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„Highflight“-Rutsche: Mit Tempo 50 ins Wasser.

Erdinger Therme: Wie viel Risiko ist legal?

Erding/Landshut - Kurzer Prozess für das Erdinger Erlebnisbad: Thermen-Chef Jörg Wund stand wegen fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht. Drei Badegäste hatten sich auf einer Wasserrutsche verletzt.

„Der Richter hatte keine Zeit“, sagt der Betreiber der Erdinger Therme, Jörg Wund. „In 25 Minuten war alles vorbei – kurzer Prozess.“ Das Gericht stellte ihn vor die Wahl: Entweder sofort eine schnelle Lösung erzwingen, oder der Prozess geht im Januar weiter. Der Vorschlag: Die Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Landshut wird eingestellt, Wund muss eine Geldauflage in Höhe von 4000 Euro zahlen.

Drei Personen innerhalb von zwei Stunden verletzt

Der Ärger begann im April 2007. Innerhalb von nur zwei Stunden verletzten sich drei Personen beim Proberutschen auf der neuen „Highflight“-Rutsche. Bilanz: Ein geprelltes Brustbein, drei HWS-Traumata, ein angebrochener Rückenwirbel und eine Lähmung der Augenmuskulatur. Die Rutsche war vom TÜV freigegeben worden, doch die Verletzten suchten die Schuld beim Betreiber, erstatteten Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. „Sie wollten sich die Kosten für einen Anwalt sparen und trotzdem Schmerzensgeld herausschlagen“, vermutet Wund.

„Fahrlässige Körperverletzung setzt voraus, dass man etwas unterlassen hat, was den Unfall hätte verhindern können“, erklärt Oberstaatsanwalt Markus Kring. „Genau da liegt das Problem.“ Solche Extrem-Rutschen seien von Natur aus nicht ungefährlich. Der Versuch, konkret nachzuweisen, dass bestimmte bauliche Veränderungen die Verletzungen hätten verhindert können, „ist wie der Versuch, Pudding an die Wand zu nageln“. Man bewege sich hier in einem Grenzbereich zwischen erlaubtem Risiko und Fahrlässigkeit.

Thermen Chef hat sich auf Deal eingelassen

Wie kompliziert der Fall ist, das lassen die unterschiedlichen Urteile erahnen. Im ersten Verfahren wurde noch per Strafbefehl eine Geldstrafe verhängt. Wund legte Berufung ein und wurde freigesprochen. Dagegen legte wiederum die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Jetzt hat sich der Thermen-Chef auf den Deal des Blitz-Prozesses eingelassen. Er zahlt 4000 Euro, dafür wird das Verfahren wegen geringer Schuld eingestellt.

Wund glaubt weiter an seine Unschuld, „aber ich wollte meinen Betrieb in Ruhe weiter führen, dem Prozess ein Ende machen“. Zurzeit sei kein weiteres Verfahren anhängig, doch „das kann Morgen schon wieder anders aussehen“. Der Betrieb eines Erlebnisbades sei immer mit Risiken behaftet.

August 2008: Bub riss sich Finger ab

Im August 2008 riss sich in der Therme Erding ein sechsjähriger Bub Mittel- und Zeigefinger ab – und das auf der nur 8,20 Meter langen Kinderrutsche. Im März rutschte ein 24-Jähriger die „X-treme Faser“ herunter und zog sich einen Spiraltrümmerbruch zu.

„Heuer werden 1,5 Millionen Menschen die Therme Erding besucht haben“, reagiert Wund. „Das ist eine Großstadt. In welcher Großstadt hat man im Zeitraum eines Jahres keine Unfälle?“ Gleichzeitig fordern die Kunden immer extreme Attraktionen. In den nächsten zwei Jahren will Wund eine neue Rutsche bauen. Bei seinen Kunden hat er eine Umfrage gemacht: 70 Prozent wünschen sich eine Rutsche mit Looping.

Von Thomas Schmidt

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