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Gregor Maria Hanke bei seiner Bischofsweihe.

Streit zwischen Bistum und ehemaligem Mitarbeiter

Es geht um 60 Millionen: Finanzskandal im Bistum Eichstätt spitzt sich zu

Im Finanzskandal des Bistums Eichstätt verschärft sich der Ton zwischen den Parteien. 

Eichstätt – Es geht um ungesicherte Darlehen im Werte von rund 60 Millionen Euro – und jetzt spitzt sich der juristische Streit zwischen dem Bistum Eichstätt und einem ehemaligen Mitarbeiter zu. Die Rechtsanwälte der Diözese widersprachen gestern in einer Stellungnahme dem Vorwurf, der Bischof habe von dem Mitarbeiter Risikoanlagen gefordert, mit einer zu erzielenden Rendite von acht bis zehn Prozent. Das sei falsch und werde „wider besseres Wissen erhoben“.

In einer fünfseitigen Ausarbeitung legen die Anwälte die Entwicklung von Anlagerichtlinien im Bistum dar. So habe es zwar in einem Vorschlag der Finanzkammer im Mai 2009 „den beiläufigen Hinweis auf eine Renditeerwartung in Höhe von 8 bis 10 Prozent“ gegeben. Der Diözesanvermögensverwaltungsrat habe aber nur beschlossen, dass mit Banken und Vermögensverwaltern auf dieser Basis ein Anlagekonzept entwickelt werden solle. Dies sei ein halbes Jahr später präsentiert worden und habe erstmals als Ziel eine Verzinsung von zwei bis drei Prozent über drei- bis fünfjährigen Bundesanleihen angegeben. Nur diesem habe der Vermögensverwaltungsrat zugestimmt.

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Bistum macht Finanzskandal selbst öffentlich

Nach Darstellung der Bistumsanwälte wurde diese Vorgabe 2012 auf zwei Prozent über der Inflationsrate begrenzt. Auch in einer im Dezember 2014 ergänzend in Kraft getretenen und von dem Beschuldigten selbst entworfenen Anlagerichtlinie sei nicht „von einer irgendwie gearteten Traumrendite die Rede“. In ihr werde als Ziel eine Rendite von zwei Prozent über der deutschen Inflationsrate genannt. Dies habe auch zum Zeitpunkt der umstrittenen US-Immobiliendarlehen gegolten, derentwegen gegen den früheren Kirchenmitarbeiter ermittelt wird.

Darüber hinaus sei „ausdrücklich das Gebot der Risikominimierung und Vermögenserhaltung“ festgeschrieben worden, so die Anwälte. Mit den Vorhaltungen gegen den Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke solle dieser geschädigt und „von eigenem Fehlverhalten“ abgelenkt werden, heißt es in der Mitteilung der Münchner Kanzlei. Sie hält außerdem fest, dass der Bischof ab 2011, also Jahre vor Abschluss der überwiegend ungesicherten Darlehen von rund 60 Millionen Dollar, nicht mehr Mitglied des Vermögensverwaltungsrats gewesen sei. 

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Das Bistum Eichstätt hatte den Finanzskandal im Februar selbst öffentlich gemacht. Seit Sommer 2017 ermittelt die Staatsanwaltschaft München II gegen den ehemaligen Mitarbeiter und einen in den USA tätigen Geschäftspartner wegen Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit. Für Bischof Hanke ist der Finanzskandal „beschämend und erschütternd“. Wie er selbst erklärt, habe er sich nach der Entdeckung des Skandals die Frage gestellt, ob er zurücktreten solle. „Aber wer soll dann die Aufklärung vorantreiben?“, fragte er sich. Diese gehe mit schmerzhaften Veränderungen einher. Er will die Sache auf alle Fälle durchstehen.

kna/cm

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