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Den Alltag der Landwirte will Bettina Hanfstingl für alle begreifbar machen. Dazu nutzt sie das Internet.

Bettina Hanfstingl

Facebook-Blog zeigt, was Bayerns Bauern alles machen 

München - Die Menschen wissen oft nicht mehr, was der Bauer auf dem Feld macht. Bettina Hanfstingl will genau das ändern – mit einem Internetblog.

Die Sonne brennt herab ins Mangfalltal. Die Grashalme entlang der Kreisstraße von Bruckmühl nach Bad Aibling (Kreis Rosenheim) lassen vor lauter Hitze den Kopf hängen. Neben der Straße erscheint hier und da ein Maisfeld, aber ansonsten vor allem: Grünland. Kurz nach Bruckmühl wendet ein Bauer sein Heu. Auf dem angrenzenden Feldweg spaziert ein Anwohner mit seinem Hund entlang. Sie beachten sich nicht. Sie leben in eigenen Welten. „Sowas finde ich schade“, sagt Bettina Hanfstingl. Also hat sie überlegt – und einen Weg gefunden, den Gassi-Geher und den Bulldog-Fahrer mit einem kleinen Schubser wieder in die gleiche Umlaufbahn zu lenken.

Bettina Hanfstingl, 35 Jahre alt, betreibt als „Pflanzenbau-Reporterin“ einen Facebook-Blog. Sie schreibt über ihren Alltag auf dem Feld. So vermittelt sie auf unkomplizierte Weise eine ganze Menge an Wissen. Aber noch viel wichtiger: Sie gibt ihren Lesern einen Eindruck, welcher Mensch hinter dieser Arbeit steht. Und bringt damit Landbewohner und Landwirt wieder ein Stückchen näher zusammen.

„Abends werden die Faulen fleißig“, heißt es in einem ihrer jüngsten Blog-Einträge. Darin erklärt Bettina Hanfstingl, warum es manchmal auch nach Sonnenuntergang noch nötig ist, auf dem Feld zu arbeiten. Gerade für Betriebe wie ihren eigenen – denn Bettina Hanfstingl und ihr Mann Sepp bewirtschaften ihren kleinen Hof in Bruckmühl-Waith mit 15 Hektar und 18 Kühen im Nebenerwerb. Sepp Hanfstingl ist hauptberuflich Elektrotechniker. Der Hof ist für die Familie ein Bonus – und eine Herzensangelegenheit. Das lässt sich in Bettina Hanfstingls Blog aus jeder Zeile lesen. Und auch wenn sie im sonnigen Garten über ihren Alltag spricht, wird schnell klar, dass sie jede Sekunde auf dem Hof genießt.

So lernt der fleißige Blog-Leser – über 700 Facebook-Nutzer haben bereits auf „Gefällt mir“ geklickt – alles über Silage, Aufwuchsmonitoring oder das Verdauungssystem der Wiederkäuer. Er lernt aber noch mehr. „Dass es bei uns Bauern in den Fingern kribbelt, wenn es endlich wieder raus aufs Feld geht“, sagt die Bloggerin und lacht. Dass die Sonnenstrahlen in der Traktorkabine ein Stück Freiheit bedeuten. Und dass der Geruch von frisch gemähtem Gras die beste Erinnerung an die Heimat ist.

Um diese Gefühle zu vermitteln, hat Hanfstingl immer ihre handliche Kamera parat, wenn es raus geht auf die Felder. Um ihren Lesern ein breites Spektrum an landwirtschaftlichem Alltag näherbringen zu können, schreibt sie mittlerweile nicht mehr nur über den eigenen Betrieb. „Ich fahre bei Kollegen aus der Gemeinde oder bei Lohnunternehmern mit, um den Leuten auch Maschinen und Arbeiten zeigen zu können, die es an unserem kleinen Hof nicht gibt.“

Mit dem ersten Schnitt Ende April hat sie begonnen, erste Fotos und Texte online zu stellen. Ungefähr zweimal pro Woche kommt ein neuer Eintrag hinzu – „außer wenn die Ferien gerade losgehen, da bin ich mit meinen Buben gut beschäftigt“, sagt sie und lächelt vielsagend. Ihre beiden Söhne sind sechs und acht Jahre alt, „da ist was los, wenn die rumtoben“.

Ihre Texte lesen Dorfbewohner, die mit Landwirtschaft wenig am Hut haben. Aber natürlich auch die Kollegen. „Das freut mich“, sagt die Autorin. Es bedeutet aber gleichzeitig, dass ihr Fachwissen – Bettina Hanfstingl hat die landwirtschaftliche Ausbildung auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt – mit jedem Eintrag auf dem Prüfstand steht. Die Kollegen sind schließlich neugierig. Und manchmal, wenn auch selten, sogar ein bisschen skeptisch, wenn etwas ungewohnt Neues ausprobiert wird.

Aber im Endeffekt profitieren alle davon, wenn Bettina Hanfstingl die einander etwas fremd gewordenen Welten wieder zusammenbringt. Wenn sie den Menschen ein Bild aus dem landwirtschaftlichen Alltag geben kann. Ein Bild ohne Dampfhammer, ohne Zeigefinger, ohne Wertediskussion. Sondern ein Bild mit einer ganz persönlichen Note.

Der Facebook-Blog ist unter der Adresse www.facebook.com/pflanzenbaureport abrufbar.

Von Dominik Göttler

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