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Die neuen Trassen-Entwürfe, jeweils mit Alternativen. Oberbayern wird nicht tangiert.

Energiewende

Bayern wirbt für die Erd-Trassen

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München/Berlin – Aus den Augen, aus dem Sinn? Die Staatsregierung ist sich sicher, dass die neuen Vorschläge für die gigantischen Erdleitungen für Starkstrom durch Deutschland bei den Menschen gut ankommen. Endet damit wirklich ein langer Streit?

Im Strom ist Widerstand eine gut kalkulierbare Größe. In der Politik ist er unberechenbarer. In der CSU hat nun die Hoffnung eingesetzt, dass der Widerstand gegen die neuen Strom-trassen weit geringer ist als noch vor zwei Jahren. Minister, Staatssekretäre und Abgeordnete aus Nord- und Ostbayern sollen jetzt jedenfalls durch ihre Heimatregionen ziehen und für die Leitungen werben, die Horst Seehofer unlängst noch bekämpfte.

Das Geheimnis ist: Jetzt werden sie unterirdisch verlegt. Bei der ersten offiziellen Präsentation der Pläne des Netzbetreibers Tennet bekräftigte Energieministerin Ilse Aigner, dass jeder Meter des Südlink und des Südostlink unter der Erdoberfläche verlaufen soll. Das steht fest, die genauen Trassen aber noch nicht. Die CSU-Politikerin sagte, sie sei der festen Überzeugung, dass den betroffenen Kommunen, Bürgern und Grundstücksbesitzern eine Erdverkabelung besser zu vermitteln sei als bis zu 70 Meter hohe Masten.

Nach den Arbeiten werden es keine Schneisen geben, auf dem Boden könne ganz normal Landwirtschaft betrieben werden. Nur bei tiefwurzelnden Pflanzen wie Bäumen gebe es Einschränkungen – das macht die Pläne etwa im Fichtelgebirge und der Rhön sehr heikel.

Seehofer hat positive Grundhaltung zu den neuen Plänen

Anders als bei dem vor rund zwei Jahren auch wegen bayerischer Proteste gescheiterten ersten Versuch der Trassenplanung setzen die neuen Vorschläge nicht nur auf Erdverkabelung, sondern auch auf mehr Dialog und Mitsprache. So sieht das Konzept für beide Leitungen jeweils einen Kilometer breite Trassenkorridor-Alternativen vor. Ab der kommenden Woche sollen die Planungen für Informationsbörsen im gesamten Trassenbereich starten. Die danach ermittelte Vorzugstrasse soll bis Ende März 2017 bei der Netzagentur eingereicht werden. Baubeginn ist frühestens 2020.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bekräftigte intern seine positive Grundhaltung zu den neuen Plänen. „Unterirdische Infrastruktur ist nicht ein Problem, sondern die Lösung für die Zukunft“, sagte er unserer Zeitung. Auf die Idee, Leitungen, Kanäle und Straßen einzubuddeln, seien ja auch schon andere gekommen, hieß es aus dem Kabinett nach einer mehrstündigen Debatte. Die Staatsregierung will aber selbst noch bei Details einschreiten. Anders als in den Tennet-Karten eingezeichnet, soll der Südlink in Grafenrheinfeld enden und nicht ganz Unterfranken durchschneiden.

Kritik von der Opposition

Die Gesamtkosten für den Bau der beiden Stromautobahnen Südlink und Südostlink (von Tennet übrigens anders geschrieben) werden damit deutlich höher. Aigner spricht von sechs oder sieben Milliarden Euro, sieht darin aber kein Problem. Zum einen seien die Investitionskosten auf 40 Jahre angelegt, zum anderen würden bereits jetzt bestehende Netzengpässe im Falle eines Nichtbaus ebenfalls jährliche Kosten in Milliardenhöhe mit sich bringen.

Während die bayerische Wirtschaft die Bewegung in der Trassendebatte lobte, gab es von der Opposition Kritik. Grüne und SPD werfen der CSU vor, die Kosten immens in die Höhe getrieben zu haben. Zudem hätten Äußerungen Seehofers, wonach die Leitungen gar nicht benötigt würden, „zu einer tiefen Verunsicherung geführt“, sagte Natascha Kohnen (SPD). Anders als SPD und Grüne lehnen die Freien Wähler die Leitungen nach wie vor ab: „Mit riesigem Aufwand werden hier Trassen mit erheblichen Auswirkungen auf Mensch und Natur vorbereitet, die eigentlich überhaupt nicht erforderlich sind“, sagte Parteichef Hubert Aiwanger.

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