Ermittlungen gegen Demjanjuk-Kollegen eingestellt

München - Die Münchner Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen wegen Mordes gegen einen mutmaßlichen KZ-Wachmann und Ex-Kollegen von John Demjanjuk eingestellt.

Es hätten sich keine Anhaltspunkte für eine konkrete Tat ergeben, sagte die Sprecherin der Anklagebehörde, Barbara Stockinger, am Donnerstag und bestätigte damit einen Bericht des Bayerischen Rundfunks. Der 94-jährige gebürtige Ukrainer lebt in Landshut und soll Wachmann im polnischen Zwangsarbeitslager Treblinka I sowie im Konzentrationslager Flossenbürg in der Oberpfalz gewesen sein. In Treblinka soll Alex N. nicht bestätigten Vorwürfen zufolge an der Erschießung jüdischer Häftlinge beteiligt gewesen sein.

John Demjanjuk: Der Prozess in München

John Demjanjuk: Der Prozess in München

In Flossenbürg sollen Demjanjuk und Alex N., der in dessen Prozess als Zeuge aussagte, zeitweise zusammen Dienst getan haben. Demjanjuk war im Mai aber nicht wegen Flossenbürg, sondern wegen Beihilfe zum zehntausendfachen Mord im Vernichtungslager Sobibor zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.

Anders als Demjanjuk war Alex. N nicht in einem Vernichtungslager tätig, sondern in einem Zwangsarbeitslager. Deshalb wäre für eine Anklage der Nachweis einer konkreten Einzeltat nötig gewesen, erläuterte Stockinger.

Bei dem 91-jährigen Demjanjuk hatten Anklagebehörde und Gericht argumentiert, er habe sich allein mit seiner Anwesenheit im Vernichtungslager Sobibor schuldig gemacht, da das Lager allein zur Vernichtung von Juden diente.

Die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg hatte jeweils die Vorermittlungsverfahren gegen Demjanjuk und Alex N. abgeschlossen und den Abschlussbericht an die Staatsanwaltschaft München weitergegeben.

Ermittelt wird in München nun noch gegen einen mutmaßlichen ehemaligen Hilfspolizisten. Er ist gebürtiger Ukrainer und lebt wie früher Demjanjuk in den USA. Auch gegen ihn ermittelte zunächst die Ludwigsburger Zentralstelle. Iwan K. soll für die deutschen Besatzer in der Ukraine als Hilfspolizist gearbeitet und 1942 in Lemberg eigenhändig einen Juden erschossen haben.

dpa / lby

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Autofahrerin stirbt nach Zusammenstoß mit Rübensattelzug
Eine Autofahrerin ist in Asbach-Bäumenheim (Landkreis Donau-Ries) beim Zusammenstoß mit einem Sattelzug ums Leben gekommen.
Autofahrerin stirbt nach Zusammenstoß mit Rübensattelzug
Auf Gegenfahrbahn geraten: Autofahrerin (23) stirbt
Eine 23 Jahre alte Autofahrerin ist bei einem Unfall nahe Rotthalmünster (Landkreis Passau) ums Leben gekommen.
Auf Gegenfahrbahn geraten: Autofahrerin (23) stirbt
Zwölf Jahre Haft für Bluttat an junger Mutter aus Freyung 
Für den tödlichen Messerangriff auf seine frühere Freundin hat das Landgericht Passau den 23 Jahre alten Täter zu zwölf Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt.
Zwölf Jahre Haft für Bluttat an junger Mutter aus Freyung 
Angler ertrinkt - Taucher findet seine Leiche
Er wollte in Lohr am Main über Nacht angeln und ist ertrunken: Der Leichnam eines 57-Jährigen wurde am Sonntagnachmittag von einem Taucher auf dem Grund des Mains …
Angler ertrinkt - Taucher findet seine Leiche

Kommentare