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Gesundheitsbranche

Ermittlungsflut bei Kassenbetrug - sogar Patienten kassieren mit

Korruption und Betrug im Gesundheitswesen sorgen für eine Flut von Ermittlungsverfahren. Beschuldigt sind aber nicht nur Ärzte, Labore und Pflegedienste.

München – Allein im Bereich des Oberlandesgerichts München hat die Staatsanwaltschaft im vergangenen Jahr 530 neue Verfahren eingeleitet, im Vorjahr waren es knapp 400. Beschuldigt sind unter anderem Ärzte, Labore, Pflegedienste, aber auch Apotheken und sogar Patienten, wie Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl am Mittwoch berichtete. In der Gesundheitsbranche würden jährlich rund 350 Milliarden Euro umgesetzt. „Das ist ein interessanter Markt - auch für die schwarzen Schafe.“

Es gebe regelrechte Abrechnungsringe, bei denen Patienten bei ihrer Kasse Scheinrechnungen über fiktive Behandlungen einreichten. Bisher seien in und um München mehrere Arzt- und Physiopraxen, ein Heilpraktiker, eine Zahnärztin, ein Apotheker und ein Mitarbeiter eines Sanitätshauses ermittelt worden, bei denen nach diesem Muster betrogen worden sei. Die nachweisbaren Schäden der Kassen beliefen sich auf hohe sechsstellige Beträge. Die Versicherungen werden allerdings immer häufiger aufmerksam: Die Anzeigen seitens der Kassen stiegen.

Pflegebetrug sei eine besonders skrupellose Variante. „Es sind Patienten, die teilweise im Koma liegen. Sie bräuchten Pflegekräfte, die wirklich eine Ausbildung haben“, sagte Bäumler-Hösl. Teils würden aber Kräfte ohne Qualifikation eingesetzt - und trotzdem fünfstellige monatliche Beträge pro Patient abgerechnet. „Hier wird die Hilflosigkeit der Patienten ausgenützt.“ Rund 15 Verfahren wegen Betrugs im Pflegebereich wurden von November 2016 bis April dieses Jahres im Bereich des Oberlandesgerichts München eingeleitet.

dpa

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