Ein neues Wasserkraftwerk in Garmisch-Partenkirchen an der Loisach. Wirtschaftsminister Zeil gibt ihm heute seinen Segen. Foto Katrin Martin

Energiewende tröpfchenweise

Garmisch-Partenkirchen - Heute weiht Wirtschaftsminister Martin Zeil in Garmisch-Partenkirchen ein neues Wasserkraftwerk an der Loisach ein. Damit will Zeil wohl auch ein politisches Zeichen setzen: Wasserkraft ist Chefsache.

Für Wodan Lichtmeß ist heute ein guter Tag. Der Geschäftsführer der Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen kann ein neues Wasserkraftwerk in Betrieb nehmen. Damit sollen in Zukunft bis zu 600 Durchschnittshaushalte versorgt werden, das Kraftwerk wird eine jährliche Leistung von etwa 2,2 Gigawattstunden erzeugen.

Der Anteil der Energieerzeugung am Gesamtverbrauch im Bereich der Garmisch-Partenkirchener Stadtwerke beträgt mit dem neuen Kraftwerk 5,6 Prozent, ohne vier Prozent. Lichtmeß zufolge wäre da noch bedeutend mehr drin: „Wenn man alle möglichen Standorte für Wasserkraftwerke ausschöpfen würde, wären 50 Prozent möglich.“

Im Moment liefern 155 Großanlagen in Bayern etwa 13 000 Gigawatt-Stunden Strom pro Jahr. Mit einigen weiteren Großanlagen und rund 4000 Kleinanlagen - wie das Loisachwerk - deckt die Wasserkraft rund 16 Prozent des bayerischen Strombedarfs ab. In kleinen Schritten soll dieser Anteil ausgebaut werden. In ihrem Energiekonzept hat die Staatsregierung das Ziel formuliert, die Stromerzeugung aus Wasserkraft um zwei Milliarden Kilowattstunden (kWh) pro Jahr zu erhöhen, von derzeit durchschnittlich 12,5 auf künftig 14,5 Mrd. kWh pro Jahr.

Damit könnten dann gut 18 Prozent des bayerischen Stromverbrauchs aus Wasserkraft gedeckt werden. Im Vergleich: Das Atomkraftwerk Isar I liefert rund 912 Megawatt, eine Großanlage wie das Walchenseekraftwerk gut 125 Megawatt. Ausbaupotenziale sieht das Wirtschaftsministerium in Oberbayern, insbesondere an der Salzach „Dort können bis zu 200 Millionen kWh pro Jahr erzeugt werden“, sagt ein Sprecher. Mit wie vielen Anlagen dieses Ziel erreicht werden soll, ist dem Vernehmen nach noch nicht gewiss.

Hört sich gut an. Vor allem, wenn die Energiewende geschafft werden soll. Doch was tun, wenn schon die kleineren Kraftwerke aus Naturschutzgründen von Landratsämtern nicht genehmigt werden? Lichtmeß erhofft sich dazu ein klärendes Signal vom Ministeriumsseite an die Genehmigungsbehörden. Genau dieses Signal kam vor einiger Zeit von Wirtschaftsminister Zeil: „Genehmigungsbehörden müssen durch eine klare politische Zielfeststellung zugunsten einer verstärkten Wasserkraftnutzung unterstützt werden“, hieß es aus dem Ministerium. Schließlich könne in ganz Oberbayern die Stromerzeugung in Kleinwasserkraftanlagen noch gesteigert werden.

Die Garmisch-Partenkirchener Gemeindewerke planen in Garmisch und Mittenwald sechs Werke, bis auf zwei lehnte das Landratsamt alle ab. Die befinden sich nun in einem Verwaltungsverfahren, eine Genehmigung ist ungewiss.

Im Falle des neuen Loisachkraftwerks konnte ein guter Kompromiss gefunden werden. Es war schon eine Querverbauung des Mühlbaches da, deswegen war man sich auch schnell einigen. Auch die Ortsgruppe vom Bund Naturschutz gab grünes Licht.

Für die Naturschützer ist das aber kein Persilschein für zukünftige Wasserkraftwerke dieser Art. Die Energiewende sei nicht allein mit neuen Werken zu machen, sondern mit Einsparungen: „Sagen wir mal so: Wenn die Kirche mit ein paar Watt weniger angestrahlt wird, reicht’s auch“, sagte Axel Döring, Kreisvorsitzender vom Bund Naturschutz.

Patrick Wehner

Potential von Windkraft und Solar in Bayern

Rund 410 Windenergieanlagen mit einer Leistung von etwa 520 Megawatt sind derzeit in Betrieb. Der Anteil der Windenergie am Stromverbrauch betrug 2009 0,6 %. Diesen relativ kleinen Anteil will der Freistaat Bayern laut Energiekonzept vom Mai 2011 ausbauen. Bis zum Jahr 2021 soll die Windenergie 10 % des Stromverbrauchs Bayerns abdecken. Der Stromertrag könnte schon in den nächsten fünf Jahren von 0,6 Mrd. (2009) auf rund 5 Mrd. kWh erhöht werden. Erforderlich wäre der Neubau von zunächst 1000 Windenergieanlagen. Rein rechnerisch ließen sich innerhalb weniger Jahre rund 1,4 Mio. bayerische Haushalte versorgen.

Beim Einsatz von Photovoltaik ist Bayern wegen günstiger Bedingungen als Bundesland führend. Bis Ende 2009 entfielen rund 3900 MW und damit fast 40 % der in Deutschland installierten Solarstromgesamtleistung auf Bayern. Das theoretische Potential der Photovoltaik ist noch um Vielfaches höher. Bis zum Jahr 2021 soll die Photovoltaik bei optimierten Einspeisebedingungen über 16 % (2009: rund 3 %) des Stromverbrauchs von Bayern decken.

kg

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