"Eine Legende"

BND enttarnt seine Lauschstation

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Bad Aibling - Der Geheimdienst enttarnt seinen Standort bei Bad Aibling. Die „Fernmeldeweitverkehrsstelle der Bundeswehr“ sei eine „Legende“, bestätigte der Bundesnachrichtendienst am Abend.

In wenigen Tagen werde hier und an fünf weiteren Bauten offiziell ein BND-Behördenschild montiert. Dass der Auslandsgeheimdienst die Abhörstation betreibt, war in der Region ein offenes Geheimnis – in allerlei Verrenkungen und Notlügen hatte der Dienst das stets bestritten. „Sie dürfen davon ausgehen, dass wir in Bad Aibling keinen Standort haben“, beteuerte noch im Juli ein BND-Sprecher. Jetzt also doch – verantwortlich für die neue Transparenz ist Präsident Gerhard Schindler. Er will am Freitag in Bad Aibling selbst vor Journalisten auftreten und nennt die geführte Tour durch das Antennenfeld fröhlich „Einladung zur Enttarnung“.

Schindler hat dem Dienst mehr Transparenz verordnet, um Misstrauen in der Bevölkerung abzubauen. Zu viel Geheimniskrämerei um Offensichtliches ist ihm zuwider. So hatte er auch die streng geheime Großbaustelle für die neue BND-Zentrale in Berlin vor zwei Jahren einmal für Journalisten geöffnet. Die Pressemeute ins Haus zu lassen, war für viele Agenten völlig undenkbar. Schindler aber sicherte sich die Rückendeckung des Kanzleramts und zog die Aktion durch.

Nun also die Öffnung von Bad Aibling. Es sei eine Dienststelle, „die Aufklärung von über Funk geführter ausländischer Telekommunikation betreibt“, bestätigt der Geheimdienst. Die Nutzung der „Legende“ sei nun Geschichte. Vorteil für den seit Ende 2011 amtierenden Schindler: Mit der Aktion könnte der 62-Jährige Gerüchte eindämmen, unter den großen weißen Antennen-Kugeln in Aibling würden auch andere ausländische Geheimdienste direkt schnüffeln und dann – anders als der BND – auch Inländer abhören. Allerdings deutet viel darauf hin, dass die Deutschen auf dem Gelände eng mit dem US-Dienst NSA kooperieren. Der deutsche Dienst hat die streng geschützte Anlage – Schilder warnen, Eindringlinge müssten mit Schusswaffengebrauch rechnen - erst vor rund zehn Jahren von den Amerikanern übernommen.

Ähnliche Phantombehörden wie in Aibling sollen in den nächsten Tagen bundesweit enttarn werden. Laut Medienberichten geht es unter anderem um das vermeintliche „Amt für Militärkunde“ in Bonn, die „Bundesstelle für Sondervermögen“ in München, das "Ionosphäreninstitut" in Rheinhausen und die „Bundesstelle für Fernmeldestatistik“ in Söcking im Landkreis Starnberg.

Christian Deutschländer

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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