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Das Flugzeug-Wrack wird von der Polizei und von Unfall-Spezialisten untersucht. Der Doppeldecker war am Sonntag auf dem Segelflugplatz Lauf-Lillinghof abgestürzt.

Experten suchen Absturz-Ursache

Lillinghof/Nürnberg - Schock und Trauer in Lillinghof: Einen Tag nach dem tödlichen Unfall bei einer Flugshow nahe Nürnberg suchen Experten jetzt nach der Ursache des Absturzes. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Tötung.

Der Pilot schweigt. Zumindest bis jetzt. Der Flieger aus dem hessischen Gelnhausen gilt als erfahren, flog den am Sonntag abgestürzten Doppeldecker bereits seit Jahren. „Bislang hat er die Aussage verweigert“, berichtet Elke Schönwald vom Polizeipräsidium Mittelfranken. Das ist sein Recht - denn die Polizei ermittelt gegen ihn. Fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung lauten die Vorwürfe. 38 Menschen wurden am Sonntagnachmittag auf dem Segelflugplatz Lillinghof verletzt, eine 46-jährige Frau getötet.

Während Schock und Trauer unter den Besuchern der Flugshow andauern, suchen Experten nach der Ursache für den Absturz. Drei Fachleute der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung nehmen das Wrack des Kleinflugzeuges unter die Lupe. „Wir schauen uns alle Spuren an, überprüfen Fotos, sammeln Zeugenaussagen“, erklärt Andreas Wilke seine Arbeit. Und die könne Wochen, sogar Monate dauern. „Bis jetzt kann ich nicht sagen, wie es abgelaufen ist. Die Unfall-Ursache ist mit Sicherheit vielschichtig.“ Die Maschine - ein Oldtimer vom Typ Tiger Moth - werde jetzt sichergestellt und abtransportiert.

Die Bundesstelle sucht aber nicht nur nach technischen Defekten. Auch das Pilotenverhalten, der Ablauf der Veranstaltung und die behördlichen Genehmigungen stehen auf dem Prüfstand. Das alles dauert seine Zeit.

Laut Polizeiangaben wird nicht gegen den Veranstalter - den Segelclub Lauf - ermittelt. Dazu gebe es bislang keinen Grund, bestätigt Polizei-Sprecherin Elke Schönwald. Das Flugzeug stürzte zwar sofort nach dem Start in die Zuschauermenge - gegen die geltenden Sicherheitsbestimmungen wurde offenbar aber nicht verstoßen. Drei Mitarbeiter des Luftamts Nordbayern haben den Flugplatz überprüft, betont Ruth Kronau-Neef von der Regierung von Mittelfranken. Vor Beginn der Veranstaltung hätten sie den Abstand von der Startbahn bis zu den Zuschauern gemessen. Er „entsprach mit über 50 Metern dem Genehmigungsbescheid und den vorgegebenen Richtlinien“, so Kronau-Neef. Die Behörde gab grünes Licht. Der Doppeldecker hob ab, brach nach rechts aus und raste in die Menge.

Wie kann es sein, dass ein Zuschauer trotz Sicherheitsabstand sterben musste? „Das Problem ist immer das gleiche“, erklärt Unfalluntersucher Wilke. „Man will alles so sicher wie möglich machen. Doch gleichzeitig will der Veranstalter eine spannende Show liefern.“ Irgendwo müssten die Zuschauer eben stehen. Wie weit weg das mindestens sein muss, regelt das Luftverkehrsgesetz. Und laut Gesetz waren die rund 3500 Besucher am Sonntag weit genug weg. Auch die 46-jährige Frau aus Lauf, die von dem Propeller des Doppeldeckers getötet wurde.

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat unterdessen ein allgemeines Verbot von Flugshows ausgeschlossen. Ein solches Unglück, so Herrmann, könne auch während des normalen Flugbetriebs passieren.

Der Pilot stand gestern noch immer „unter Schock“, sagt Polizei-Sprecherin Schönwald. Sicher ist bislang nur: Alkohol spielte bei dem Absturz keine Rolle. Der Test ergab einen Wert von 0,0 Promille. Alles andere muss die Untersuchung klären.

Thomas Schmidt

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