Gute Nacht G8, guten Morgen G9? Eltern-Protest in Nürnberg 2008. Foto: dpa

25.000 Unterschriften gesammelt 

Erster Erfolg des G9-Volksbegehrens

München - Das G9-Volksbegehren der Freien Wähler kommt voran: Die erforderlichen 25 000 Unterschriften sind vorhanden, bestätigt FW-Generalsekretär Michael Piazolo. Doch Unterstützer gibt es kaum – SPD und Grüne winken ab.

Ein Mann am Ziel seiner Träume: Walter Bertl aus Fürstenfeldbruck, pensionierter Lehrer und bis vor kurzem Vorstandsmitglied des Bayerischen Philologenverbands, ist eingefleischter Anhänger eines neunjährigen Gymnasiums. „Man könnte schon im nächsten Schuljahr starten“, sagt er. Unermüdlich hat Bertl, selbst kein Freier Wähler, bis zuletzt Unterschriften gesammelt. 50 will er noch in den nächsten Tagen zur FW-Zentrale nach München schicken.

So viel Begeisterung gab es nicht überall: Ja, nach der Landtagswahl habe es einen „Durchhänger“ gegeben, gesteht FW-Generalsekretär Piazolo – „man kann ja auch nicht ständig die Mitglieder mit neuen Anliegen belasten.“ Jetzt aber „haben wir die Grenze überschritten“, bestätigt der Münchner Landtagsabgeordnete. Mehr als 25 000 Bürger hätten sich in den Listen eingetragen – ein Sicherheitspuffer mit möglichen ungültigen Unterschriften eingerechnet. Im Februar würden die Unterschriftenlisten beim bayerischen Innenministerium zur Prüfung eingereicht. Das Ministerium setzt dann die 14-tägige Eintragungsfrist in den Rathäusern fest. Unterschreiben mindestens zehn Prozent der Wahlberechtigten – also knapp eine Million Bayern –, dann kommt es zum Volksentscheid, sofern nicht der Landtag von sich aus das Begehren der FW aufgreift.

Bis dahin lauern noch einige Fallstricke. Einer davon ist die Frage, ob das Volksbegehren überhaupt verfassungsgemäß ist. Die Einführung des G9 darf nicht in das Haushaltsrecht des Landtags eingreifen und folglich nicht mehr Geld kosten als das bisherige G8.

Falls das Innenministerium das Begehren aus rechtlichen Gründen ablehnt, will Piazolo vor Gericht ziehen. Sonst aber könne es vor der Sommerpause zur 14-tägigen Eintragung kommen.

Das FW-Konzept sieht eine Öffnungsklausel vor. Dabei soll das Schulforum – Lehrer, Eltern, Schüler, Kommunen – entscheiden, ob es das G9 will oder beim G8 bleibt. Auch eine Parallelführung an großen Schulen ist denkbar.

G9-Befürworter Bertl ist sich sicher, dass die Mehrzahl der Gymnasien für ein G9 votieren würden, wenn sie nur dürften. Er hat schon eine Stundentafel entworfen. Die Intensivierungsstunden entfallen demnach – diese Stunden würden für den um ein Jahr verlängerten regulären Fachunterricht verwendet. Zwischen der 5. und 11. Klasse, also vor der Oberstufe, gibt es nach Bertls Konzept beispielsweise 26 Jahreswochenstunden Deutsch – die Zahl ergibt sich, wenn man die Unterrichtsstunden in Deutsch je Woche von der 5. bis 11. Klasse addiert. Beim G8 sind es in der 5. bis 10. Klasse 24. Für den Mathematik-Unterricht, zuletzt wegen der miserablen Abi-Testklausur in der Kritik, hat Bertl sogar 28 Stunden vorgesehen. Derzeit sind es nur 22.

Die übrige Landtags-Opposition reagiert verhalten. „Wir wollen ein modernes, neues neunjähriges Gymnasium“, sagt SPD-Bildungsexperte Martin Güll. „Das kostet Geld“ – Geld, das es wegen des Haushaltsvorbehalts mit dem FW-Konzept nicht gebe.

„Wir werden uns nicht beteiligen“, sagt Grünen-Schulexperte Thomas Gehring. „Die Freien Wähler haben das Problem richtig erkannt, aber sie geben die falsche Antwort.“ Auch der Bayerische Philologenverband, dessen Mitglieder kürzlich für ein G9 votierten, ist skeptisch. „Wir wollen ein eigenes Modell“, sagt Verbandschef Max Schmidt. Einzig die FDP positioniert sich nun kritischer als früher: „Das G8 ist keine heilige Kuh“, erklärte der neue FDP-Chef Albert Duin. Das bayerische Kultusministerium reagierte ablehnend. Am G8 herrsche Ruhe. „Wir haben das bessere Konzept.“

Dirk Walter

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