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Heinrich Bedford-Strohm

„Erfrischend und wohltuend“

Rosenheim – Mit Spannung war der erste Bericht des neuen Landesbischofs vor den evangelischen Synodalen erwartet worden. Heinrich Bedford-Strohm präsentierte sich als leidenschaftlicher Theologe, der sich politisch einmischen wird. Und der sich begeistern lässt – auch vom Internet.

Der Beifall ist anhaltend und freundlich. Die gut 100 Mitglieder der bayerischen Landessynode sind zufrieden mit dem ersten Auftritt von Heinrich Bedford-Strohm als bayerischer Landesbischof. Seit 20 Tagen ist er offiziell im Amt – vor dem Kirchenparlament in Rosenheim legt er in einer Stunde seine Visionen von Kirche vor.

„Er hat eine erfrischende, wohltuende und unprätentiöse Art“, stellt später Ulrike Aldebert aus Tutzing (Kreis Starnberg) fest. Die Pfarrerin zeigt sich angetan von seinem Kirchenbild: diakonisch, authentisch, öffentlich, den Menschen zugewandt und dialogfähig. Und sie wünscht ihm, dass er „seine freundliche Zugewandtheit auch in den Jahren des Amtes behalten kann“.

Denn so fröhlich, freundschaftlich wie gestern im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum wird es in der evangelischen Landeskirche nicht immer zugehen. Auch hier gibt es Konflikte, die aber gestern nicht öffentlich zur Schau getragen werden. Ein „Mahnruf“ des Arbeitskreises Bekennender Christen zum Beispiel, der den Synodenbeschluss zum Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Paare im Pfarrhaus vorläufig aussetzen will und den 8000 evangelische Christen unterschrieben haben. Doch es ist kein Tag für Zwist.

Bedford-Strohm beschreibt seine Vorstellungen von einer authentischen und öffentlichen Kirche. Er will „Erfahrung, Gefühl und Inhalt“ in der Landeskirche zusammenführen. „Authentizität heißt, dass das, was wir im Innern fühlen und erfahren, auch äußerlich zum Ausdruck kommt. Unsere von deutscher protestantischer Nüchternheit geprägte Kirche ist in dieser Hinsicht noch ausbaufähig.“ Er spricht von der Lust, heute evangelisch zu sein. Wie sehr er damit den Nerv der Synodalen trifft, zeigt der zustimmende Applaus.

Der neue Landesbischof steht aber auch für eine politisch engagierte Kirche. „Wer fromm ist, muss auch politisch sein, denn er muss sich für die Mechanismen interessieren, die Menschen in Not bringen oder eben aus der Not heraushelfen, die manchmal – insbesondere auf der weltweiten Ebene – sogar über Leben und Tod entscheiden. Das kann uns Christinnen und Christen nie und nimmer egal sein.“ Er wünscht sich eine Kirche, die für eine neue politische Kultur eintritt, die „kleinkarierte parteipolitische Streiterei überwindet und jenseits der politischen Lager um Lösungen für die großen Zukunftsfragen der Menschheit ringt“. Der Professor verteidigt ausdrücklich die Unterschriftenaktion der Landeskirche für eine Transaktionssteuer auf Börsengewinne.

Begeistert zeigt sich der Landesbischof, der in Amerika studiert hat und mit einer Amerikanerin verheiratet ist, auch von den Chancen des Internets. Die Kirche müsse sich die sozialen Netzwerke wie Facebook noch mehr zunutze machen: „Ob christlicher Glaube, ob Positionen unserer Kirche im Bewusstsein junger Menschen verankert sind oder wenigstens punktuell eine Rolle spielen, wird davon abhängen, ob es uns gelingt, uns auf ihre Kommunikationswege einzulassen.“ Wobei er durchaus die Gefahren der Netzwerke nicht unterschätzt und die Medienpädagogik stärken will.

Es sind die persönlichen Erfahrungen, die Bedford-Strohm zum Internet-Fan haben werden lassen. Mit seinem Sohn, der in Washington zur Schule geht, kann er vor Beginn der Synode per Internet-Telefon und Kamera von Angesicht zu Angesicht sprechen. „Das ist doch toll, dass das möglich ist. Solche Chancen muss man nutzen.“ Die Synode wird ihn schon zu bremsen wissen, wenn sich seine Begeisterung überschlägt. Der Landesbischof ist neben Synode, Landeskirchenrat und Landessynodalausschuss nur eines von vier kirchenleitenden Organen.

Claudia Möllers

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