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Im Schießstand: Studien weisen hohe Bleiwerte im Blut von Sportschützen nach.

Sportschützen

Experten warnen vor Bleistaub: Atemmasken im Schießstand?

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München – Schießen gehört zu den beliebtesten Sportarten in Bayern. Studien zeigen aber, dass die verwendete Bleimunition der Gesundheit schaden kann. Forscher warnen – der Bayerische Sportschützenbund hält die Untersuchungen derweil für unseriös.

Wer die Bedeutung des Schießsports im Freistaat erfassen will, muss bloß auf die Zahlen schauen. Der Bayerische Sportschützenbund (BSSB) hat 464 500 Mitglieder; hinzu kommen 30 300 im Oberpfälzer Schützenbund und nochmal 60 000, die in kleineren Verbänden organisiert sind. Das sind mehr als eine halbe Million Menschen, sie alle haben Blei im Blut. Sprichtwörtlich – oder?

Drei Studien der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigen, dass die Bleikonzentration im Blut von Sportschützen teils deutlich erhöht ist. Die Untersuchungen stammen aus den Jahren 2007, 2009 und 2016, alle kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Danach liegen die Messwerte von Klein- und Großkaliber-Schützen besonders hoch. In der jüngsten Untersuchung lag der höchste bei 555 Mikrogramm pro Liter – als unbedenklich gilt alles unter 100 Mikrogramm.

Blutarmut und Bluthochdruck als Folgen

„Über einem Wert von 250 sind akute Gesundheitsschäden möglich“, sagt Dr. Rudolf Schierl vom Institut für Arbeits- und Umweltmedizin der LMU in München. Er hat die Doktorarbeiten betreut. Blei kann laut Schierl unter anderem Blutarmut und Bluthochdruck mit all seinen Folgeerkrankungen verursachen. „Wir wollen niemandem das Schießen verbieten“, sagt er. „Wir wollen aufklären.“

Verursacher der hohen Blutmesswerte ist den Untersuchungen zufolge die Munition. Sowohl bei Klein- und Großkaliberwaffen als auch bei Druckluftwaffen ist sie, zumindest in Teilen, bleihaltig. Dabei ist nicht die Berührung der Munition das Problem, sondern das Schießen selbst. Schierl sagt, vor allem durch den Abrieb der Kugeln gelange Bleipulver in die Luft, das der Schütze einatme. „So zwischen 60 und 80 Prozent davon gelangen ins Blut.“ Die Messungen ergaben außerdem, dass sich der Blei-Wert im Blut der Schützen binnen einer Stunde fast vervierfachte, bei Zuschauern im selben Raum verdoppelte er sich.

Die beiden ersten Untersuchungen wurden, wie zunächst auch die gerade veröffentlichte, vom Bayerischen Sportschützenbund (BSSB) begleitet. Der ist von den Ergebnissen wenig begeistert. Geschäftsführer Alexander Heidel sagte mit Blick auf die jüngste Studie, sie könne einen Zusammenhang zwischen Schießsport und Bleibelastung nicht herstellen. Zudem sei sie unseriös. „Man weiß zum Beispiel nicht, in welchem Schießstand geschossen wurde“, sagt er. Das sei aber von großer Bedeutung – in einer Halle ohne moderne Belüftungsanlage müssten die Werte schließlich höher ausfallen. Der LMU-Forscher Schierl sieht das anders. „Die Fakten zeigen, dass die Anlagen nicht effektiv sind.“

Schießen mit Luftdruckgewehren laut Experten weniger problematisch

Die Studien zeigen auch, dass die Belastung je nach Umgebung und Disziplin sehr unterschiedlich sind. Wer im Außenbereich schießt, hat niedrigere Werte als Schützen in einem geschlossenen Stand. Außerdem macht das Schießen mit Luftdruckgewehren, die gerne von jungen Schützen genutzt werden, laut Schierl „nur wenig Probleme“. Die Werte der 50 jugendlichen Probanden seien nur leicht erhöht gewesen.

Herunterspielen sollte man die Sache deshalb nicht, mahnt Schierl. Für Schwangere zum Beispiel seien schon eine niedrige Blei-Konzentration im Blut gefährlich. „Neue Studien aus den USA zeigen, dass sich das Schwermetall auf den Intelligenzquotienten der Babys auswirken kann.“

Schierl rät dazu, in Schießständen Atemmasken zu tragen. „Die halten bis zu 90 Prozent des Bleistaubs fern“, sagt er. Der Schützenbund sieht derweil keinen Grund zum Handeln. Die Vorschriften, etwa für die Lüftungsanlagen oder die Reinigung der Schießstände, seien sehr streng. Wer die Richtlinien beachte, brauche sich nicht zu sorgen.

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