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1500 ungebetene Gäste – die alle zu Thessas 16. Geburtstag am 3. Juni nach Hamburg gekommen waren. Ein Chaos.

Facebook-Feiern: Gastgeber sollen Einsätze bezahlen

Zirndorf/Kissing/München - Oft ist es nur ein Versehen - aber meist eines mit verheerenden Folgen: Die öffentlichen Facebook-Partys mit Vandalismus, Gewalt und Alkoholexzessen häufen sich.

Und damit auch die Polizeieinsätze. Nun will deren Gewerkschaft die Veranstalter für die Kosten haftbar machen.

Die Wohnung ist zerstört. Ein Mädchen liegt bewusstlos auf der Terrasse. Zwei Partygäste tragen einen Sessel davon. Und mittendrin steht wieder einmal eine verzweifelte Gastgeberin - die einfach vergessen hat, ein kleines Häkchen wegzunehmen.

Die 14-jährige Schülerin aus Zirndorf (Landkreis Fürth) hatte am vergangenen Samstagabend sturmfrei. Ein leeres Haus, keine gestrengen Eltern - klar, da musste eine Party her. Nur: Dummerweise nutzte die Schülerin das Internet-Portal Facebook, um zu ihrer Party einzuladen. Und vergaß, die Veranstaltung per Häkchen als privat zu kennzeichnen (siehe Kasten). So standen plötzlich 70 Leute vor ihrer Tür. Und ein paar Stunden später die Polizei - Nachbarn hatten sie gerufen, als sie ein 15-jähriges Mädchen bewusstlos auf der Terrasse liegen sahen.

Mehrere tausend Euro Schaden sind nun das Ergebnis der Party. Dabei hatte das Mädchen noch Glück. Sie lebt in einer Kleinstadt - bei der 16-jährigen Thessa aus Hamburg standen vor drei Wochen nach demselben Einladungspech letztendlich 1500 ungebetene Gäste vor der Haustür.

Was all diese Facebook-Partys gemein haben: Jedes Mal müssen Ordnungskräfte einschreiten, um die feierwütigen Jugendlichen zur Räson zu bringen. Doch diese Einsätze könne die Polizei personell nicht stemmen, erklärte nun deren Gewerkschaft. Und: Sie will, dass die Organisatoren solcher Partys für die Polizeieinsätze haften. „Wer über das Medium Facebook gedankenlos Einladungen verschickt, muss sich auch des Risikos bewusst sein, dass durch einen unbeabsichtigten Fehler oder womöglich grob fahrlässig statt 15 guter Freunde plötzlich 500 oder mehr erlebnisorientierte Jugendliche vor der Tür stehen und feiern wollen“, sagte Landeschef Helmut Bahr in München.

Eine Forderung die sich wohl hauptsächlich gegen Facebook-Nutzer richtet, die solche Partys mit Eifer organisieren: Drei Tage nach der ausgeuferten Sturmfrei-Party in Zirndorf machte sich ein 19-jähriger Zirndorfer einen Spaß daraus, ein Sturmfrei-Treffen vor dem Reihenhaus seiner Eltern über Facebook zu organisieren. Dort versammelten sich denn auch 100 Leute - bis der verängstigte Bruder des 19-Jährigen vom verlassenen Haus aus die Polizei rief. Die ganze Party war eine Rache-Aktion des Organisators gewesen: Er hatte von seinen Eltern ein Hausverbot ausgesprochen bekommen.

Zudem sollen in Zukunft auch die Betreiber der Internetportale laut Gewerkschaft zur Verantwortung gezogen werden: „Es kann kaum im Interesse der Anbieter sein, häufiger im Zusammenhang mit Gewaltvorfällen, Vandalismus und Alkoholexzessen genannt zu werden“, so Bahr. Dieser Aufruf juckt die Betreiber von Facebook jedoch wenig: Erst am Montag erklärte ein Sprecher des sozialen Netzwerks, dass der Hinweis über die Öffentlichkeit einer Veranstaltung sehr deutlich erscheine.

Letztlich ist es auch fraglich, ob die ausufernden Facebook-Partys weniger werden, auch wenn die Polizei ihre Forderungen durchsetzen kann. Denn: Die Einladungen können auch anonym verschickt werden.

Nina Praun

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