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Reinhard Marx

Erzbischöfe geißeln Wirtschaftsdenken

München/Augsburg - Die Erzbischöfe von München-Freising und Bamberg, Reinhard Marx und Ludwig Schick, haben eine zunehmende Dominanz rein wirtschaftlichen Denkens beklagt.

“Eine Gesellschaft, die materielle Verbrauchsgüter ins Zentrum stellt, verliert ihre Kultur“, sagte Marx in seiner Silvesterpredigt in München. Schick sieht die gegenwärtige Krise auch als Folge einer verlotterten Moral und eines schlampigen Umgangs miteinander.

Marx sprach von einer Ökonomisierung, die sich in den vergangenen Jahren als “Ideologie des ständig wachsenden materiellen Reichtums“ breitgemacht habe. Für Christen gelte es, das Gebet dagegen zu setzen. Der 2. Ökumenische Kirchentag, den Katholiken und Protestanten im Mai gemeinsam in München feiern, sei eine Chance, den Glauben in die Öffentlichkeit zu rücken. Nötig sei “eine neue intensive Evangelisierung unseres Landes“, sagte Marx, der in der katholischen Deutschen Bischofskonferenz Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen ist.

Schick kritisierte, dass in Deutschland Bürokratie oft Vorrang vor Menschen habe. “Wenn Politikern bei Kindergartengesetzen, Kranken- und Pflegeversicherungsreformen die Dokumentation, Prüfungen und Verwaltung wichtiger sind als die Kinder, Kranken und Alten selbst, dann stimmt etwas nicht“, sagte Schick laut Manuskript im Bamberger Dom.

Angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise rief der Erzbischof zu Entschlossenheit auf. “Krisen rufen nach Bekehrung und verbieten Resignation.“ Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Bischofskonferenz kritisierte auch das Scheitern des Weltklimagipfels Anfang Dezember in Kopenhagen und das Ergebnis des Welternährungsgipfels kurz zuvor in Rom. Auch dort hätten nicht die Menschen im Mittelpunkt gestanden, sondern nationale Wirtschaftsinteressen.

Die Bischöfe von Augsburg und Regensburg, Walter Mixa und Gerhard Ludwig Müller, ermunterten die Gläubigen, auf Gott zu vertrauen und im neuen Jahr ihren Glauben auch im Alltag zu bekennen. Christen sollten sich in Leserbriefen und Diskussionen zu Wort melden, wenn der Glaube oder die Kirche angegriffen werden, sagte Mixa in seiner Silvesterpredigt in der Augsburger Marienkathedrale. Müller warnte davor, der Versuchung zu einem bequemen Leben ohne Gott und ohne Verantwortung für die Mitmenschen nachzugeben. “Ein Leben ohne Gott ist kalt und finster wie ein Tag ohne Sonne“, sagte der Regensburger Bischof laut Mitteilung des Ordinariats.

dpa

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