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„Eine Revolution“: Marianne Hinterbrandner ist die erste weibliche Vorsitzende eines Gauverbandes.

Erstmals führt Frau Trachtengau: Die Männer nehmen es gelassen

Augsburg - Die Emanzipation hat die Trachtenbewegung erreicht: Marianne Hinterbrandner (64) aus Augsburg führt als erste Frau einen Gauverband. Der Untergang des bayerischen Brauchtums?

Marianne Hinterbrandner hat eine Männer-Bastion gestürmt. Sie ist als erste Frau im Freistaat an die Spitze von einem der 22 regionalen Trachtengauverbände gewählt worden. „Eine Revolution“, sagt die 64-Jährige aus Lechhausen, einem Stadtteil von Augsburg. Enttäuscht ist sie von der zurückhaltenden Reaktion anderer Gauvorstände. Es habe sich kaum jemand gemeldet: „Die müssen das wohl noch verdauen.“

Doch so schwer fällt es den männlichen Kollegen gar nicht, eine Frau in ihren Reihen zu akzeptieren. „Wenn kein Mann da ist, dann ergibt sich das halt“, sagt Peter Eicher, Vorsitzender vom Gauverband I mit Sitz in Traunstein. „Das hat sie bestimmt gut im Griff“, meint Hans Hagn, zweiter Vorsitzender des Loisachtaler Gauverbandes.

Eine „Übergangslösung“ vermutet zwar Hans Schwaiger, Vorsitzender des Oberlandler Gauverbandes, hinter dem weiblichen Vorstoß. In drei Jahren, so rechnet er, sei ein Mann gefunden. Schlimm findet er es aber nicht, dass Hinterbrandner derweil das Steuer übernimmt: „Warum sollte das eine Frau nicht machen dürfen?“ Schwaiger ist seit 32 Jahren im Trachtenverein. Damals wäre eine Frau an der Spitze ein Problem gewesen, glaubt er.

Dass eine Frau einen Gauverband leitet, sei heutzutage „das Normalste der Welt“, findet Michael Ritter vom Landesverein für Heimatpflege, der Heimat als „Bewährtes in Bewegung“ versteht.

Als einen „Akt der Emanzipation“ bezeichnet Otto Dufter, Landesvorsitzender des Bayerischen Trachtenverbands, die Wahl einer Frau. Zwar gebe es mehrere Vereins- aber noch keine Gauvorständinnen. Möglicherweise habe in Augsburg einfach kein geeigneter männlicher Kandidat zu Verfügung gestanden, mutmaßt er.

Tatsächlich hätte der Altbayrisch-Schwäbische Gauverband einen geeigneten Kandidaten gehabt. Dieser konnte das Amt aus beruflichen Gründen nicht übernehmen. Bislang war Hinterbrandners Ehemann Gerhard Chef des Gauverbandes. Aus gesundheitlichen Gründen musste der 63-Jährige den Posten aufgeben. Vor einem Jahr hat er dies bekannt gegeben, seitdem wurde ein Nachfolger gesucht. „Jetzt müssen sie mit mir leben“, sagt Marianne Hinterbrandner.

Ihre neuen Aufgaben sind ihr nicht fremd. „Mein Mann und ich haben immer als Team gearbeitet“, sagt sie. Zusammen mit dem Ausschuss wird sie sich beispielsweise um die Beratung in den Bereichen Trachten-, Volksmusik- und Dialektpflege kümmern.

In Sachen Traditionsbewusstsein steht die gebürtige Münchnerin ihren männlichen Kollegen in nichts nach: Seit 1969 ist sie Mitglied im Trachtenverein Lechhausen, seit 1980 im Vorstand. Keinen Festtag der Trachtler hat sie verpasst und für Nachwuchs sorgte sie auch: Ihre vier Kinder und zehn Enkelkinder sind alle im Trachtenverein.

Aglaja Adam

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