Ehefrau meldete ihn vermisst

Er lebte monatelang in einer Höhle - jetzt nennt er den Grund

Unterirading - Ein halbes Jahr lebte Johannes K. (65) in einer Felsspalte bei Pentling an der Donau. Nun bricht er sein Schweigen – und versucht, zu erklären, warum er verschwand.

Seit Mitte August 2016 bis zu seiner zufälligen Entdeckung am 21. Dezember lebte der 65-jährige Johannes K. in einer schwer zugänglichen Felsenhöhle über dem Donautal bei Unterirading-Pentling südwestlich von Regensburg. Die Unterkunft finden eigentlich nur Ortskundige. Sie ist in den Sommermonaten umgeben von Buchenwald und nur schwer einsehbar.

Der Oberpfälzer, der seit mehr als vier Jahrzehnten in Nordrhein-Westfalen lebte, war Mitte August 2014 aus Münster verschwunden. Seine deutlich jüngere Ehefrau, die in der Zwischenzeit einen Sohn zur Welt brachte, hatte ihn als vermisst gemeldet. Zu ihr, so sagt Johannes K., wolle er nicht zurückkehren. Es sei ja auch gar nicht sicher, dass er der Vater des Kindes sei.

Johannes K. war vor 15 Jahren, als er Stress in seiner ersten Ehe hatte, schon einmal für mehrere Monate verschwunden. Damals lebte er im nordrhein-westfälischen Beckum. Die Ehe ist geschieden, zu seiner damaligen Ehefrau und den Kindern – eine Tochter (30) und ein Sohn (26) – hat er keinen Kontakt mehr. Auch zu seiner Schwester, die in Niederbayern lebt, ist seit zwei Jahrzehnten jegliche Verbindung abgebrochen. „Ich weiß nicht genau, wo sie wohnt“, sagt er.

Krankheiten haben ihm zugesetzt

Aufgewachsen ist der Höhlen-Bewohner in einem Ortsteil der Papstgemeinde Pentling. Dort ist er auch in die Schule gegangen. Warum er abgehauen ist, erklärt Johannes K. so: „Mir ist einfach wieder alles zu viel geworden.“ Wie schon einmal führte ihn sein Weg zunächst nach Südosteuropa – die Donau entlang über Ungarn, Bulgarien, Rumänien nach Moldawien. Kurz streifte er die Alpenrepublik, Tschechien und die Slowakei. Geld braucht der gelernte Schlosser, der sich in seinem bewegten Leben bis zum Lehrschweißer weiterbildete, wenig. Schwere Krankheiten, mit Koma und Operationen, zwangen ihn zur Frühverrentung. Diabetes sowie zwei Schlaganfälle haben ihm schwer zugesetzt. „Der Letzte vor 18 Monaten in Ungarn war wohl wieder ein Warnschuss“, sagt K., aber eine dauerhafte Schädigung sei nicht vorhanden. „Jetzt bin ich gesundheitlich wiederhergestellt. Durch den Gewichtsverlust von 96 auf 68 Kilogramm sind so manche Zivilisationskrankheiten verschwunden“, meint er. Gearbeitet hat er auf seiner Wanderschaft aber auch. Für mehrere Monate auf einem holländischen Binnenschiff.

In der Felsspalte war es 10 Grad warm

Und dann ging es ab in die fünf Meter tiefe und nur 1,50 Meter breite und hohe Höhle, die er mit Planen, einem Tarnnetz und dürren Ästen tarnte. Feuer machte er in der Höhle auch. Er lüftete immer wieder kurz, damit sich keine Gase sammelten. So war es rund zehn Grad warm. Eingemummelt in mehrere Schlafsäcke verbrachte er die Nächte. Einmal rutschte er auf dem Weg zu seiner Behausung aus. Er stürzte fünf Meter durch ein kleines Kar ab. Für sechs Wochen war er lädiert. Ein Loch im Kopf und ein vermutlich angebrochenes Steißbein waren die Folge, berichtet er. Heute scherzt er: „Das Fliegen ging, aber die Landung war verheerend“.

Lebensmittel lagerte er links und die Kleidung rechts

In seinem steinernen Heim war ihm Sauberkeit wichtig. Ganz entsetzt sah er die Bilder von durchwühlten Gegenständen. Die Lebensmittel lagerte er links und die Kleidung rechts. K. war „gepflegt und für die Umstände topfit“, bestätigt ein Polizeisprecher.

„Ernährt habe ich mich von Waldfrüchten und Pilzen. Zum Einkaufen ging ich in die Pentlinger Supermärkte.“ Das Geld dafür bekam er durch Flaschensammeln. So vier bis sechs Euro pro Tag. Er pflegte sich in der Fernfahrerdusche der nahen Tankstelle – 50 Cent kostet das. Ab und an lud ihn auch ein Bekannter zum Kaffeetrinken ein.

Vier Jahre hatte der Marinesoldat als Obermaat bei Kiel gedient – und dort das Überleben in der Natur gelernt. „Ich war auf einem Minensuchboot, das bei der Olympiade 1972 die Regattastrecke der Segler sicherte, stationiert.“

Bauhofmitarbeiter spürt ihn auf

Schließlich aber spürte ihn ein Pentlinger Bauhofmitarbeiter auf und informierte die Polizei. Die glaubte zunächst, einen gesuchten Bankräuber vor sich zu haben. Die Figur und der weiße Bart ließen solche Rückschlüsse zu. Er ist es aber nicht – das steht inzwischen fest. Nun kommen auf K. mühsame Behördengänge zu, damit er seine Rente wieder selbst erhält. Sein Elternhaus, das jemand anderes erworben hat, steht leer. Auch das Elterngrab am nahen Dorffriedhof ist aufgelöst. Hier ruhte auch sein Bruder Edgar, der im Alter von elf Jahren unweit der Höhle abgestürzt sein soll. Johannes K. wohnt zurzeit in einer Obdachlosenunterkunft in Pentling.

Josef Eder

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