiten Mal in Folge: 2017 war die CSU unter Söders Vorgänger Horst Seehofer mit 38,8 Prozent um mehr als zehn Prozentpunkte abgerutscht. Bei den vorangegangenen 19 Bundestagswahlen hatte die Partei nur ein einziges Mal schlechter abgeschnitten, beim allerersten Wahlgang 1949 mit 29,2 Prozent. Der CSU-Chef beanspruchte die Regierungsbildung für die Union und sprach sich für eine Koalition mit Grünen und FDP aus. „Wir glauben fest an die Idee eines Jamaika-Bündnisses.“ Es brauche ein „Bündnis der Vernunft“ in diesen schweren Zeiten. Nach den bundesweiten Hochrechnungen lag jedoch die SPD am Abend knapp vor der Union.

Markus Söder
Markus Söder (CSU). © Frank Hoermann/Sven Simon/Imago Images

Bundestagswahl 2021: Grüne holt Direktmandat in München - Scheuer verliert

Daher beanspruchte auch SPD-Landeschef Florian von Brunn das Recht zur Regierungsbildung für die Sozialdemokraten: „Ich würde sagen, das ist ein Auftrag an Olaf Scholz, die nächste Regierung zu bilden.“ Ungeachtet der hohen Verluste konnte die CSU die Direktmandate in 45 der 46 bayerischen Wahlkreise holen, lediglich in München-Süd lag die Grünen-Kandidatin Jamila Schäfer vorn. Bei den letzten drei Bundestagswahlen hatte die CSU jeweils alle bayerischen Direktmandate geholt.

In Passau verlor Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer 16,8 Prozentpunkte - und holte seinen Wahlkreis trotzdem noch mit 30,7 Prozent. Digital-Staatsministerin Dorothee Bär verlor 12 Prozentpunkte, und gewann ihren Wahlkreis Bad Kissingen mit noch 39,1 Prozent der Erststimmen. Mitregieren wollen sowohl die Grünen als auch die FDP. „Das Ergebnis, das sich abzeichnet, ist eindeutig ein Mandat für uns Grüne, Verantwortung zu übernehmen“, sagte die bayerische Spitzenkandidatin Claudia Roth. Das bisher beste Ergebnis ihrer Geschichte stellt die Partei aber nicht zufrieden. „Wir haben tatsächlich mehr erwartet“, sagte Roth im BR-Fernsehen, ebenso wie Bundestags-Fraktionschef Anton Hofreiter.

Bundestagswahl 2021 in Bayern: FDP schließt große Koalition aus

Bei der FDP sagte deren Landesvorsitzender Daniel Föst: Die FDP sei zweistellig, und ohne sie sei praktisch keine Regierungskoalition möglich, sofern man eine erneute große Koalition ausschließe: „Und das begeistert uns“, sagte Föst im BR
Freie-Wähler-Chef Aiwanger erntete Empörung, weil er am späten Nachmittag vorläufige Prognosen eines Meinungsforschungsinstituts auf seinem Twitter-Account öffentlich machte. Die Veröffentlichung vor Schließung der Wahllokale kann eine hohe Geldbuße nach sich ziehen.

„Das geht überhaupt nicht“, kritisierte Söder seinen stellvertretenden Regierungschef im BR Fernsehen. „Da muss man auch nochmal drüber reden, wie das da weitergeht.“ Er forderte von Aiwanger zugleich eine „Rückkehr zur Sacharbeit“. Die Regierungsarbeit in Bayern habe unter den Bundestagswahlkampf-Ideen der Freien Wähler gelitten, kritisierte der bayerische Ministerpräsident. „Das muss jetzt auch ein Ende finden.“

Bundestagswahl 2021 in Bayern: SPD fordert Söder zu Aiwanger-Entlassung auf

SPD-Generalsekretär Arif Tasdelen forderte CSU-Chef Söder auf, Aiwanger aus der Staatsregierung zu entlassen.
Die von parteiinternen Streitereien geprägte AfD hatte auf 15 Prozent gehofft, verlor stattdessen aber deutlich Stimmen und lag laut zweiter Hochrechnung bei 10,5 Prozent. Der stellvertretende AfD-Landeschef Hansjörg Müller machte am Wahlabend seinen Rücktritt publik und attackierte die Landesvorsitzende Corinna Miazga und deren Unterstützer: „Hinterzimmerabsprachen und persönliche Beleidigungen ziehen sich durch die Vorstandssitzungen.“

Im Freistaat waren rund 9,4 Millionen Bürger zur Wahl aufgerufen. Viele von ihnen hatten ihre Stimme auch schon vorab per Briefwahl abgegeben - laut BR-Zahlen zeichnete sich ein Briefwahl-Anteil von rund 62 Prozent ab.
In Bayern traten laut Landeswahlleiter 967 Kandidatinnen und Kandidaten auf 26 Landeslisten und als Wahlkreiskandidaten an.

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