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Rund 1,3 Millionen Besucher kommen jährlich nach Neuschwanstein, dem ehemaligen Refugium des Kini.

Seit 125 Jahren: Entzücken über Ludwigs Paläste

München - Vor genau 125 Jahren wurde das Geheimnis um die Schlösser von Ludwig II. gelüftet: Am 1. August 1886 waren Neuschwanstein, Herrenchiemsee und Linderhof erstmals der Öffentlichkeit zugänglich. Die neugierigen Bürger strömten in die Schlösser.

Bereits sieben Wochen nach dem Tod von König Ludwig II., am 1. August 1886, öffneten die Erben des Monarchen dem Publikum die Tore zu dessen Märchenschlössern: Geld spielte wohl eine zentrale Rolle bei der Entscheidung, den Bürgern die Tore zu öffnen, vermutet Markus Richter, Kastellan auf Schloss Neuschwanstein. Der zurückgezogen lebende König Ludwig II. hätte das niemals gewollt, und diesen Schritt „eher als Entweihung“ gesehen, glaubt er. Richter weiß auch von Gerüchten, dass Bedienstete schon vor dem Tod des Königs gegen Geld Besucher durch dessen Räume schleusten. Der König war da aber schon „zu machtlos, um es zu verbieten“.

Schon zu Lebzeiten war der bayerische Monarch eine Art „Popstar“, wie Richter erzählt. Die Gerüchte um seine Person, etwa um eine mögliche Geisteskrankheit, und seine „versteckten, geheimen Schlösser“ schürten die Neugier in der Bevölkerung oder, wie es der Bayerische Kurier 1886 formulierte: „Die Schlösser waren im Banne der Unnahbarkeit und darum von einem ganzen Sagenkreis umgeben.“

Kaum jemanden ließ der König in seine Refugien, die Zufahrtsstraßen zu Neuschwanstein waren blockiert, erzählt Markus Richter. Auch für den Großteil seiner Familie machte der Monarch da keine Ausnahme, berichtet Jan Björn Potthast, Pressesprecher bei der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlössern, Gärten und Seen. Nur seine Mutter und sein Cousin durften ihn einmal besuchen, aber nur unter der Bedingung, dass diese „niemandem von der Familie davon erzählen“, wie Potthast in einem Beitrag für die Bayerische Staatszeitung schreibt.

Entsprechend groß war nach dem Ableben König Ludwig II. das Interesse an seinen ebenso prunkvollen wie abgeschotteten Herrschaftsgebäuden: „Bereits im ersten halben Jahr kamen rund 20 000 Besucher nach Neuschwanstein“, weiß Richter. Sie mussten den „knackigen“ Preis von rund zwei Mark berappen – das habe sich längst nicht jeder leisten können. Nach Schloss Linderhof kamen 1887 rund 12 000 Gäste.

Die Touristen der ersten Stunde sahen auf Neuschwanstein zunächst aber eine Baustelle: „Überall standen Gerüste und Maschinen“, erzählt Richter. Doch 30 Räume waren fertig „und was die Touristen heute sehen können, sahen sie auch damals“.

Potthast berichtet, dass schon bald nach dem Tod Ludwigs erste Augenzeugenberichte kursierten – so habe sich ein „Spezialberichterstatter der Kölner Zeitung“ Zutritt verschafft. Damit habe er gesehen, „was bis jetzt nur wenigen Sterblichen zuteil wurde“. Einige bayerische Abgeordnete durften schon vor der Öffentlichkeit einen Blick auf die Schlösser werfen: Und diese seien laut Potthast von der Pracht völlig ,paff’ gewesen und „zeigten sich entzückt von dem feenhaften Palast“.

Angela Fuchs

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