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Endlich wieder Live-Musik: Diese Festival-Höhepunkte finden trotz Corona statt

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Von: Dominik Stallein

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Eine tanzende Frau vor einer Open-Air-Bühne.
Endlich wieder Live-Musik: Viele Kommunen haben für die Sommermonate ein buntes Kulturprogramm geplant. Mit Abstand und Hygiene-Maßnahmen. © kahnert/DpA

Musiker wollen zurück auf die Bühne. Menschen sehnen sich nach Konzerten und Kultur. Dank aktuell niedriger Inzidenz-Werte ist Kulturgenuss nach zähen Pandemie-Monaten wieder möglich: Viele Gemeinden rüsten sich für einen abwechslungsreichen Festivalsommer – auch wenn Corona einiges verändert hat.

München – 1500 Menschen, dicht gedrängt vor dem Rathaus, ausgelassen tanzend: Dieses Bild passt so gar nicht in die Zeit der Corona-Pandemie. Der Dachauer Musiksommer findet deshalb heuer in einer ganz anderen Atmosphäre statt. Die Ludwig-Thoma-Wiese bildet wie im vergangenen Jahr die Kulisse des Festivals, auf dem Künstler wie die bayerische Hip-Hop-Kombo „dicht & ergreifend“, und die französische Cover-Band „Nouvelle Vague“ spielen. „Für viele Musiker ist es der erste Auftritt seit 2019“, sagt der Dachauer Kulturamts-Leiter Tobias Schneider. „Die Vorfreude ist riesig“. Das gilt nicht nur für die Musiker – auch Festival-Fans sehnen sich nach Erlebnissen. „Die Ticket-Nachfrage ist extrem hoch“, sagt Schneider. Innerhalb von nur zwei Wochen waren die meisten Veranstaltungen mit jeweils 500 Sitzplätzen restlos ausverkauft – und das obwohl der Vorverkauf schon im Frühjahr begonnen hat. Damals war völlig unklar, wie sich die pandemische Lage bis zum Startschuss für den Musiksommer entwickeln würde. „Wir wollten mit dem frühen Verkaufsstart ein Hoffnungssignal senden“, sagt Schneider. Die Hoffnung, sie lebt noch heute. Das Eröffnungskonzert am Freitagabend mit der Brassband „Moop Mama“ ist geglückt: Das Konzert war ausverkauft, die Stimmung nach monatelanger Durststrecke ausgelassen.

Wiessee lockt mit buntem Programm - Klassisch geht‘s in fünf Landkreisen zu

Mit reichlich Optimismus wurden für diesen Sommer viele kleine und große Festivals in ganz Bayern geplant. Wie in Bad Wiessee: Alle zwei Wochen spielen Bands von Volksmusik bis Latin-Jazz direkt an der Seepromenade. #wiesseerocks heißt die Konzertreihe am Tegernsee, die bis 24. September läuft. „Mit den Sonderkonzerten ist es uns gelungen, die musikalische Vielfalt in Bad Wiessee zu erweitern“, sagt Bürgermeister Robert Kühn.

Auch der Musiksommer zwischen Inn und Salzach hat bereits begonnen. „Wir waren vorsichtig bei der Planung und lassen kleine Ensembles in großen Spielstätten spielen“, sagt Petra Eisert von den Organisatoren. Unterm Strich steht trotzdem ein ehrgeiziges Programm: 24 Konzerte sind in Kirchen, Konzerthäusern und Schlössern in den Landkreisen Traunstein, Rosenheim, Mühldorf am Inn, Altötting und Berchtesgadener Land angesetzt. Die Veranstaltungen sind kleiner als üblich. Ein Holzbläserquintett des Symphonie-Orchesters des BR läutete vor 60 Gästen im Kloster Seeon die Konzertreihe ein. Auch in der Pfarrkirche in Ruhpolding dürfen nur rund ein Viertel der Plätze genutzt werden, wenn das Salzburger Streichquartett eine Klassik-Soiree spielt.

Abstriche bei den großen Festivals sind nötig

Abstriche müssen alle Organisatoren machen. Statt einer großen Tribüne, die an das weltberühmte Opernhaus in Sydney erinnert, wird an der alten Floßlände in Wolfratshausen (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) ein Festzelt mit erhöhten Sitzreihen aufgebaut. Am 9. Juli beginnt hier das Flussfestival direkt an der Loisach. Das Programm – 18 Veranstaltungen an 16 Tagen – auf der schwimmenden Bühne soll darunter nicht leiden. An Bord sind regionale Künstler wie Choreograf Dominik Halamek und Musikkabarettist Josef Brustmann und Größen wie der niederbayerische Polit-Kabarettist Django Asül, Popsänger Laith al-Deen und die Iberl-Bühne.

„Das Comeback der Lebensfreude“ kündigte Freisings Kulturreferentin Susanne Günther kürzlich an. Die Rede ist vom Sommerwunder-Fest, das am 8. Juli beginnt. Im Amtsgerichtsgarten und im Lindenkeller-Biergarten wird ein Corona-konformes Programm unter freiem Himmel geboten – mit Kindertheater, Jazz-Matinees, Volksmusik-Abenden und Theater. Aus der Taufe gehoben wurde das Festival im vergangenen Jahr, um Künstlern eine Bühne und dem Publikum Kulturgenuss zu bieten, obwohl das große Uferlos-Festival ausfällt.

Die Reitanlage am Irschenberg (Landkreis Miesbach) verwandelt sich mit bunten Pool-Nudeln zur Open-Air-Bühne. Die Badespielzeuge dienen den Zuschauern als Abstandsmesser zum Nebenmann, wenn ab dem 17. Juli beim Koppelsommer auf der Reitanlage Austropop, Metal oder Woodstock-Klassiker gespielt werden.

Veranstalter rechnen mit weniger Besuchern - wegen Abstand und Begrenzungen

Vor der Pandemie besuchten jährlich um die 20 000 Menschen die 300 Vorstellungen des Fünf Seen Filmfestivals. Im vergangenen Jahr kamen nur noch 14 000 Besucher, wegen der Corona-Vorkehrungen, Platzbegrenzungen und Abstandsregelungen. „Das wird auch in diesem Jahr unser Ziel sein“, räumt Organisator Matthias Helwig ein. Das Programm wird noch veröffentlicht, klar ist aber schon jetzt: Ab 28. Juli startet eine Open-Air-Kino-Reihe im Seebad Starnberg, das eigentliche Filmfestival beginnt am 18. August. Zu sehen sind in Starnberg, Gauting, Schloss Seefeld und Weßling mehr als 100 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus Mitteleuropa. „Gerade in der jetzigen Zeit brauchen wir Orte des Zusammenkommens, des Austauschs und der Inspiration“, sagt Helwig.

Die Veranstalter hoffen auf einen bunten Kultursommer – und manche auch auf einen goldenen Herbst: Die Stadt Unterschleißheim zum Beispiel will nach den Sommerferien ein Fest mit Wirtsgarten, Blasmusik und Fahrgeschäften im Valentinspark feiern. Zehn bis 18 Tage möchte die Stadt zur eigentlichen Wiesn-Zeit eine kleinere, gemütliche Alternative zum größten Volksfest der Welt anbieten. Denn an solche riesigen Feste ist trotz Niedrig-Inzidenzen nicht zu denken.

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