“Aus ermittlungstaktischen Gründen“ - was heißt das?

Darum gibt die Polizei manche Infos nicht heraus

„Aus ermittlungstaktischen Gründen will die Polizei dazu keine Auskunft geben“ - diese Worte hören Journalisten von Polizeibeamten sehr häufig. Doch was sind eigentlich solche ermittlungstaktischen Gründe? Wir haben bei der Polizei nachgefragt:

Die brutalen Morde in Königsdorf und Rott am Inn lassen derzeit der Region den Atem stocken. Die Täter von Königsdorf sind immer noch flüchtig, im Fall Rott am Inn wurde bereits ein Tatverdächtiger festgenommen. Tage nach den Doppelmorden kursierten viele Nachrichten und noch mehr Gerüchte. Immer mehr Details gelangen an die Öffentlichkeit. Die Polizei hält sich bei Kapitaldelikten jedoch häufig sehr bedeckt, und das aus guten Gründen: Sie will die Überlebenden schützen und kein Täterwissen preisgeben. 

Was sind ermittlungstaktische Gründe?

Die Opfer des Doppelmordes in Königsdorf starben durch stumpfe Gewalt. Laut Polizei seien massive Schläge auf ihre Körper festgestellt worden. Die genaue Tatwaffe nannte die Polizei nicht, ebenso beim Doppelmord in Rott am Inn. Der Grund: In sehr häufigen Fällen ist die Tatwaffe Täterwissen. Wir haben Markus Ellmeier, Sprecher des Polizeipräsidium München, und Anton Huber, Pressesprecher des Polizeipräsidium Oberbayern Süd, zu den Vorgehensweisen der Beamten bei der Öffentlichkeitsarbeit der Polizei befragt.

Was ist Täterwissen?

„Es sind verschiedene Konstellationen denkbar“, erklärt Ellmeier allgemein. „Ich nehme jetzt mal das Beispiel eines Tötungsdeliktes mit einer Brechstange, bei dem der Täter noch nicht ermittelt ist. Wenn ein Tatverdächtiger oder ein Zeuge sich bei der Vernehmung ‘verplappert‘ und von einer Brechstange spricht, können die Ermittler das als Hinweis werten. Denn nur der Täter kann wissen, dass die Tatwaffe eine Brechstange war.“ Hätte die Polizei die Tatwaffe vorher der Öffentlichkeit mitgeteilt, wäre dieser Hinweis vor Gericht nicht mehr gültig. Huber erklärt zudem, dass man auch erst prüfen müsse, ob eine Tatwaffe auch wirklich zu den Verletzungen passe. „Wir müssen erst einmal rekonstruieren, ob das zusammenpasst, auch wenn wir z.B. mehrere Tatwaffen haben.“ Jeder Beschuldigte habe darüber hinaus das Recht, keine Angaben zu  den Vorwürfen zu machen. „Dann müssen wir ihm das beweisen.“ Auch Zeugen könnten von Medien beeinflusst werden, so Huber. „Wenn man liest oder hört, da ist jemand erstochen worden, prägt sich das beim Zeugen ein.“ Gleich verhalte es sich mit dem Tatablauf, ob z.B. jemand von der Seite oder von hinten zugestochen oder -geschlagen hat. „Das werden wir nie so detailliert herausgeben, weil das nur der Täter wissen kann. Auch um zu vermeiden, dass sich jemand mit einer Tat rühmt, die er gar nicht begangen hat.“ Dies komme aber nur sehr selten vor.

Laufende Maßnahmen

Ein weiterer Grund, warum manche Informationen noch nicht an die Öffentlichkeit gegeben ist, wenn Maßnahmen wie z.B. die Auswertung einer Videos noch laufen. „Wir wollen erst schauen, was da rauskommt, bevor wir Details an die Öffentlichkeit geben“, so Huber.

Datenschutz

Auch der Datenschutz spielt bei der Informationsverbreitung der Polizei eine Rolle. Deshalb werden keine Personen- oder Firmenbezogenen Daten herausgegeben. „Jeder Mensch hat Persönlichkeitsrechte. Auch ein Täter ist ein Mensch, der das Recht auf informationelle Selbstbestimmung hat“, so Ellmeier. „Als Staat müssen wir diese Reche schützen. Man braucht eine gesetzliche Grundlage, um in das Gesetz einzugreifen.“

jb

Rubriklistenbild: © picture alliance / Arne Dedert/d

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