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Der erste Verhandlungstag im Prozess um den Mord an der zwölfjährigen Franziska ist am Montag schon nach wenigen Minuten zu Ende gegangen.

Bis zum nächsten Sitzungstag unterbrochen

Erster Tag im Franziska-Prozess endet nach wenigen Minuten

Ingolstadt - Verschleppt, sexuell missbraucht und erschlagen - das Martyrium der zwölfjährigen Franziska bewegte. Der erste Verhandlungstag endete bereits nach wenigen Minuten.

Die Richter sitzen bereits auf ihren Stühlen, ebenso der Staatsanwalt, die Vertreterin der Nebenklage und die beiden Verteidiger - nur der Angeklagte fehlt. Der Vorsitzende Jochen Bösl macht die Fotografen und Kameraleute noch einmal darauf aufmerksam, dass sie den 27-Jährigen nur im Gesicht unkenntlich gemacht zeigen dürfen. Dann wird der mutmaßliche Mörder der kleinen Franziska in den Sitzungssaal des Ingolstädter Schwurgerichts geführt. Ohne Handschellen und ohne Fußfesseln, in schwarzer Jacke mit Kapuze lässt er am Montagmorgen das Blitzlichtgewitter über sich ergehen. Sein Gesicht verbirgt er nicht, als er sich auf seinen Platz setzt.

Nun soll der Prozess um den grausamen Sexualmord an dem zwölfjährigen Kind beginnen. Doch nach Verlesung der Anklageschrift ist der erste Tag schon wieder vorbei - es ist eine knappe Viertelstunde vergangen.

Neue Zeugenaussagen

Der Vorsitzende verkündet, dass es neue Zeugenaussagen gibt, die Verteidiger Adam Ahmed erst gründlich lesen will. Sie entstanden in den Tagen, nachdem der Angeklagte in der Untersuchungshaft von seinem Zellenmithäftling niedergestochen worden war. Kindsmörder und Sexualverbrecher stehen in der Gefängnishierarchie auf unterster Stufe, womöglich war Hass auf den Angeklagten das Motiv der Attacke.

Jedenfalls will der Verteidiger diese Aussagen erst gründlich studieren, ehe der Prozess am 25. Februar richtig beginnt. Dann wird sich möglicherweise auch der Angeklagte zu den Vorwürfen äußern. Ahmed machte aber vor Journalisten deutlich, dass sein Mandant den Sexualmord an Franziska bisher nicht gestanden habe, obwohl der Gerichtssprecher dies mehrmals geäußert haben soll. Auch dazu will der Anwalt dann Klartext reden. Schon jetzt sagt er, dass er an eine Sicherungsverwahrung seines Mandanten nicht glaubt.

Am ersten so kurzen Verhandlungstag spielt auch ein sogenannter „Gefährder“ eine wichtige Rolle. „Aus dem familiären Umfeld“, so der Gerichtssprecher, habe es konkrete Drohungen gegen den Angeklagten gegeben. Es soll sich dabei um Franziskas Halbbruder handeln. Die Polizei nimmt sich den jungen Mann am Morgen noch einmal vor, dann heißt es, er habe die Drohungen zurückgenommen. Er kann den ersten Verhandlungstag im Sitzungssaal ungehindert verfolgen.

Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen

Dennoch sind die Sicherheitsvorkehrungen enorm. Alle Zuschauer, die akkreditieren Journalisten und selbst die Nebenklägervertreterin, die Anwältin von Franziskas Eltern, werden vor Betreten des Sitzungssaales auf Waffen durchsucht. Ein Sprengstoffspürhund ist im Einsatz. Zu groß erscheint dem Landgericht die Gefahr, dass jemand einen Anschlag auf den mutmaßlichen Mörder verüben könnte.

Anklagepunkte

Denn dem Angeklagten wird ein absolut scheußliches Verbrechen an einem Kind vorgeworfen. In ruhigem Tonfall trägt Staatsanwalt Jürgen Staudt die Anklageschrift vor. Noch vor dem Mord soll der 27-Jährige eine junge Frau vergewaltigt, ein Mädchen sexuell missbraucht und zu einem Kind übers Internet Kontakt mit sexuellem Hintergrund aufgenommen haben.

Franziska wurde am 15. Februar 2014 umgebracht, einem Samstag. Die Kleine war tagsüber zum Spielen mit Freunden nach Nassenfels bei Ingolstadt gefahren. Spätnachmittags machte sie sich mit ihrem Fahrrad auf den Heimweg ins wenige Kilometer entfernte Adelschlag. Dabei lauerte sein Peiniger dem Mädchen bereits auf. Sie wurde wohl ein Zufallsopfer. Franziska schickte einer Freundin von unterwegs eine SMS, dass ein grünes Auto ihrem Fahrrad auffällig folge.

Dem Hilferuf ging jedoch fatalerweise niemand nach. Zudem schöpften auch die Eltern der Zwölfjährigen keinen Verdacht, als ihr Kind nach Einbruch der Dunkelheit nicht heimkam. Sie waren der Meinung, Franziska würde bei einer Freundin übernachten.

Tatsächlich aber durchlebte das Mädchen ein unvorstellbares Martyrium. Der Mörder zerrte sein Opfer am späten Nachmittag jenes Samstags in sein Auto und fuhr zu einem Weiher in Neuburg a.d. Donau. Dort missbrauchte er Franziska auf scheußlichste Art und Weise. Danach strangulierte er die Zwölfjährige und erschlug sie mit einem Holzscheit. Einen Tag nach dem Mord fanden Angler die Leiche des Mädchens in dem Weiher treibend.

dpa

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