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Erleichtert: Wanderer bedanken sich für ihre Rettung.

Bei Salzburg

Erdrutsch: 17 Wanderer aus Liechtensteinklamm gerettet

Schwerer Erdrutsch in der Liechtensteinklamm im Salzburger Land: Vier Menschen wurden verletzt, 17 Wanderer aus Österreich, Deutschland und Ungarn mussten von Bergrettern aus der Klamm befreit werden – eine Aktion, die auch für die Retter gefährlich war.

St. Johann im Pongau – Der gewaltige Steinschlag kam ohne Vorwarnung. Plötzlich lösten sich aus dem Hang an der Großarler Landesstraße riesige Felsbrocken und stürzten in die Liechtensteinklamm. Mehrere Stege wurden zerstört, der Fußweg in der Klamm komplett verschüttet. Es war, sagt St. Johanns Bürgermeister, Günther Mitterer später, ein Erdrutsch extremen Ausmaßes. 300 Tonnen Gesteinsmasse sind nach ersten Schätzungen abgegangen.

Die Liechtensteinklamm ist seit Anfang Mai geöffnet und wegen ihrer beeindruckenden Kletterformationen ein beliebtes Wanderziel. Deshalb waren auch zum Zeitpunkt des Erdrutsches am späten Samstagnachmittag, kurz bevor die letzten Besucher eingelassen werden, noch etliche Wanderer auf den engen Stiegen und Stegen der Klamm unterwegs. Eine vierköpfige Familie aus Indien, die gerade auf dem Weg in die Klamm war, wurde von herabfallenden Steinen leicht verletzt. Sie schaffen es ohne Hilfe zurück, vor Ort wurden sie dann von Helfern des Roten Kreuzes betreut.

17 Wanderer aus Österreich, Deutschland und Ungarn blieben unverletzt, wurden jedoch in der Klamm eingeschlossen. Die Gesteinsmassen versperrten ihnen den Rückweg. Bergretter rüsteten sie mit Helmen und Gurtzeug aus. Anschließend wurden die Wanderer über einen Notsteig und mittels eines Seilgeländers in Sicherheit gebracht. Das war auch für die Bergretter eine Herausforderung. „Der Steig ist sehr ausgesetzt und es herrschte starke Steinschlaggefahr“, sagte der Pongauer Bezirksleiter der Bergrettung, Coen Weesjes. „Deshalb haben wir die Leute einzeln heraufgebracht.“

Die Klamm, die von der Gemeinde betrieben wird, bleibt vorerst geschlossen. „Wir müssen die Situation jetzt erst einmal analysieren“, sagte Bürgermeister Mitterer gegenüber den „Salzburger

Nachrichten“. Wichtig sei aber vor allem, dass niemand schwerer verletzt wurde. „In der Klamm sind immer viele Touristen unterwegs. Wir können froh sein, dass nicht mehr passiert ist.“

Hohe Temperaturen waren laut Landesgeologe Rainer Braunstingl die Ursache des Erdrutsches. „Dunkle Gesteinsschichten haben sich wegen der Sonneneinstrahlung ungleichmäßig ausgedehnt. Das brachte den ohnehin schon labilen Hang zum Rutschen.“ Die Landesstraße war nach gut zwei Stunden Sperrung wieder befahrbar. Bis die Klamm wieder vollständig begehbar sei, werde es mehrere Wochen dauern, sagt Geologe Braunstingl. „Wir rechnen mit weiteren Abbrüchen. Es wäre fahrlässig, jetzt einen neuen Steg aufzubauen.“

Die Nachricht vom Beinah-Unglück in der Liechtensteinklamm machte auch an der Höllentalklamm bei Grainau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) die Runde. „Gott sei Dank ist nichts Schlimmeres passiert“, sagt Christian Schweiger, Wirt der Höllentaleingangshütte. Die Klamm ist seit Donnerstag geöffnet. „Es ist seitdem schon sehr viel los“, sagt Schweiger. Ein erhöhtes Risiko wegen der Temperaturen gebe es in der Höllentalklamm derzeit nicht. Aber: „Wir sind hier im Hochgebirge. Hier muss man immer und überall vorsichtig sein.“

Beatrice Ossberger

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