Mathilde (r.) geht in der Mittelschule. Neben ihr ihre Mutter sowie ihre Schwester Eva.

100 Euro für ein Mittelschulkind

München – Gibt es Eltern, die ihre Kinder freiwillig für die Mittelschule anmelden, obwohl ihr Notendurchschnitt für Realschule oder Gymnasium ausreichen würde? Das wollte der Bayerische Elternverband im Sommer dieses Jahres wissen.

Der kleine Verband lobte sogar ein Preisgeld in Höhe von 100 Euro aus. Und siehe da: Nach einigen Monaten des Wartens hat er das Geld jetzt ausgezahlt. Gewinner ist Familie Fischer aus Marktl (Kreis Altötting). Ihre Tochter besucht die Mittelschule in Burghausen, obwohl die Noten für die Realschule gereicht hätten. Begründung der Familie: Mit einem guten M-Abschluss gebe es „größere Chancen im Berufsleben als mit einem mittelmäßigen Realschulabschluss“.

Insgesamt hätten sich 16 Familien gemeldet, berichtet der Elternverband. Allerdings dürfte diese Zahl stark untertrieben sein. Als der Aufruf des Elternverbands in unserer Zeitung erschien, riefen allein unsere Redaktion rund 30 Eltern an. Unter ihnen war auch Rosemarie Hartinger aus Gaden (Kreis Erding), deren Tochter Mathilde heute die 6. Klasse der Mittelschule Oberding besucht. Ihr Notenschnitt in den drei Fächern Mathematik, Deutsch sowie Heimat- und Sachunterricht (HSU) betrug 1,66 – das hätte locker auch für den Besuch des Gymnasiums gereicht. Mutter Rosemarie ist nach wie vor der Überzeugung, dass die Entscheidung die Richtige ist. Übertrittsdruck, Lernstress, Notenhysterie – die Stichworte der gegenwärtigen Bildungsdiskussion – wollte sie ihrer Tochter ersparen. Heutzutage müsse doch jeder „mindestens auf die Realschule“, egal mit welchem Abschluss. Dagegen wehre sie sich. So hat sie es auch dem Elternverband geschrieben – einem Verband, der die Mittelschule mehr als skeptisch beäugt. Maria Lampl, Landesvorsitzende des Elternverbands, stuft die Resonanz auf ihren Aufruf gering ein: „Der große Run auf die Mittelschule ist das nicht.“ Flugs folgert sie, die Mittelschule sei mitnichten beliebter als früher die Hauptschule. Allerdings: Die Anmeldezahlen, die das Kultusministerium veröffentlicht hat, zeigen auf, dass der steile Abwärtstrend für diese Schulart zumindest gebremst wurde. Rosemarie Hartinger sieht es so: Die Mittelschule „wurde nun mal eingeführt“, jetzt sollte man sich auch um sie kümmern.

dw

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