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„So einfach wird das nicht sein“: Sechs Bundesländer stellen bald gemeinsam Abitur-Aufgaben.

Erster Schritt zum Bundesländer-Abitur

Sechs Bundesländer,darunter Bayern, wollen einen Teil der Abiturprüfungen künftig zeitgleich abhalten. Als erster Schritt wurden jetzt gemeinsame Testaufgaben entwickelt. Fachleute sind skeptisch.

Der Zeitplan ist ambitioniert. Schon im Herbst nächsten Jahres soll eine gemeinsame Klausur in Bayern, Sachsen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein geschrieben werden. Im Frühjahr 2014 soll es gemeinsame Aufgabenteile geben, „die in die schriftlichen Abiturprüfungen in Deutsch, Englisch und Mathematik eingebunden werden“, wie Kultusminister Ludwig Spaenle erklärte. Ziel ist es, die Vergleichbarkeit des Abiturs zu erhöhen.

Die jetzt vorgelegten Musteraufgaben wurden von einer länderübergreifenden Arbeitsgruppe entworfen, bestätigten Fachleute wie Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands und Leiter eines Gymnasiums in Deggendorf, aber in ihren Zweifeln. Kritikpunkt von Meidinger ist eine veränderte Aufgabenkultur, die auf die bayerischen Schüler zukommt.

In Mathematik etwa wurden in den Abiturprüfungen bislang alle drei Teilgebiete – Algebra, Geometrie und Stochastik – abgedeckt. In der Musteraufgabe sind indes nur zwei Bereiche enthalten. Das Niveau ist durchaus hoch. „So einfach wird das für die bayerischen Schüler nicht sein.“

In Deutsch sind die Veränderungen noch deutlicher. Bisher wird Bayerns Abiturienten auch ein Grundwissenstest abverlangt, mit Fragen etwa zur Literaturgeschichte und den Epochen. Zentraler Bestandteil der neuen Aufgabe ist es indes, einen von drei vorgelegten Texten zu erörtern. Wenn die Erörterung zu sehr im Fokus stehe, warnt Meidinger, drohe die Gefahr, dass subjektive Erwartungshorizonte der Lehrer zu stark Gewicht bekämen. Überrascht hat Meidinger auch die vorgelegte Englisch-Musteraufgabe. In Bayern wurde den Abiturienten bislang Hörverstehen, Übersetzung und ein englischer Essay abverlangt. Die Arbeitsgruppe indes hat einen neuen Aufgabentyp kreiert, die sogenannte Sprachmittlung. Dabei wird den Schülern ein deutscher Text vorgelegt, den sie dem Inhalt nach, aber nicht wortwörtlich, auf Englisch transkribieren sollen. Im konkreten Fall handelt es sich um einen Text zur Berufswelt der Zukunft mit etwa 250 Wörtern. Da diese Art Aufgabe in Bayern bislang nicht Teil des Englisch-Unterrichts ist, stellt sich laut Meidinger nun die Frage, ob infolge der gemeinsamen Abituraufgaben auch Änderungen in den Lehrplänen notwendig werden. Spaenle hat ohnehin angekündigt, dass die Lehrpläne erneut überarbeitet werden sollen.

Offen ist bis jetzt auch noch ein weiterer Punkt: Wann denn angesichts der unterschiedlichen Ferientermine das gemeinsame Abitur geschrieben werden kann. Nach Ansicht Meidinger bleibt aus Sicht Bayerns nur eine Lösung: dass ein Teil des Abiturs künftig zeitlich vorgezogen wird. Er ist sich aber sicher, „dass dagegen die Elternverbände Sturm laufen werden“, weil die Schüler dann einen mehrmonatigen Prüfungsmarathon zu überstehen hätten.

Dirk Walter

Die Muster-Prüfungen sind unter abrufbar unter

www.isb.bayern.de

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