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Thomas Pfister, Sonder-Ermittler im Kloster Ettal.

Schüler mussten lebende Molche essen

Ettal - Im Missbrauchsskandal am oberbayerischen Kloster Ettal hat sich der eingesetzte Sonderermittler Thomas Pfister geschockt über die Schilderungen ehemaliger Schüler geäußert. Das Interview.

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Ettal: Patres wenden sich den Opfern zu

Thomas Pfister hat seinen Sonderbericht zu den Missbrauchsfällen im Kloster Ettal zu Ende geschrieben. Pfister war am 25. Februar im Auftrag des Erzbistums München und Freising ins oberbayerische Kloster gefahren, um die Einzelheiten der Taten aufzuklären. Wir sprachen mit dem Rechtsanwalt über die schockierenden Ergebnisse.

Herr Pfister, was sind die Ergebnisse Ihrer Ermittlungen in Zahlen?

Thomas Pfister: Im Kloster Ettal haben etwa 15 Patres über 100 ihrer Schüler systematisch gequält und sexuell missbraucht. Ich habe mit Patres und Ex-Schülern gesprochen und im Laufe der Untersuchungen 75 schriftliche Anklagen ehemaliger Internatskinder ausgewertet. Mit zweien der Opfer war ich erst kürzlich bei der bayerischen Justizministerin Beate Merk – darunter ein Opfer, das lebende Molche essen musste!

Was waren für Sie die schockierendsten Schilderungen?

Pfister: Die Molche gehören dazu, außerdem Schläge auf das Trommelfell. Ich finde es entsetzlich, in welcher Masse und Systematik über Jahrzehnte hinweg Kinder und Jugendliche misshandelt wurden – teilweise Zehn- bis Zwölfjährige. Das ist empörend und habe ich noch nie erlebt. Man muss allerdings auch deutlich sagen: Seit den 90er-Jahren sind solche Fälle die große Ausnahme. Zu Beginn der 90er wurde das systematische Gewaltregime beendet.

Wie gehen heutige Ettaler Schüler mit den Missbrauchsvorfällen an den vorhergehenden Generationen um?

Pfister: Viele Alt-Ettaler sind extrem verbittert, wie viel ihnen geraubt wurde. Und viele junge Ettaler nennen die einstigen Opfer Nestbeschmutzer. Sie sagen, dass es früher gar nicht so schlimm gewesen sei, dass halt früher alles anders war. Das ist eine Art Gegenreformation. Wenn die meine Fälle lesen würden, müsste ihnen die Schamesröte ins Gesicht steigen!

Sie klagen sogar den ehemaligen Abt E. an, der von 1973 bis 2005 dem Kloster Ettal vorstand …

Pfister: Ja. Ich kann keine Einzelheiten nennen, aber dass der heute 74-Jährige Kinder misshandelt hat, ist richtig. Er galt als unbeherrschter Schläger und hat die Köpfe seiner Schüler immer wieder auf das Pult geschlagen.

Glauben Sie, dass es Menschen im Kloster Ettal gab, die nichts von den Fällen wussten?

Pfister: Nein. In den 70ern und 80ern gab es übrigens Anfragen aus dem Klinikum in der Münchner Nußbaumstraße, warum es so viele Selbstmordversuche in Ettal gäbe. Mehrere wurden in die Tat umgesetzt.

Kennen Sie alle Namen?

Pfister: Im Untersuchungsbericht sind sie natürlich anonym, aber ja: Ich kenne alle Namen der Missbrauchsopfer. Ich habe die letzten sechs Wochen kaum geschlafen, weil die Arbeit zu zeitintensiv war.

Matthias Bieber

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