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Das soziale Netzwerk hat weltweit rund 845 Millionen Mitglieder. Tendenz steigend.

Über diese Gemeinden spricht man bei Facebook

München - Eine Homepage ist nicht genug. Immer mehr Städte und Gemeinden in Bayern sind bei Facebook aktiv. Doch nur wenige haben den Dreh raus. Über welche Gemeinden die Bürger im sozialen Netzwerk wirklich sprechen:

Die Internetseiten gleichen sich. Das Gemeindewappen, vielleicht ein Panorama-Bild, zwei, drei Infos zum Ort. Dann die Nachrichten: Neue Satzung in...; Gemeinderat verabschiedet, dass...; Feuerwehr feiert... Punkt. Kommentare? Fehlanzeige. An Diskussionen ist gar nicht zu denken. Man ist halt dabei, muss man ja heute sein. Nur eben etwas hilflos. Im Sinne des Erfinders ist das nicht. Denn als soziales Netzwerk soll Facebook ja vor allem eines: die Leute miteinander vernetzen, sie zum Plaudern bringen. Aber wollen das die Kommunen auch?

Der Verwaltungsdirektor des Bayerischen Gemeindetags, Wilfried Schober, bringt die Sache auf den Punkt: „Die Frage ist, ob Facebook für eine Gemeinde das richtige Medium ist.“ Und trotzdem häufen sich die Anfragen der Kommunen. Eine Zahl kann Schober nicht nennen; aber ein Gutteil der 2013 Gemeinden, Märkte und Städte, die in dem Verband organisiert sind, habe in Sachen Facebook bereits bei ihm Rat gesucht. Wie müsste man sich in dem Netzwerk präsentieren, welche Inhalte interessieren? Das Problem laut Schober: „Wir geben keine Ratschläge.“ Der Grund: Auch im Gemeindetag herrscht Ratlosigkeit.

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Dabei fehlt es nicht an guten Ansätzen. Beispiel: die Gemeinde Haar (Kreis München). Seit September 2010 hat sie 521 Online-Fans gewinnen können – und erreicht noch viele mehr. 900 bis 2000 Nutzer klicken sich jeden Tag durch die Seite, die Claudia Erl als externe Mitarbeiterin der Verwaltung betreut. Nicht schlecht für einen Ort mit knapp 20.000 Einwohnern. Aber keine Zauberei.

Erl glaubt, die Mischung aus Information und Unterhaltung macht’s. Besonders beliebt sei das Bilderrätsel. Eines pro Tag, jedes Foto zeigt einen Platz in Haar. Die Nutzer müssen erraten, welchen. „Die warten tatsächlich darauf“, sagt Erl. „Wenn mal einen Tag lang keins drinsteht, klicken die Leute weniger.“ Sonst dauert es selten länger als 20 Minuten, bis Antworten kommen. Auch Nutzerfotos hat Erl schon bekommen. „Das sind dann 15-Jährige, die Sachen knipsen, die ihnen wichtig sind.“ Interaktion, die funktioniert.

Aber warum dieses Theater? Nutzt das der Gemeinde? Bei der Vernetzung gehe es „um das Wir-Gefühl“, glaubt Erl. „Und zwischendrin verpacke ich immer schön unsere Gemeindeinfos.“ So erfuhren die User etwa vom Abriss des historischen „Poststadls“. Was folgte, war eine richtige Diskussion – per Facebook: „Da war was los.“ Das ist zwar noch die Ausnahme. Wöchentlich, sagt Erl, beteiligten sich nur etwa 30 bis 100 Nutzer durch einen Kommentar oder ähnliches. Grundsätzlich aber sei es „eine relativ kommunikative Seite“ geworden.

Genau da will Uwe Brandl, der Präsident des Bayerischen Gemeindetages, hin. Der Bürgermeister von Abensberg (Kreis Kelheim) setzt auf neue Medien – seine Stadt hat gleich zwei Facebook-Seiten. Die eine, „Stadt Abensberg“, wird von verschiedenen Mitarbeitern im Rathaus verwaltet und soll als Informationsplattform zu Veranstaltungen im Ort dienen. Der Musiksonntag, die Stadtratssitzung, die Hopfenwochen. Der Effekt: Einmal angekündigt, sagt Brandl, habe die Veranstaltung gleich „einen wesentlich größeren Andrang“. Es müsse nur einem der 259 Fans gefallen, „dann wird das zum Selbstläufer“. Seite zwei ist anders, politisch. „Abensberg aktuell“ heißt sie und wird vom Rathauschef selbst verwaltet, nicht selten per Smartphone. Gemeindepolitik auf Facebook-Deutsch. Einer von Brandls jüngeren Einträgen liest sich so: „Endlich wieder on. Bereiten grade einen Haushalt ohne neue Schulden vor. Nach den intensiven Investitionen müssen wir jetzt eine Zeit auf die Bremse latschen.“ Kommentar eines Nutzers: „So ist das Leben.“

Das könnte auch unter der kurzen Facebook-Geschichte des Markts Murnau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) stehen. Per Gemeinderatsbeschluss schaffte die Gemeinde seinen Facebook-Kanal jüngst wieder ab, weil ein NPD-Funktionär darauf Werbung für ein Treffen gemacht hatte. Murnaus Geschäftsleiter Josef Neuner sagt, bisher habe es noch keine negativen Rückmeldungen gegeben. „Natürlich kann man sagen, 2012 sollte man bei Facebook sein. Aber wenn der Schaden größer ist als der Nutzen?“

Von Letzterem sind Erl und Brandl fest überzeugt. Richtig genutzt, sei Facebook ein Tor zur jungen Generation, die sonst nicht erreicht würde. Eine Chance, die man nicht versäumen dürfe.

von Marcus Mäckler

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