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Mit einem solchen Rettungsboot am Hakenn bringt ein Einsatzfahrzeug der Wasserwacht schnell mehr als sechs Tonnen auf die Waage. Mit dem neuen Führerschein Klasse 3 kann ein solches Gespann nicht mehr gefahren werden, beklagen Wasserwacht-Chefin Gerlspeck und der Erdinger Siegfried Ippisch.

Streit um Führerscheinrecht

Europa bootet Wasserwacht aus

München - 500 Gespannen der bayerischen Wasserwacht droht das Aus. Für die schweren Fahrzeuge mit Bootsanhänger ist ein eigener Führerschein erforderlich. Landeschefin Ulrike Scharf fordert finanzielle Hilfe oder eine Sonderregelung.

Bei der Feuerwehr ist die Kuh nach jahrelangem Tauziehen um Ausnahmen von der EU-Führerscheinregelung vom Eis. Für deren Einsatzkräfte gibt es den Feuerwehr-Führerschein, mit dem sich die meisten Lösch- und Rüstwagen chauffieren lassen. Bei der Wasserwacht gibt es ein ähnliches Problem, das sich mit dieser Lizenz aber nicht lösen lässt. Bayerns Wasserwacht-Chefin Ulrike Scharf aus Erding betätigt die Alarmglocke: „Wenn es dumm läuft, können in Bayern 500 Gespanne im Ernstfall, also bei Hochwasser und der Rettung Ertrinkender, nicht ausrücken, weil jüngere Mitglieder die schweren Fahrzeuge samt Hänger nicht lenken dürfen.“

Mit dem alten 3er-Führerschein war das kein Problem. Der erlaubt das Führen von Fahrzeugen und Zügen bis zu 7,5 Tonnen. Andreas Dietz aus Passau, Technischer Leiter der Wasserwacht, berichtet, dass mit dem neuen Führerschein der Klasse B maximal 3,5 Tonnen beziehungsweise Anhänger bis zu einem Gesamtgewicht von 750 Kilogramm bewegt werden dürfen. „Diese Grenze überschreiten die meisten unserer Fahrzeuge“, so Dietz. Oft hätten schon die Zugmaschinen ein Gewicht von über 2,5 Tonnen. „Und die Anhänger sind auch meist deutlich schwerer. Hoch aufgerüstete Rettungsboote würden schnell 1300 Kilogramm auf die Waage bringen. „Unsere Fahrer bräuchten also die Lizenz BE, die kostet aber bis zu 1000 Euro“, rechnet Dietz vor. Diesen Betrag müssen die Ehrenamtlichen selbst aufbringen. „Das ist schwer vermittelbar“, sagt der Passauer, „unsere Mitglieder sehen nicht ein, ihr Leben aufs Spiel zu setzen und dann auch noch den Führerschein selbst bezahlen zu müssen, den sie privat oder beruflich meist nicht brauchen.“

Die Wasserwacht Erding zum Beispiel hat voriges Jahr ein neues Einsatzfahrzeug bekommen, das mit Boot 6,3 Tonnen auf die Waage bringt. Ein zweiter Zug wiegt fünf Tonnen. Ortsvorsitzender Siegfried Ippisch bestätigt das Problem: „Allein bei uns sind es elf Mitglieder, die den neuen Schein machen müssten.“ Landeschefin Scharf aus Erding drängt auf eine rasche Lösung und das Entgegenkommen der öffentlichen Hand. Die Wasserwacht finanziere bereits heute pro Jahr elf Millionen Euro aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. „Wir bekommen aber nur rund 100 000 Euro von den Krankenkassen und 1,4 Millionen Euro vom Innenministerium für die Gerätschaften erstattet“, rechnet sie vor.

Derzeit hängen fast 2500 Führerscheinneulinge – die Wasserwacht zählt über 54 000 Aktive – in der Warteschleife. „Wir reden über einen Betrag von 2,3 Millionen Euro“, sagt Scharf. Sie ist überzeugt: Passiert jetzt nichts, ist die Einsatzfähigkeit mancherorts gefährdet. „Schon jetzt ist die Dienstplangestaltung schwierig. Denn für eine 24-Stunden-Besetzung ist einschließlich der Ausfälle wegen Krankheit und Urlaub eine Fünfachvorhaltung der Retter erforderlich.“

Bei Bayerns Innenminister und Parteifreund Joachim Herrmann ist die Landesvorsitzende schon vorstellig geworden. Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer liegt ein Brandbrief mit rotem Kreuz vor. Technischer Leiter Dietz schlägt angesichts leerer öffentlicher Kassen eine Alternative vor: „Die Einsatzfähigkeit bleibt gewährleistet, wenn der B-Schein reicht und die Wasserwacht die Zusatzausbildung für ihre Fahrer selbst übernehmen darf.“

Hans Moritz

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