Engagierte Lehrer fühlen sich ausgebremst

München - Viele Lehrer in Bayern können ihre Schüler aufgrund der Zwänge des Schulalltags nicht so individuell fördern, wie sie das gerne würden.

Das legt eine Umfrage des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) unter mehr als 3000 Pädagogen nahe. In der Befragung, deren Ergebnisse der BLLV am Donnerstag vorstellte, betonten 98 Prozent der Lehrer, die gezielte Förderung ihrer Schüler sei ihnen sehr wichtig oder wichtig. Doch nur 26 Prozent gaben an, dies im Alltag gut realisieren zu können.

“Was die Lehrer mürbe macht, ist die Diskrepanz zwischen ihren anspruchsvollen Zielen und den Möglichkeiten, diese zu verwirklichen“, sagte BLLV-Präsident Klaus Wenzel. Die Lehrer fühlten sich in ihrem Engagement ausgebremst, weil sie ständig an Grenzen stießen, kritisierte er. An der nicht repräsentativen Online-Befragung des BLLV hatten mehr als 3000 Lehrer verschiedener Schularten teilgenommen - allerdings vor allem von Grundschulen sowie von Haupt- und Mittelschulen. Die meisten Lehrer empfänden schulpolitische Zwänge und wachsende Bürokratisierung als belastend und hinderlich, um ihre pädagogische Profession zu verwirklichen, kritisiert der BLLV.

Zu wenig Personal für zu viele Aufgaben

“Die zusätzlichen Aufgaben türmen sich, gleichzeitig fehlt Personal“, sagte Wenzel. In der BLLV-Umfrage gaben deshalb 81 Prozent der Lehrer an, sie empfänden die Belastungen durch Aufgaben außerhalb des Unterrichts als groß oder sogar sehr groß. “Verschont uns mit zu viel Bürokratie und fragwürdigen Reformen“, sagte BLLV-Abteilungsleiterin und Rektorin Simone Fleischmann.

Lichtblick für Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) dürfte unterdessen ein anderer Aspekt der Umfrage sein: 49 Prozent der Befragten sagten trotz aller Kritik, sie seien sehr gerne Lehrer. 26,7 Prozent gaben sich sogar begeistert, 17,6 Prozent sagten, sie seien gerne Lehrer. Nur 6,6 Prozent sind dies nicht mehr gerne.

Spaenle verwies in einer Reaktion auf den eingeschlagenen Weg hin zu mehr Eigenverantwortung der Schulen. “Wir nehmen die Lehrkräfte als Beteiligte auf dem Weg zu einer guten Bildung für unsere jungen Menschen ernst, holen ihren Rat ein und degradieren sie nicht zu unmündigen Ausführenden“, sagte der Minister und kündigte an: “Wir werden diese Kultur des Dialogs noch breiter anlegen.“ Die Landtags-SPD nannte die BLLV-Umfrage dagegen einen “weiteren Beweis des schulpolitischen Versagens von CSU und FDP“. Die Freien Wähler kritisierten, die Lehrer würden mit Bürokratie überschüttet, und die Schüler bleiben dabei auf der Strecke.

dpa

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