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Eine Ultraschall-Aufnahme des Buben aus der 30. Schwangerschaftswoche.

Erlanger Wachkoma-Baby war ein Wunschkind

Erlangen - Das von einer 41-jährigen Wachkomapatientin im Frühjahr 2008 in Erlangen zur Welt gebrachte Kind wird inzwischen vom Jugendamt betreut.

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Frau im Koma bringt Kind zur Welt

5.38 Uhr an einem Morgen im Frühjahr 2008: Der kleine Junge kommt per Kaiserschnitt auf die Welt. Wie alle Neugeborenen schreit er lauthals, die Hebamme legt der Mutter den 2390 Gramm schweren Buben auf die Brust. Dass die Frau dabei keine Regung zeigt, überrascht die Ärzte nicht. Die 41-Jährige befindet sich im Wachkoma, die Welt um sie herum nimmt sie nicht wahr. Nach einem Herzinfarkt im Dezember 2007 sind 70 Prozent ihres Gehirns geschädigt - nur das Stammhirn, das unter anderem für die Atmung zuständig ist, funktioniert noch.

Matthias W. Beckmann

Über 22 Wochen hinweg hatten sich Ärzte und ein Pflegeteam der Uniklinik Erlangen rund um die Uhr um die allein erziehende Mutter zweier Kinder und ihr Ungeborenes gekümmert. Dass der heute eineinhalbjährige Junge völlig gesund ist und sogar schon laufen könne, sei keine Selbstverständlichkeit, betont der Direktor der Frauenklinik, Professor Matthias Beckmann. "Es ist nicht nur Medizin, sondern auch Glück." Unterstützt worden sei das Pflegeteam auch von den beiden älteren Kindern. Dieses hätten sich während der Schwangerschaft rührend um ihre Mutter gekümmert, erzählt Beckmann.

Um das Krankenzimmer zu verschönern, hängten sie selbstgemalte Bilder an die Wände und stellten ein Radio auf - auch wenn ihre Mutter davon wohl nichts mitbekam. Die diabeteskranke Frau musste über eine Sonde ernährt werden. Alle drei Stunden lagerte das Pflegeteam die 100 Kilo schwere Frau um. "Wir haben auch viel mit ihr gesprochen", sagt Pflegerin Andrea Maywald. Heute befindet sich die inzwischen 42-jährige Frau in einer speziellen Pflegeeinrichtung. "Aber es geht ihr nicht gut", sagt Beckmann. Die Hirnschädigung sei irreparabel.

Beckmann räumt unterdessen ein, dass es schon zuvor immer wieder Koma-Geburten gegeben hat - weltweit seien rund 25 Fälle von Schwangeren im Wachkoma oder mit Hirntod bekannt. Dort hätten die Schwangerschaften aber oftmals mit Misserfolgen oder Schädigungen des Kindes geendet, betonte der Mediziner. Zudem habe es bei der 41-jährigen Patientin viele Risikofaktoren wie Übergewicht oder Diabetes gegeben. Daher sei der Fall auf jeden Fall außergewöhnlich.

Der Junge sei ein Wunschkind gewesen, berichtet Beckmann eineinhalb Jahre nach der Geburt - so lange hatte die Klinik mit Rücksicht auf die Betroffenen auf eine Veröffentlichung verzichtet. Nachdem die Schwangere, die in Bayern auf dem Land lebte, in das Krankenhaus eingeliefert worden war, hatte die Klinik Kontakt zum Umfeld der 41-Jährigen aufgenommen. Indem die Klinik die Schwangerschaft aufrechterhalten habe, habe sie dem Wunsch der Mutter entsprochen, glaubt Beckmann.

Einen experimentellen Charakter habe das nicht gehabt, sagt der Leiter der Professor für Ethik in der Medizin, Andreas Frewer. Im Vordergrund habe das Wohl von Mutter und Kind gestanden. Juristisch gesehen hätte die Klinik auch die Möglichkeit gehabt, auf eine sogenannte "Maximaltherapie" zu verzichten, sagte Beckmann. "Wir denken, die Mutter wäre zuerst gestorben und dann das Kind." Ein Ethik-Komitee - in das unter anderem Vertreter aus Gynäkologie, Kardiologie, Medizinethik und Klinikseelsorge eingebunden waren - betreute die Schwangerschaft.

Der Vater des Jungen habe die ganze Zeit über keine Entscheidungsmacht gehabt, weil er und die 41-Jährige nicht verheiratet seien, erklärt Beckmann. Das Jugendamt habe nach der Geburt die Obhut für den Kleinen übernommen. Der Vater könne sich aus beruflichen und finanziellen Gründen um den Bub nicht kümmern, er sei viel im Ausland unterwegs, heißt es. Auch die beiden Halbgeschwister des Buben, deren Vater bereits tot ist, befinden sich in der Obhut des Amtes. 

von Ira Kugel

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