Vier Wochen ohne

Experiment: Bessere Noten nach Handy-Verzicht

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Viechtach - Vier Wochen lang verzichtete eine Schulklasse in Niederbayern aufs Handy. Am Freitag wurde das Projekt planmäßig beendet. Und siehe da: Die Noten der Achtklässler haben sich tatsächlich verbessert.

„Leider nicht mehr erreichbar“ – so hieß es auf den extra gedruckten T-Shirts der Klasse 8b im Dominicus-von-Limprun-Gymnasium Viechtach. Vier Wochen lagerten alle Handys und Smartphones der 29 Schüler im Schulsafe; zu Hause im Kinderzimmer waren die Bildschirme von PCs und selbst Fernsehern abgeklebt, die Kabel bei den Eltern in Verwahrung gegeben. Sicher ist sicher. Jegliche elektronische Kommunikation war den Schüler untersagt – die Klasse 8b war kommunikationstechnisch gesehen zurück in der Steinzeit.

Am Freitag, 8 Uhr, war es soweit: Jeder Schüler bekam eine Urkunde über seine Teilnahme am Handy-Projekt. Und noch wichtiger: Mathematik-Lehrerin Hannelore Goertzen händigte die Handys wieder aus.

Ihre Bilanz fällt in fast jeder Hinsicht positiv aus. Die Klasse hat das Projekt ohne Murren vier Wochen lang durchgestanden. Komisch muss das für manchen Schüler schon gewesen sein. Jedenfalls berichtet Schulleiter Martin Friedl über nervöse Zuckungen mancher Achtklässler – die anfangs reflexartig in ihre Hosentasche gegriffen hätten. Aber des Schülers liebstes Spielzeug war ja weggesperrt.

Freilich: Niemand verlangte sein Handy zurück – und sogar die Eltern zogen brav mit. „Viele verzichteten selbst aufs Fernsehen“, berichtet Schulleiter Harald Friedl über positive Rückmeldungen. Stattdessen wurden alte Spiele wiederentdeckt, Familien unternahmen plötzlich wieder Ausflüge, statt vor der Glotze zu hängen, eine Tochter kürte sogar Kuchenbacken zu ihrem neuen Hobby.

Noch wichtiger als dieser kulinarische Nebeneffekt des Handy-Projekts war der pädagogische: Die Noten haben sich verbessert. Bei einem Jahrgangsstufentest in Mathe zu Anfang des Schuljahres hatte die 8b im Vergleich zu den anderen beiden achten Klassen schlecht abgeschnitten. Bei der 3. Schulaufgabe, die nun in die Zeit des Handyprojekts fiel, war das anders: „Die Schüler der 8b waren mit Abstand die besten“, sagt der Schulleiter. Von 29 Schülern hatten sich 23 verbessert, nur zwei verschlechtert. Durch Randbemerkungen in den Tagebüchern, die die Schüler während des Handy-Projekts führten, erfuhr Goertzen weitere Details. „Noten werden besser“, notierte eine Schülerin. Auch Eltern berichteten, dass ihre Schüler nun mehr Zeit für die Hausaufgaben verwendeten. „Die Arbeitseinstellung insgesamt ist besser geworden“, findet Schulleiter Friedl. Das liege ganz klar daran, dass die Schüler durch die ständige Handy-Guckerei nicht mehr abgelenkt seien. Manche hätten, als sie ihr Handy am Freitag wieder anschalteten, ein wahres Whatsapp-Feuerwerk erlebt. Bis zu 1000 Kurz-Nachrichten hätten sich während der vergangenen vier Wochen angestaut. „Das meiste ist völlig belanglos“, ärgert sich der Schulleiter, der jetzt auf Besserung hofft: Es müsse wirklich nicht sein, dass ein Schüler, wie es offenbar vorkomme, vier Stunden täglich mit Whatsapp verbringe. Gerne würden Goertzen und Friedl das Experiment wiederholen – diesmal mit wissenschaftlicher Begleitung.

Wahrscheinlich sollten sie dann auf eine Fußball-freie Zeit achten. Denn bei den Bayern-Spielen stand das Handy-Projekt auf der Kippe. Das spannende Pokalspiel gegen Dortmund „haben einige heimlich geschaut“, berichtet Goetzen. Aber sie beichteten das ihrer Lehrerin. Für die Champions-League-Spiele regte die Pädagogin daher ein Public-Viewing an, das Rückspiel diese Woche in München wurde am Radio verfolgt. Radiohören – für viele Schüler war das wahrscheinlich mal ganz was Neues ...

Dirk Walter

Rubriklistenbild: © dpa

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