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Serie: Erster Weltkrieg

Das große Schlachten

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München - Verdun – das steht so wie „Stalingrad“ als Synonym für das Grauen des Krieges. Auch bayerische Soldaten gerieten in diese längste Schlacht des Ersten Weltkriegs.

Die Fakten

Der Angriff deutscher Truppen begann am 21. Februar 1916, die Schlacht endete am 19. Dezember 1916. Es war ein Kampf um jeden Meter. Verdun steht für eine strategische Fehlplanung, für Stellungskrieg in seiner absurdesten Ausprägung, der die Verlustraten in die Höhe trieb. Die Anhöhen „304“ und „Toter Mann“, erbittert umkämpft, erlangen traurige Berühmtheit. Nach 300 Tagen hatte sich die deutsche Front „alles in allem höchstens vier Kilometer nach Süden bewegt“, schreibt der Historiker Olaf Jessen. Ein Tagesgewinn von 13 Metern.

Die Opfer

Einer von 143 000: Der Rosenheimer Franz Hahn gerät in die Schlacht, als die Deutschen schon in die Defensive geraten sind. Es ist Juli 1916, der 19-Jährige ist der Stolz der Familie, er malt begeistert, noch heute gibt es im Familienbesitz schöne Gemälde. „Macht Euch keine Sorgen um mich, es geht mir gut!“ – das steht (sinngemäß) auf der Postkarte, die er nach Hause schickt.

Unweit von Verdun gibt es im Juni/Juli erbitterte Gefechte um das Dorf Fleury und das Fort Vaux. Wahrscheinlich nur ein paar Steinwürfe entfernt von Hahns 1. Jägerbataillon kämpft der Infanterist Franz Sailer aus Königsdorf (bei Wolfratshausen). Der Feind kauert, so schreibt er später in sein Tagebuch, nur 50 bis 150 Metern entfernt. Wer ungedeckt den Kopf hebt, den erwischt der Scharfschütze. „Wir wünschten sehnlichst die Nacht herbei, weil wir hofften, dann im Schutze der Dunkelheit uns endlich wieder mit der Kompanie verständigen zu können.“

Es ist eine archaische Form des Tötens. Trotz Gegenfeuers stürmen mal die Franzosen, mal die Deutschen die wenigen Meter bis zum Feind vor, es gibt Kämpfe Mann gegen Mann. Mit Flammenwerfern, mit Bajonetten. Extrem brutal. Wer zurückweicht, geht ein hohes Risiko ein – denn die Flüchtenden werden durch Artilleriefeuer des Gegners zusätzlich dezimiert. Kaum angekommen, werden frisch rekrutierte Soldaten hineingeworfen. Ruhmreiche Schlachten erwarteten sie, doch es war ein großes Schlachten. „Es war schon eine grobe Unverantwortlichkeit, mit solchen schlecht ausgebildeten Soldaten (...) in einen derartigen Kampf hinein zu müssen“, schreibt Anton Grabmeier. Er stammt ebenfalls aus Rosenheim und hat tagebuchartig seine Eindrücke verarbeitet. Nicht einmal mit Handgranaten, berichtet Grabmeier, hätten solche frisch rekrutierten Soldaten richtig umgehen können.

Der Rosenheimer Franz Hahn ist so ein Neuling, der seit 21. Juli in Verdun ist. Wir wissen nicht, um welches Fort, welche Anhöhe oder Stellung er kämpfen musste. Auch seine Familie wird es nie erfahren. Nur dies: „Vermisst seit 10. August 16 bei Verdun“, lautet der dürre Eintrag in der Kriegsstammrolle. „Seine Leiche wurde nie gefunden“, berichtet Hilmar Mund aus Bad Aibling. Seine Mutter Rosina war die Schwester von Franz Hahn. Der Tod reißt eine Lücke. „1956 erlebte ich während einer Paris-Reise mit meinen Eltern, wie meine Mutter herzzerreißend weinend auf die Knochen der gefallenen Soldaten im Beinhaus von Douaumont blickte.“

In der Statistik ist Franz Hahn nur einer von etwa 143 000 deutschen Verdun-Toten. Die deutsche Offensive, ohnehin ins Stocken geraten, gerät im Juli zusätzlich unter Druck: An der Somme, weit nördlich von Verdun, hat eine britisch-französische Offensive begonnen. Hektisch leitet die deutsche Armee Mannschaften und Munitionsnachschub an die Somme um, die Front bei Verdun wird geschwächt.

Franz Sailer kauert in dieser Zeit tagelang in einer Art betoniertem Unterschlupf nahe Fleury. Am 19. Juli umzingeln Franzosen dieses „Erdwerk“. Es ist vorbei – Sailer ergibt sich. Er geht nach draußen, Franzosen treiben ihn fort. Es hagelt Schläge, es wird geklaut – Uhren, Münzen. „Gleich in den ersten Viertelstunden war es ungemein hart für uns, in solchen Situationen sich richtig zu beherrschen.“

Noch monatelang halten die Kämpfe an. Buchstäblich Schritt für Schritt weichen die deutschen Truppen zurück. Erst im Dezember endet die letzte französische Offensive.

Bei Verdun verloren die Kriegsgegner rund 700 000 Soldaten durch Verwundung oder Tod, an der Somme waren es über eine Million.

Streit der Forscher

Warum dieser Wahnsinn? An dieser Frage haben sich die Historiker festgebissen. Lange Zeit glaubte man dem preußischen Generalstabschef Erich von Falkenhayn, der in seinen Memoiren 1920 von einem „Weißbluten“ der französischen Armee als Kriegsziel sprach – demnach sei es der Armeeführung allein um Menschenverluste auf französischer Seite gegangen, der eigentliche Frontverlauf hätte keinen kriegsstrategischen Zweck gehabt. Falkenhayn berief sich auf seine Weihnachtsdenkschrift von 1915 – diese ist jedoch nicht im Original überliefert. Neue Forschungen betonen, dass der deutsche Angriff sehr wohl auf den Durchbruch der Armee ins französische Hinterland und die Rückkehr zum Bewegungskrieg abzielte. Diese Strategie ging katastrophal schief.

Dirk Walter

Alle Artikel zur Serie "Erster Weltkrieg" finden Sie hier.

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