+
Wiesn-Wirt Wiggerl Hagn (l.) und Dietmar Holzapfel, Chef der „Deutschen Eiche“ in München.

Richtlinie sorgt für Ärger

EU will Gratis-Getränk im Wirtshaus durchsetzen - Bayerische Wirte sind sauer

  • schließen
  • Klaus Rimpel
    Klaus Rimpel
    schließen

Die EU-Kommission hat eine Richtlinie auf den Weg gebracht, wonach Gaststätten verpflichtet werden sollen, zur Bestellung kostenlos Leitungswasser anzubieten. Den Wirten schmeckt das gar nicht.

München - Bei der Trinkwasser-Richtlinie, die die EU-Kommission auf den Weg gebracht hat, geht es in erster Linie um Hygiene und Zugang aller Europäer zu sauberem Wasser. Doch ein Paragraf der bringt Bayerns Wirte auf die Palme. Restaurants und Kantinen sollen verpflichtet werden, zur Bestellung kostenlos Leitungswasser anzubieten! „Das sollte in der unternehmerischen Entscheidung des Wirtes bleiben“, sagt Frank-Ulrich John, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands in Bayern. Im Extremfall hieße dies, dass ein Gast es sich in der Wirtschaft gemütlich macht – bei einem kostenlosen Glas Wasser. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag verweist in seiner ablehnenden Stellungnahme auf die Kosten für Service oder Reinigung der Gläser.

Brüssel glaubt, dass das Gratis-Wasser auch gegen die Plastikflut helfen würde. Die Hoffnung: Wer in Restaurants und Kantinen Leitungswasser kostenlos bekommt, bestellt sich keines in Plastikflaschen mehr dazu. Das heißt aber für die Wirte: Weniger Einnahmen. Wiggerl Hagn, Wiesn-Wirt des Löwenbräuzelts, hält deshalb von den EU-Plänen „gar nix“. „Bei uns in der Hirschau gibt es stilles Mineralwasser aus Glasflaschen – und zum Espresso bieten wir jetzt schon ein Glas Wasser an. Aber das gesetzlich vorzuschreiben, halte ich für einen Unsinn. Das ist meine Sache, meine Verantwortung“, so Hagn.

„Bei uns trinkt ma halt a Bier, koa Wasser!“

Dass es in Frankreich üblich ist, eine Karaffe Leitungswasser im Restaurant kostenlos auf den Tisch zu stellen, liege halt an der dortigen Tradition. „Bei uns trinkt ma halt a Bier, koa Wasser!“, so der Münchner Wirt.

Dietmar Holzapfel vom Hotel „Deutsche Eiche“ in München sieht die Diskussion gelassen. Leitungswasser werde sehr selten verlangt, wenn der Gast noch etwas andres bestelle, gebe es das gratis. Über andere Forderungen von Gästen kann er nur den Kopf schütteln. Neulich, erzählt Holzapfel, wollte eine Frau im Restaurant ein Glas heißes Leitungswasser – umsonst. Das wurde serviert. Doch als dann rauskam, dass die Kundin ihren Teebeutel selbst mitgebracht hatte, wurde es dem Wirt zu bunt: „Das geht nicht!“

Nächste Woche wird sich der Umweltausschuss des EU-Parlaments mit der EU-Verordung beschäftigen. In Kraft treten wird sie wohl erst nach der Europawahl im Mai 2019.

Mehr zum Thema

Video: So kommt die EU-Richtlinie in Österreich an

Auch interessant

EU läutet Ende der Halogenlampe ein

Lesen Sie auch: Trinkwasser belastet, Blutwerte erhöht, aber kein Gesundheitsrisiko? SPD kritisiert Verharmlosung

Meistgelesene Artikel

Eurojackpot: Bayer gewinnt 7,5 Millionen Euro - und hat immer noch nicht genug
Unglaubliche 7,5 Millionen Euro hat ein Bayer beim Eurojackpot am Freitag gewonnen. Sich zurücklehnen und Geld ausgeben will der Mann aber erstmal nicht. Er hat schon …
Eurojackpot: Bayer gewinnt 7,5 Millionen Euro - und hat immer noch nicht genug
Attacke auf ICE nach München: War es ein „einsamer Wolf“?
Unbekannte haben auf der Strecke zwischen Nürnberg und München ein Stahlseil über die Gleise gespannt. War es ein Terroranschlag? Am Tatort wurde ein Drohschreiben …
Attacke auf ICE nach München: War es ein „einsamer Wolf“?
Berg im Allgäu bricht auseinander: Gigantischer Felssturz droht - Spektakuläres Video
Ein gigantischer Felssturz droht im Allgäu: Am Hochvogel hat sich ein Spalt im Gestein gefährlich geweitet. Forscher warnen vor den Gefahren - und überwachen das …
Berg im Allgäu bricht auseinander: Gigantischer Felssturz droht - Spektakuläres Video
Er war einer von Seehofers „69 Afghanen“: Der zähe Kampf um Marofs Rückkehr
Marof Khail saß in dem Abschiebeflugzeug, das am 4. Juli von München nach Kabul startete. Trotz Härtefallantrag und Arbeitsstelle. Er war einer von Seehofers „69 …
Er war einer von Seehofers „69 Afghanen“: Der zähe Kampf um Marofs Rückkehr

Kommentare