Ein stattlicher Brummer: Das STLF 10/6 wiegt 7,5 Tonnen und fällt damit unter den Führerschein-Erlass.

Feuerwehr: Extra-Führerschein für Einsatzkräfte

Nach dem kleinen jetzt der große Feuerwehr-Führerschein: Auf Initiative Bayerns können Einsatzkräfte mit ihrem normalen Auto-Führerschein künftig Löschfahrzeuge bis 7,5 Tonnen fahren.

So viel Lob ist selten: „Wir sind dem Innenminister sehr dankbar“, sagt Wilfried Schober, Feuerwehrreferent und Pressesprecher beim Bayerischen Gemeindetag. Der Dank bezieht sich freilich explizit auf eine spezielle Regelung, die Joachim Herrmann in Berlin durchgesetzt hat: Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW und anderer Rettungsdienste, die mindestens seit zwei Jahren einen Führerschein B (Pkw) besitzen, sollen künftig auch Einsatzfahrzeuge bis zu 7,5 Tonnen fahren dürfen. Sie müssen dann keinen kostspieligen Extra-Kurs mehr bei der Fahrschule belegen. Stattdessen genügt dann eine Einweisung durch erfahrene Feuerwehrleute. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat zugesagt, die Änderung in das Straßenverkehrsgesetz einarbeiten zu lassen. Dann müssen Bundestag und -rat die Änderung verabschieden – was nach Vorfeld-Verhandlungen jetzt Formsache ist. Im Frühjahr könnte der große Feuerwehr-Führerschein kommen.

Um die Tragweite dieser Entscheidung zu ermessen, ist ein Blick ins kleine Einmaleins des Führerscheinsrechts nötig: Wer im Besitz eines vor 1999 ausgestellten „3er-Führerschein“ ist, also dem normalen Pkw-Führerschein, der darf Fahrzeuge seit jeher bis 7,5 Tonnen fahren. Wer erst nach 1999 seinen Führerschein machte, hatte das Nachsehen. Jüngere Feuerwehrleuten, die beispielsweise als sogenannte Maschinisten hinter Lenkrad und Schalthebeln kleinerer Feuerwehrfahrzeuge wie etwa dem LF 8 sitzen wollten, mussten erneut zur Fahrschule – was die Feuerwehren äußerst teuer kam. Zudem konnte niemand verhindern, dass der Absolvent anschließend „fahnenflüchtig“ wurde, sagt Gemeindetags-Sprecher Schober – sprich die Feuerwehr mit dem von der Allgemeinheit bezahlten Führerschein in der Tasche verließ. Innenminister Joachim Herrmann schlug vor, die Fahrerlaubnis B (Pkw) für Einsatzkräfte auszuweiten. Ein Blaulicht-Erlass für Bayern. Denn hier ist das Problem besonders akut, da es besonders viele freiwillige Feuerwehren gibt (8000 mit insgesamt 300 000 Mitgliedern). In anderen Bundesländern sind oft die Wehren mehrerer Orte zusammengefasst und als Berufsfeuerwehren tätig.

Der damalige Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee hielt freilich nichts von Herrmanns Vorstoß. Heraus kam schließlich ein mühseliger Kompromiss: Die Fahrerlaubnis wurde auf Fahrzeuge bis zu 4,75 Tonnen ausgeweitet. Ein durchschlagender Erfolg war das damals nicht - denn es gibt nur wenige kleine Lkw, die in der Gewichtsklasse von 3,5 bis 4,75 Tonnen liegen. 500 kleine Feuerwehr-Führerscheine wurden in Bayern bislang ausgestellt. Jetzt also die große Lösung für Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen, die aber nur für das Fahren von Einsatzfahrzeugen, nicht etwa herkömmlicher Klein-Lkw, gelten wird. Liegt das geänderte Bundes-Gesetz vor, muss Bayern eine Landes-Verordnung ausarbeiten. So viel Ordnung muss sein. Ist das geschehen, darf den Feuerwehrleuten nach einer internen Ausbildung eine Sonderfahrberechtigung ausgestellt werden. „Das ist eine spürbare Erleichterung für die bayerischen Feuerwehren und die Gemeinden“, sagt Schober. „Das bringt wirklich etwas“, bestätigt der Ebersberger Kreisbrandrat Gerhard Bullinger. „Viele Fahrzeuge sind in dieser Gewichtsklasse.“ Zum Beispiel das vor vier Jahren eingeführte und seitdem viel verkaufte STLF 10/6 – ein Staffellöschfahrzeug.

Eines freilich bleibt unverändert: Um richtig große Feuerwehr-Brummis, zum Beispiel die mit einer Drehleiter, zu lenken, ist weiterhin eine reguläre Führerschein-Prüfung notwendig.

Dirk Walter

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