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Am Dienstagabend bebte die Erde im Berchtesgadener Land. Martin Willeitner ist Geschäftsleiter der Gemeinde Ramsau. In der Nähe lag das Epizentrum.

So erklärt es ein Experte

Erdbeben in Bayern! Die Erde wackelte vier Sekunden

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Ramsau - Am Dienstagabend hat bei Berchtesgaden die Erde gewackelt: Wie es der Gemeinde-Geschäftsleiter von Ramsau erlebte und wie es ein Experte erklärt.

Es war kurz vor 22 Uhr am Abend des 29. Dezember, als der Boden unter Martin Willeitners Füßen plötzlich vibrierte. „Nach drei oder vier Sekunden war alles vorbei“, erinnert sich der 54-jährige Geschäftsleiter der Gemeinde Ramsau, in der das Erdbeben im Hochkaltergebiet am deutlichsten zu spüren war.

Beben-Experte Joachim Wassermann.

Seismische Aktivität in Bayern? „Gar nichtso selten“, sagt Dr. Joachim Wassermann (50), Erdbebenforscher am Geophysikalischen Observatorium der LMU in Fürstenfeldbruck. Allein in diesem Jahr gab es in der Region sechs solche Fälle. Sie waren nur so schwach, dass sie von niemandem bemerkt wurden. Mit der Stärke 2,7 wurde das Beben registriert. Der Erdbebendienst in Bayern erhielt bis Mittwoch Vormittag über 45 Rückmeldungen von Menschen, die Zeugen der Erschütterungen wurden. Den meisten erging es wie Martin Willeitner: „An ein Erdbeben habe ich am Anfang nicht gedacht. Ich bin aber gleich aus dem Haus gegangen, weil ich dachte, dass jemand mit seinem Auto gegen die Hausmauer gefahren ist.“ Auch ein Steinschlag kam dem Ramsauer in den Sinn. Erst am Mittwoch erfuhr Willeitner im Radio vom Erdbeben. Er sagt: „Ich kann mich in all den Jahren nicht erinnern, dass bei uns schon mal die Erde gewackelt hätte.“ Laut Erdbebenforscher Dr. Wassermann ist mit derartigen Akitiväten auch in Zukunft zu rechnen: „Das kann man nie ausschließen. Ich kann auch nicht garantieren, dass München oder die Region nicht einmal ein Erdbeben der Stärke 6,0 treffen wird. Aber es ist sehr unwahrscheinlich.“

Doch warum wurde ausgerechnet das Berchtesgadener Land durchgeschüttelt? Dr. Wassermann: „Im Prinzip ist das wie ein Auffahrunfall. Die Afrikanische und die Eurasische Erdplatte treffen aufeinander, in der Mitte türmt sich das Gestein auf. Deshalb wachsen die Alpen ja auch noch immer. Es kommt zu Verspannungen im Gestein, die sich ruckartig lösen.“

Außer Unruhe bei der Bevölkerung hat das Erdbeben aber nichts angerichtet. Jedenfalls sind Martin Willeitner keine Schäden in seiner Gemeinde bekannt. Dass Gebäude derartigen Erschütterungen nicht standhalten könnten, schließt Dr. Wassermann aus: „Da ist die Schneelast das größere Problem.“

Johannes Heininger

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