Psychologisches Gutachten wird erstellt

17-Jähriger leistet Sterbehilfe - Ermittlungen dauern

Bamberg/Scheßlitz - Sterbehilfe ist ein ethisch hoch brisantes Thema. In Deutschland ist das Töten auf Verlangen eine Straftat. Die Ermittlungen zu einem möglichen Fall von Sterbehilfe in Oberfranken werden Monate dauern.

In einem Fall von möglicher Sterbehilfe in einem Altenheim in Scheßlitz (Landkreis Bamberg) werden die Ermittlungen Monate dauern. Er rechne in etwa vier Monaten mit einer Anklageerhebung gegen den 17 Jahre alten Verdächtigen, sagte Oberstaatsanwalt Bernd Lieb am Dienstag in Bamberg. Der Jugendliche hatte nach Angaben der Anklagebehörde gestanden, in seiner Zeit als Praktikant im Pflegeheim eine alte Frau auf deren Wunsch hin getötet zu haben.

Es würden nun andere Pflegekräfte, die Angehörigen der Frau sowie des 17-Jährige befragt, erläuterte Lieb. Zudem werde ein psychologisches Gutachten über den Jugendlichen erstellt. Weitere Sterbefälle in dem Heim, die in Zusammenhang mit dem 17-Jährigen stehen könnten, seien durch die Ermittlungen nicht bekanntgeworden, sagte der Oberstaatsanwalt.

Manfred Fischer, Geschäftsführer des Trägers der Einrichtung, lehnte eine Stellungnahme zu dem Fall ab. „Das ist ein schwebendes Verfahren. Wir müssen auch an den jungen Mann und seine Familie denken“, sagte er. Das Altenheim gehört zur Gemeinnützigen Krankenhausgesellschaft des Landkreises Bamberg.

An diesem Donnerstag (19. Juli) rückt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) das ethisch hochbrisante Thema Sterbehilfe in den Blickpunkt. Ein Mann aus Braunschweig hatte sich an den Gerichtshof gewandt, nachdem das Bundesinstitut für Arzneimittel in Bonn seiner querschnittsgelähmten Frau ein tödliches Medikament für einen Suizid in Deutschland verweigert hatte. Die nach einem Sturz gelähmte Frau, die künstlich beatmet werden musste, setzte daraufhin ihrem Leben in der Schweiz ein Ende.

Der Witwer betrachtet die Weigerung des Bonner Instituts als Verstoß gegen das Recht auf ein menschenwürdiges Sterben. Ein Vertreter der Bundesregierung argumentierte vor dem Gerichtshof, oberste Pflicht des Staates sei es, Leben zu schützen.

dpa

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