EU-Kommission

Verbot von Bier im Steinkrug war nie Thema

München/Berlin - Das Verbot des Bierausschanks im traditionellen Steinkrug - auch Keferloher genannt - durch die EU war nach Aussage der EU-Kommission nie ein Thema.

„Es gibt kein EU-Verbot“, sagte am Montag der Sprecher der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland, Reinhard Hönighaus. Am Wochenende hatte das Magazin „Focus“ berichtet, Bayern habe sich erfolgreich gegen ein EU-Verbot gewehrt.

Hönighaus stellte klar, dass die EU-Richtlinie für Messgeräte nur auf Trinkgläser, nicht jedoch auf Krüge aus Stein zutreffe. Es geht bei der zehn Jahre alten Regelung um Eichstriche auf den Gläsern. Sie erlauben die Kontrolle, ob die bestellte Menge in Gaststätten auch tatsächlich eingeschenkt wurde. „Die Richtlinie ist nicht darauf ausgelegt, auf Steinkrüge für Bier Anwendung zu finden, da sich diese selbst bei Anbringung eines Eichstrichs aufgrund des nicht durchsichtigen Materials nicht als Messgeräte für den Ausschank von schäumendem Bier eignen“, heißt es im Amtsdeutsch in einer Erklärung der EU-Kommissionsvertretung.

Allenfalls könnten EU-Mitgliedsstaaten Steinkrüge verbieten, erläuterte Hönighaus. „Dies hat aber nichts mit EU-Auflagen zu tun.“ Von derartigen Länder-Aktivitäten sei ihm auch nichts bekannt. Das Fazit von Hönighaus: „Die Europäische Kommission hatte nie das Ziel, Bierkrüge aus Steingut zu verbieten.“

Dennoch schien der Bayerische Brauerbund am Montag noch nicht auf dem aktuellen Stand zu ein. Er verschickte eine Mitteilung, wonach er seit Monaten um den Erhalt des Keferlohers kämpfe. „Nun scheint ein Erfolg möglich“, kündigen die Brauer selbstbewusst an. Und zwar laufe es auf eine Regelung hinaus, dass Biertrinker in Gaststätten durch Aushang darauf hingewiesen werden, die Füllmenge „mittels eines sogenannten Umfüllmaßes, also z.B. eines Glaskruges“ überprüfen zu lassen. Dies „mag auf den ersten Blick etwas umständlich erscheinen“, ließ Brauerbund-Chef Lothar Ebbertz wissen, stelle aber sicher, dass dem Verbraucherschutz Rechnung getragen wird.

Im „Focus“ hatte Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) am Wochenende noch geschäumt, das EU-Verbot für den Keferloher sei ein weiterer Beweis für die grenzenlose Regelungswut der Brüsseler Bürokraten: „Es gibt in Europa wahrlich dringendere Probleme.“

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Symbolbild

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Razzia bei Security von Erstaufnahme-Einrichtung
Gegen die Security der Erstaufnahme für Asylbewerber in Donauwörth wird ermittelt. Die Polizei Dillingen hat am Mittwoch eine Razzia durchgeführt.
Razzia bei Security von Erstaufnahme-Einrichtung
Mercedes brennt auf der A93 aus - Autobahn Richtung München komplett gesperrt
Hohe Rauchschwaden auf der Autobahn: Ein Wagen brannte am Mittwoch auf der A93 lichterloh. 
Mercedes brennt auf der A93 aus - Autobahn Richtung München komplett gesperrt
Hakenkreuze und fremdenfeindliche Sprüche: Jugendliche gestehen Graffitis
Jugendliche sprühen Hakenkreuze und ausländer- und judenfeindliche Sprüche quer durch Kürnach - Täter offenbar geständig.
Hakenkreuze und fremdenfeindliche Sprüche: Jugendliche gestehen Graffitis
Vater tot, Sohn schwer verletzt: Sie sind wohl Opfer eines illegalen Autorennens
Ein Vater stirbt vor Augen seines Sohnes (10) bei einem Horror-Unfall in Achslach. Der Zehnjährige liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Jetzt hat die Polizei einen …
Vater tot, Sohn schwer verletzt: Sie sind wohl Opfer eines illegalen Autorennens

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.