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Erzbischof Marx appelliert an die Bauern: „Ihr müsst gemeinsam für eine gute Zukunft streiten.“

„Wir brauchen Frieden auf den Dörfern!“

Erzbistum vermittelt im Streit um die Milch

München - Seit Jahren entzweit der Streit um den Milchpreis die bäuerliche Bevölkerung auf dem Land. Das Erzbistum München und Freising will die zerstrittenen Familien versöhnen.

Erzbischof Marx kündigt seine Initiative exklusiv in unserer Zeitung an.

Ein Riss geht durch viele Dörfer in Bayern. Nachbarn verbieten ihren Kindern, miteinander zu spielen. Familien sind zerstritten. Man redet nicht mehr miteinander. Oder zankt sich nur noch. Der Auslöser ist der Streit um die Zukunft der Milchwirtschaft. Dass es so weit kommen musste, erfüllt mich als Bischof mit großer Sorge.

Die Forderung der Bauern nach einem gerechten Preis für ihre Milch kann ich verstehen. Ihre Angst vor veränderten Rahmenbedingungen auf der Ebene der Europäischen Union ebenso. Die Zukunft gerade kleiner und mittlerer Betriebe steht auf dem Spiel. Die Not der Milchbauern zeigt, dass wir nicht blind auf die Mechanismen der Marktwirtschaft vertrauen dürfen. Denn der Nutzen, den die Landwirtschaft für die ganze Gesellschaft bringt, lässt sich nicht einfach danach berechnen, wie viel Cent pro Liter Milch bezahlt werden.

Die bäuerliche Landwirtschaft hat gerade in unserer Heimat Bayern eine tragende kulturelle und soziale Funktion. Sie pflegt und prägt unsere Kulturlandschaft – auf diese Weise schafft sie beispielsweise die Grundlage für den Tourismus. Sie sorgt für ein nachhaltiges, tiergerechtes, ökologisches Wirtschaften und versorgt uns mit hochwertigen Lebensmitteln, die eine gesunde Ernährung erst möglich machen. Das sollte den Verbrauchern auch finanziell etwas wert sein.

Gemeinsamer Kampf für die Milch: Agrarminister Brunner und Landesbäuerin Annemarie Biechl starteten am Freitag die Kampagne „Unsere Milch macht Bayern stark“. In den kommenden Wochen werben Bäuerinnen in Supermärkten für heimische Milchprodukte.

Wir können uns nicht leisten, diese Landwirtschaft zu verlieren. Eine verantwortungsvolle Politik muss dafür sorgen, dass die Bauern für alle ihre Leistungen, die weit über die Produktion hinausreichen, gerecht entlohnt werden. Die Landwirte brauchen eine gesicherte Existenzgrundlage heute und in Zukunft. Die katholische Kirche tritt dafür ein und steht auf der Seite der Bauern. Dass die Bauern demonstrieren und für ihre Ziele streiten, das ist nicht nur demokratische Brauchtumspflege – es gibt dazu keine Alternative. Nur wer sich rührt, kann die bestehenden Verhältnisse zum Besseren wenden. Doch warum streiten die Bauern untereinander, anstatt gemeinsam für eine gute Zukunft? Warum lassen sie es zu, dass ihre seit Generationen bestehende Gemeinschaft auf den Dörfern zu zerbrechen droht?

Bei allem Verständnis für die unterschiedlichen Argumente – dieser Zwist kann doch nicht das letzte Wort sein. Wir brauchen Frieden auf den Dörfern! Nur so gibt es die Chance für eine Lösung der Krise.

Als Erzbischof von München und Freising liegt mir die Aussöhnung der Menschen auf den Dörfern sehr am Herzen. Die Erzdiözese will dazu einen Beitrag leisten. Wir wollen unsere Seelsorger in den Gemeinden unterstützen. Dazu starten wir im November vier Veranstaltungen mit dem Titel „Brennpunkt Landpastoral – Der Konflikt um die Milch und der Friede auf den Dörfern“. In den vier am stärksten von der Milchwirtschaft geprägten Regionen unserer Erzdiözese wollen wir vor Ort in Begegnungen und Gesprächen darüber beraten, wie wir gemeinsam einen Beitrag dazu leisten können, einen guten Weg in die Zukunft zu gehen. Die Kirche will zum Frieden beitragen und Brücken bauen.“

Von Reinhard Marx

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