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Links: Der Zürgelbaum ist in Südeuropa ein häufiger Straßenbaum und ist extrem zäh. Mitte: Der Amberbaum erinnert an einen Ahorn, ist aber sehr frostbeständig. Rechts: Der Eisenholzbaum ist sehr anpassungsfähig. Er stammt aus feuchtwarmen Laubwäldern.

Sie müssen dem Klimawandel gewachsen sein

Exotische Bäume erobern Bayerns Städte

Veitshöchheim – Abgase, heißere Sommer, feuchtere Winter – Bäume in Bayerns Städten müssen einiges aushalten. Das schaffen Kastanien, Linden und Ahorne nicht mehr so gut. Darum suchen Experten nach Arten, die dem Klimawandel gewachsen sind. Und sie sind fündig geworden.

An einigen Straßen in Kempten werden bald die Magnolienbäume blühen. Der Anblick ist schön und ungewöhnlich – zumindest für eine Stadt in Bayern. Normalerweise dominieren im Freistaat nämlich heimische Bäume: Ahorn, Linde, Kastanie und was es noch so gibt. Aber hier im Allgäu versucht man es seit Kurzem auch mit exotischen Bäumen.

Der Grund ist einfach: Viele heimische Baumarten kommen mit den harten Bedingungen in der Stadt, die durch den Klimawandel noch härter werden, nur schlecht zurecht: immer heißere Sommer, nassere Winter, dazu jede Menge Abgase. „Das sind extreme Bedingungen, die die Bäume verkraften müssen“, sagt Uwe Gail. Er kümmert sich berufsmäßig um die Kemptener Bäume und weiß, dass Rindenschäden und Baumbrände in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Die Gefahr durch Schädlinge kommt dazu. Es wird nicht besser.

Kempten sucht also nach Baum-Alternativen. Dazu hat sich die Stadt, neben Würzburg und Hof, dem Projekt „Stadtgrün 2021“ angeschlossen, einer Langzeitstudie der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Ziel ist es, klimafeste Stadtbäume zu finden. 20 exotische Arten stehen zur Auswahl, knapp 500 Bäume wurden schon gepflanzt und jedes halbe Jahr überprüft – allein 80 Exoten stehen in Kempten.

Und die Anstrengungen haben sich gelohnt; gestern stellten die Experten des LWG in Veitshöchheim die ersten Erkenntnisse vor: Künftig könnten Zürgel-, Amber- und Eisenholzbäume vermehrt in bayerischen Städten zu sehen sein. „Wir hatten das Glück, dass wir mehrere kalte Winter hatten. Deshalb können wir im sechsten Standjahr viel zur Frostresistenz unserer Arten sagen“, sagte Projektleiterin Susanne Böll.

Sehr vielversprechend sei der Amberbaum, der wie ein Ahorn aussieht und sich an allen drei bayerischen Testorten gut bewährt habe. Nur mit einem frühen Wintereinbruch komme er nicht gut zurecht, „weil er erst spät seine Blätter abwirft und deshalb unter der schweren Schneelast auseinanderbricht“. Der Zürgelbaum könne ein möglicher Ersatz für kränkelnde Platanen sein und der Eisenholzbaum sei ein „völlig problemloser, kleiner Straßenbaum“.

Die ersten sechs Testjahre zeigten laut Böll aber auch: „Wir werden nie diesen Allrounder haben, den sich alle wünschen.“ Während eine Art zum Beispiel wunderbar mit Frost zurecht komme, vertrage eine andere Art deutlich mehr Hitze oder Nässe. „Wir werden für die Regionen ganz unterschiedliche Stadtbäume empfehlen.“

Indirekt nehmen auch kleinere Städte an dem Projekt teil. Dachau zum Beispiel experimentiert seit Jahren mit neuen Baumarten und stellt seine Daten dem LWG zur Verfügung. Die drei großen Teststädte hat sich die Landesanstalt aber bewusst wegen der unterschiedlichen klimatischen Bedingungen ausgesucht: das kühle Hof, das warme und meist trockene Würzburg und eben das feuchte Kempten.

Hier glauben sie an das Projekt. Eine große Baumvielfalt, sagt Gail, sei grundsätzlich gut – und im Speziellen dann, wenn es um Schädlingsabwehr geht. Ein Pilz oder ein Käfer trifft eben nicht jeden Baum gleich hart. Bisher haben sie in Kempten zehn neue Baumarten getestet – im Frühjahr, wenn Testphase zwei beginnt, kommen die zehn übrigen hinzu. Dann muss man sehen, welcher Exot wohin passt. Gail sagt: „Jeder Baum, der sich bewährt, kriegt bei uns eine Greencard.“

Von Marcus Mäckler und Christiane Gläser

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