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„Alle herzlich eingeladen“: Verkehrsminister Andreas Scheuer.

„Von 500 bis 10 000 Bürger ist alles möglich“

Scheuer lädt alle auf A94-Party ein - jetzt drohen peinlichen Brotzeit-Probleme

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Freud und Leid nah beinander: Am Montag wird die A 94 durch das Isental eingeweiht. Weil der Verkehrsminister alle Bürger eingeladen hat, könnte der Festakt unkalkulierbar groß werden.

München/Dorfen – 800 geladene Gäste, traditionelles Banddurchschneiden, unvermeidliche Reden, kleine Brotzeit (Leberkäse, Fleischpflanzerl, Brezen, kein Bier) und dann ist irgendwann auch Schluss – so hatte sich die Autobahndirektion Südbayern die Festivität zur Eröffnung der A 94 München-Passau vorgestellt. 33 Kilometer zwischen Pastetten und Heldenstein durch das früher idyllische Isental sind ab Dienstagvormittag für den Verkehr freigegeben.

Doch nach Kritik des örtlichen Bundestagsabgeordneten an dem „Festakt ohne Bürger“ hat sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) eingeschaltet. Für ihn ist die Autobahn-Einweihung „echt ein Riesenschritt“ – „so lange wurde diskutiert, auch hart gestritten und jetzt endlich fertiggestellt“. Kurzerhand deklarierte Scheuer den internen Festakt, der da am Montag ab 15 Uhr an der neuen Rastanlage Fürtholz Nord (bei Dorfen) stattfinden wird, zur Großveranstaltung für alle um. O-Ton Scheuer: „Es sind natürlich auch alle Bürger herzlich eingeladen.“

Lesen Sie auch: Zur Eröffnung der A94 im Landkreis Erding (Bayern) hat Verkehrsminister Andreas Scheuer nun alle Bürger herzlich eingeladen. Gegner planen eine Protestaktion am Montagabend, um nochmals die Umweltbelastunf durch den Autobahnbau zu untermalen. Das berichtet Merkur.de*.

Video: Brotzeit von zu Hause? Die wichtigsten Regeln im Biergarten

Dorfen/Erding: Neues Teilstück der A94: „Brotzeit wird sicher nicht für alle reichen“

Das stellt die Veranstalter vor gewisse Probleme. „Wir können nicht allzu viel bieten“, baut der Sprecher der Autobahnbehörde, Josef Seebacher, zu hohen Erwartungen vor. Es sei kaum abzuschätzen, wie viele Bürger der Einladung folgen würden – „von 500 bis 10 000 ist alles möglich“. Irgendwann werde es auch Anfahrtsprobleme geben, denn so groß sei die Rastanlage auch wieder nicht. Jedenfalls sei die Autobahndirektion „nicht zur Verpflegung aller da“. „Das wird kein zweites Oktoberfest“, die „kleine Brotzeit wird sicher nicht für alle reichen“ und eingeladen fühlen sollten sich vor allem die Bürger der näheren Umgebung. „Wir legen keinen Wert auf den Besuch des Altherrenclubs aus Garmisch, dem vielleicht langweilig ist.“

„Alle herzlich eingeladen“: Verkehrsminister Andreas Scheuer.

Einer wird sicher nicht kommen: Heiner Müller-Ermann, früher Kopf des Widerstands gegen den Bau der Autobahn, wie Merkur.de* berichtet. „Man geht nicht zur feierlichen Eröffnung einer Autobahn, die man 25 Jahre lang verhindern wollte“, sagt der Dorfener SPD-Stadtrat und Sprecher der „Aktionsgemeinschaft gegen die Isentalautobahn“. Er könne zwar nicht ausschließen, dass „ein paar Jüngere“ aus dem Widerstand am Montag symbolisch protestieren, er selber werde das aber nicht tun. 

Bayern: Werden die A 94-Gegner das Autobahn-Teilstück benutzen?

Die A 94-Gegner treffen sich am Montag ebenfalls: Um 19.30 Uhr wird in der Dorfener Stadthalle auf Höhen und Tiefen des Widerstands zurückgeblickt – mit Fotos, Filmen und persönlichen Ansprachen. „Das soll keine Trauerveranstaltung werden, es gab ja auch viele schöne und lustige Seiten“, sagt Müller-Ermann. Auch der Landesvorsitzende des Bund Naturschutz, Richard Mergner, will kommen.

Fahren kann man auf der Autobahn übrigens erst ab Dienstag am späteren Vormittag. Die Freigabe werde in jeder Richtung einige Stunden dauern. Noch am Montagabend nach dem Festakt zu eröffnen, sei zu gefährlich, sagt Behördensprecher Seebacher.

Auch Heiner Müller-Ermann wird die Autobahn künftig nutzen – wenn auch schweren Herzens. „Es wäre ja idiotisch, nun durch die kleinen Dörfer zu kurven.“

Kürzlich hatten Landschaftsgärtner auf der A 94 bei Mühldorf eine mögliche Katastrophe verhindert. Sie schritten mutig ein und retteten so vermutlich mehrere Leben. Die CSU steht unterdessen auch in Sachen ÖPNV in Bayern in der Kritik.

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