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Stolpersteine in Augsburg

Trotz Kompromisslösung

Erneut Streit in Augsburg um die Verlegung von Stolpersteinen

Augsburg - Schon früher stritten sich in Augsburg die Gegner und Befürworter der Stolpersteine, die an die Nazi-Opfer erinnern sollen. Eigentlich war dann ein Kompromiss vereinbart worden. Nun gibt es neuen Ärger.

Wenige Tage vor der Verlegung der ersten öffentlichen Stolpersteine in Augsburg gibt es einen neuen Streit um das Gedenken an die Opfer des Nazi-Terrors. Der Künstler Gunter Demnig, der das Stolperstein-Projekt initiiert hat, will am kommenden Donnerstag (4. Mai) 20 Stolpersteine für Opfer des Nazi-Terrors in Augsburg verlegen. Die Stadt akzeptiert allerdings nur die Verlegung von 12 Gedenksteinen, weil die anderen Opfer das Kriegsende überlebt haben. Demnig spricht von einer „Kastration“ seines Projektes und will für die 8 Stolpersteine, die nicht genehmigt wurden, Platzhalter auf den Gehwegen einsetzen.

Bereits in der Vergangenheit hatte es lange Diskussionen über die Stolpersteine in Augsburg gegeben. Ähnlich wie in München gab es Vorbehalte der Israelitischen Kultusgemeinde gegen die in den Boden eingelassenen Gedenksteine, die mit Messingschildern an die von den Nationalsozialisten ermordeten Menschen erinnern. Schließlich einigte sich die Stadt vor rund einem Jahr mit Gegnern und Befürwortern auf einen Kompromiss, der die Verlegung der Stolpersteine ermöglichte. Bislang gibt es in Augsburg nur zwei Stolpersteine, die allerdings auf privatem Gelände verlegt sind. Im Jahr 2013 hatte sich in Augsburg eine Initiative gegründet, die für die Stolpersteine wirbt.

„Man kann nicht alle Opfer über einen Kamm scheren“

Augsburgs Kulturreferent Thomas Weitzel verweist auf einen Stadtratsbeschluss, nach dem nicht alle gewünschten Steine auf öffentlichem Grund verlegt werden dürfen. Der Opferbegriff sei auf Menschen beschränkt worden, die bis 1945 zu Tode gekommen seien. „Man kann nicht alle Opfer über einen Kamm scheren“, meint der parteilose Referent. Er nennt als Beispiel einen Stein, der an einen von den Nazis verfolgten Widerstandskämpfer erinnern soll, der aber erst fast sechs Jahrzehnte nach dem Krieg gestorben sei.

Demnig hält nichts von einer Einschränkung des Opferbegriffs und wirft der Stadt eine „abstruse Denkart“ vor. „Man kann doch mein Projekt nicht kastrieren“, sagt er. Für die acht Steine, die nicht von dem Stadtratsbeschluss gedeckt sind, will er an der geplanten Stelle Ersatzsteine einsetzen. Dadurch solle es zu einer Diskussion über das Gedenken kommen.

Weitzel forderte Demnig auf, sich an den Beschluss zu halten. Bei der Aktion am 4. Mai will er allerdings nicht gegen das möglicherweise unerlaubte Verlegen von Steinen vorgehen. Wenn Demnig - wie angekündigt - 20 Steine verlege, werde er sich im Nachgang damit beschäftigen, sagte der Kulturreferent.

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